Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1893)
- Date
- 1893-03-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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460 zu ziehen und dort, mich ausschließlich dem Studium der Gotteslehre und der Erfüllung religiöser Pflichten hingebend, mein Leben zu beschließen! — Ich gehe nach Jerusalem!" Es war mir nicht lieb, daß unser Rabbi, die Leuchte der deutschen Judenheit, für immer von uns gehen, für immer aus seinem Familienkreise treten wollte, aber ich wußte, daß, wenn er dies gelobt, es keiner menschlichen Ueberredung gelingen würde, seinen Entschluß zu erschüttern, und auch das mußte ich erkennen, daß die heilige Stadt ihm das sicherste Asyl böte — dort konnte er ruhig, ungestört leben, dort hatte er kei- Verrath zu befürchten, nach der heiligen Stadt reichte Markgraf Wilhelm Friedrichs gewaltthätiger Arm nicht!" „Und Ihr, Ihr treuer Mann, der Ihr Weib und Kind besitzt und sie abgöttisch liebt", rief Dtna Frankl, „Ihr konntet Euch entschließen, meinen Gatten nach Jerusalem zu begleiten, Euere Familie so lange ohne Schützer und Ernährer zu lassen?" „Frau Oberrabbinerin", entgegnete Deidelsheimer und ein gutmüthiges Lächeln überflog seine Züge. „Sie kennen ja unfern Rabbi, der sich so weit es sich um ihn selbst handelte, nie um das Getriebe des gemeinen Alltagsleben gekümmert hatte. Es erschien oft unerklärlich, daß ein Mann, der, wenn es sich um die Interessen Anderer handelte, wenn es sich darum handelte, Bedrückte zu beschützen, Unglückliche zu retten, den Markgrafen von Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten abzuhalten, so hohe Lebensklugheit und Energie zu entwickeln vermochte; — wenn es sich um seine und der Seinen Rechte und Vortheile handelte, so ganz apathisch blieb. Er hat sich nicht um das Geschäft, dessen Theilhaber er war, gekümmert und nur aus dem Grunde alljährlich nachgefragt, wie viel gewonnen wurde, um dasMaßer?) für wohlthättge Zwecke zu verwenden. Wie konnte ein solcher Mann, allein, von den höchsten Gefahren bedroht, die weite, beschwerliche Reise unternehmen? Das war ja völlig undenkbar! In seiner frommen Einfalt, hätte der Mann, von dem ichs beschwören möchte, daß nie ein unwahres Wort über seine Lippen getreten, sich tausendmal verrathen und sich von Neuem in entsetzliches Elend gebracht!" „Gott hat uns viel Leid zugeschickt, aber er hat uns auch große Huld erwiesen: — daß er uns einen so edlen Freuno wie Du es bist, beschieden", sprach Dina Frankl. Deidelsheimer that, als wenn er die Unterbrechung überhört hätte und fuhr fort! „Zum Glücke war ich, wie Sie, junger, gnädiger Herr wissen, reichlich mit Geld versehen. Herr Rafael." — Deidelsheimer wandte sich an die Frauen, „hatte in seiner umsichtigen Weise auch die Möglichkeit in's Auge gefaßt, daß wir, wie dies in der That geschehen, durch einen unberechenbaren Zwischenfall bei dem Besreinngsversnche zersprengt würden und ich gezwungen sein könnte, zu flüchten, längere Zeit in der Ferne leben und hatte mir für alle Fälle eine große Summe übergeben, die ich in einem Geldgurt unter den Oberkleidern trug. Der Rabbi wollte es zuerst nicht dulden, daß ich ihn begleiten, nicht zu meiner Familie zurückkehren wollte, schließlich sah er aber doch die Nothwendigkeit ein, und ich glaube fast, er freute sich dessen." „Gewiß, bestimmt!" rief Eva, „der Vater mußte ja erkennen, daß er nicht einen einzigen Tag ohne Dich hätte bestehen können." (Fortsetzung folgt.) 7) Den zehnten Theil. Der »Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. NreiS des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M drstryr« bei E. $. Ktrinackrr, Leipzig, Roßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redactiou eingesandten Manuscripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückznbehalteu. Inhalt (Hanptblatt): Reuender Artikel: Hagadah schet Pesach. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Frankfurt a. M. Berlin. Hannover. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Palästina: Jerusalem. — Rußland : Petersburg. — Holland: Amsterdam. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Der Reichstagsabgeordnete Ahlwardt. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Graz. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die Tekuphoth. Von L. Cohen in Rees am Rhein. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Griechenland: Korfu. — Türkei: Salonichi. — Feuilleton: Die drei Kronen. Erzählung von H. Berger. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz- Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilage«.