Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-03-23 · Heft 24 (23.3.1893) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 24 (23.3.1893)
Date
1893-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448340--36008-2484018
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

458 Prozent sind mit der Landwirthschaft vertraut, die übrigen sind theilweise Handwerker, thetlweise solche Personen, die den Ackerbau leicht lernen können. Die meisten dieser Emigranten stammen aus den südlichen Gebieten, im südwestlichen Rußland war es schwerer, Pioniere für die Kolonisation zu finden. Die Regierung und die Behörden haben sich dem Herrn Feinberg überall sehr zuvorkommend gezeigt. Zwar fehlte es nicht an Leuten, die sich zur Auswanderung nach Argentienten bereit erklärten, es lag aber im Interesse dcs ganzen Kolonisations- Werkes, so vorsichtig als möglich zu handeln, und Herr Feinberg hat nur vollkommen geeignete Personen in die Listen eingetragen. Viele schickten Delegirte nach Paris zum Baron Hirsch mit der Bitte, sie unter sein Protektorat zu nehmen und sich an die Spitze der in Rußland selbstständig entstehenden Assoziationen zu stellen, um damit eine umfassende Emigration nach Argentinien möglich zu machen. Indessen ist beschlossen worden, wie Herr Feinberg versichert, die Auswanderung in den Händen der Bevollmächtigten des Baron Hirsch zu konzentriren. Jeder selbstständig unternommenen Massenauswanderung wird der Baron seine Hilfe versagen. Mittlerweile hat derselbe den Ingenieur Kasan in Moskau zum Aufseher über sämmtliche Bauten in den argentinischen Kolonien ernannt, sowie auch Aerzte, Feldscheere und Apotheker in nöthiger Zahl aus Rußland nach Argentinien kommen lassen. Der Direktor der jüdischen Ackerbauschule zu Odessa, Herr H. Bertenson, hat ebenfalls die Einladung erhalten, das Amt eines Oberagronomen in den Kolonien zu übernehmen. Er begiebt sich nunmehr mit Herrn Feinberg und den Auswanderern nach Paris, wo eine Berathung über die weitere Organisation des Kolonisationswerkes stattfinden soll. Petersburg, 21. März. Den „Birshewyja Wjedomosti" zufolge soll im Ministerium des Innern in diesem Herbst eine Rabbinerkommission zur Prüfung einiger Angelegenheiten zusammentreten. Es handle sich um eine vom Gesetze bereits vorgesehene Maßnahme. In der Kommission würden aus jeder israelitischen Kultusgemeinde der Städte Rußlands, wo Israeliten ansässig sind, zwei Deputirte gewählt. Dem jüdischen Blatte „Woschod" zufolge haben in Ismail und Kischinew bereits Wahlen für die Kommission stattgefundeu. Holland. Aus Amsterdam theilt man mit, daß Moritz Scharf, der bekannte Zeuge im Tisza-Eszlarer Prozeß nicht gestorben ist. Das war schon zu vermuthen nach einer Notiz des „Pesther Lloyd", wonach der Vater Scharfs vom Tode seines Sohnes nichts wisse und auch nicht daran glaube; derselbe habe noch am 27. Februar seinen Eltern geschrieben und stehe mit ihnen in stetem Briefwechsel. > Vermischtes. < Cöln. Der Rechenschafts-Bericht des Vereines des jüdischen Lehrer-Seminars in Rheinland zu Cöln für 189t (das 25. Jahr seines Bestehens) weist eine Gesammt-Einnahme von Mk. 30543,55 auf, denen die Betriebsausgaben mit Mk. 27853,75 gegenüberstehen. Die Zahlung der restlichen Seminar-Bauschuld de 2009 Mk. mußte aus dem Capital-Fond bestritten werden; rechnet man diese mit zu den Ausgaben dieses Jahres, dann ergiebt sich ein minus der Einnahmen über die Ausgaben von Mk. 1353,10. Die Einnahmen sind in diesem Jahre leider wesentlich geringere gewesen; die regelmäßigen Jahresbeiträge sind ca. 2300 Mk. weniger, als in >889, die Stiftungen sind gegen das Vorjahr um ca. 3300 Mk. zurückgegangen. — Möge doch die Bitte des Curatoriums Gehör und Gewährung finden, daffelbe hochherzig zu unterstützten durch größere Zuwendungen, durch Gewinnung neuer Förderer und Gönner. Mattersdorf. Nach langen Kämpfen ist es dem hiesigen Verein „Jeffode Thoras EmeS" gelungen, die staatliche Anerkennung zu erlangen. Die kürzlich stattgefundene Prüfung der Zöglinge hatte ein sehr günstiges Resultat, die schlagfertigen Antworten der Schüler erregten Staunen und Bewunderung. Feuilleton. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (61. Fortsetzung.) „Ich verlebte in dem Hause meines Bruders unschilderbare Qual. Der Rabbi rang wochenlang mit dem Tode und doch durften wir es nicht wagen einen Arzt zu rufen. Es durste außer meinem Bruder, meiner Schwägerin und mir, Niemand den vermeintlichen Nachum Hanau zu Gesicht bekommen. Auch befand ich mich in schweren Sorgen um Sie, meine Hochgeehrten und diese wurden bald noch dadurch erhöht, daß die Erlässe des Markgrafen, in welchen ein Preis auf Ihre Habhaftwerdung ausgeschrieben, zu meiner Kenntniß gelangten. Zu alledem trat noch die Sorge, ob unser Rabbi, auch nach seiner Genesung, im Stande sein würde eine weite Reise nach einer fernen Gegend, wo er vor den Verfolgungen des Markgrafen sicher sein konnte, zu unternehmen, ob es mir gelingen würde einen solchen Ort zu ermitteln. Ueberdies quälte es mich auch unertragbar, daß mein gutes, treues Weib sich in Sorgen um mich verzehren würde. Wie Sie wissen, war es besprochen worden, daß, sobald unser Rabbi glücklich auh dem Kerker entkommen, Sie alle mit ihm so rasch als möglich Deutschland verlassen, ich aber zu meiner

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.