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Der Israelit · 1893-03-23 · Heft 24 (23.3.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 24 (23.3.1893)
Date
1893-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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457 natürlich geheim, nicht offiziell. Damals fei das deutsche Volk an Börsenjuden verrathen und um 100 Millionen betrogen werden. Staatssekretär Maltzahn weist die darin gegen die frühere Regierung liegende Beleidigung zurück. Ahlwardt bleibt bei seiner Behauptung, die er durch Original Aktenstücke beweisen könne. Rickert beantragt Vertagung, um Ahlwardt Gelegenheit zu geben, diese Aktenstücke vorzubringen. Manteufsel unterstützt diesen Antrag, der mit großer Mehrheit angenommen wird, obgleich der Reichstag sich heute bis nach Ostern vertagen wollte. In Hannover war vor einigen Tagen das Provinzial-Wahlkomitö der nationalliberalen Partei der Provinz Hannover versammelt. Ueber den Antisemitismus wurde beschlossen: „Im Gegensatz gegen den Antisemitismus, der durch seine maßlosen, vielfach unwahren Behauptungen die Leidenschaften entfesselt und in das Bürgerthum durch seine demagogische Agitation neue Momente der Trennung und des Zweispalts hineinträgt, verweist das Provinzial-Wahlkomite von der Grundlage der Gesittung des Zeitalters aus auf die Verfassung und die Gesetze des Deutschen Reiches und des preußischen Staates, die keinen Unterschied der Staatsbürger kennen, und tritt für die Erhaltung der Grundsätze der Humanität, und der Verfassung auf das entschiedenste ein. Es spricht aber zugleich die Erwartung aus, daß die Israeliten selbst durch öffentliches Auftreten gegen Auswüchse in ihren eigenen Reihen, wofür bereits die Anzeichen vorliegen, zur Herstellung des sozialen Friedens beitragen. Namentlich ist zu forderen, daß aus diesen Kreisen selbst die bessernde Hand an diejenigen in jüdischen Händen befindlichen Preßorgane gelegt werde, welche durch ihr vielfach die Gefühle ihrer Mitbürger verletzendes Verhalten die antisemitische Bewegung groß gezogen haben. Insofern Wucher, Güterausschlachtung, unreelles Geschäfts gebühren und andere soziale Schäden, die nicht minder der antisemitischen Bewegung den Nährboden geben, mit gesetzlichen Mitteln beseitigt oder gemildert werden können, hält das Provinzial-Wahlkomits ein Vorgehen der Regierung und der gesetzgebenden Körperschaften für erforderlich." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Der Unterrichtsminister hat verordnet, daß in den Mittelschulen israel. Schüler an Samstagen und jüdischen Feiertagen durch den betreffenden Schuldirektor vom Schreiben und Zeichnen befreit werden können, und zwar ohne jegliche locale Beschränkung, wie bisher, und ohne jede Bedingung, lediglich auf Grund eines hinsichtlich der Unterschrift behördlich beglaubigten Ansuchens der Eltern. Daneben bleibt jedoch die frühere Verordnung aufrecht, wonach der befreite Schüler in den betreffenden Stunden, trotz der Befreiung, anwesend zu sein hat und wenn möglich, z. B. aus der Mathematik, zu mündlicher Beantwortung, ja beim Zeichnen zu mündlicher Erklärung aufgerufen werden kann. Wenn die Claffe ausschließlich mit Aufgabenschreiben oder Zeichnen beschäftigt ist und Erklärungen nicht Vorkommen, ist der befreite Schüler aus demselben Lehrgegenstande zu examiniren oder zur Repetition anzuhalten. Nachdem Schönschreiben wöchentlich nur einmal vorkommt, ist die Anordnung so zu treffen, daß diese Stunde nicht auf den Samstag falle. Die befreiten Schüler sind in den übrigen Stunden umso eingehender zu examiniren. P a l ä st i n a. Jerusalem, im Adar. Die Verwaltung der „Talmud-Thora-Schule" und der Hochschule „Jeschibath-Etz-Hachajim" versendet den Jahresbericht dieser Anstalten. Nach demselben hatten dieselben eine Einnahme von 31,200 Fr., während 38,052 Fr. verausgabt wurden, so daß sich ein Deficit von 6,852 Fr. ergab. Die Verwaltung schließt an diesen Bericht nachstehende dringende Bitte: „Indem wir Ihnen hiermit den Jahresbericht der „Talmud-Thora-Schule und der Etz-Ha'im-Hochschule" überreichen, benützen wir mit Freuden diese Gelegenheit Ihnen unfern innigsten Dank auszusprechcn, für die warme Theilnahme, die Sie unseren Anstalten bis jetzt bewiesen haben. Leider haben wir dieses Jahr ein Deficit von 6852 frcs. Verdoppeln Sie daher in der Zukunft Ihren Eifer zum Wohle dieser Anstalten. Bedenken Sie, wie wenige solcher Anstalten das Judenthum jetzt besitzt, nachdem in Europa viele zwangsweise geschlossen sind. Bedenken Sie, wie wichtig eine solche Anstalt im heil. Lande ist, damit wenigstens hier unsere heilige Thora in größtem Umfange gepflegt werde. Gott wird Ihre Theilnahme für diese heil. Anstalten tausendfach belohnen." Auch Herr Samuel Salant ’"j, Oberrabbiner der Aschkenasim-Gemeinde, bittet in einer Nachschrift um kräftige Unterstützung dieser segensreichen Anstalten. Rußland. Petersburg, 2. März. Nachdem der Bevollmächtigte des Baron Hirsch, Herr Fetnberg, sechs Monate lang durch die von Juden bevölkerten Städte und Städtchen sowie auch Dörfer gereift war, um für die Auswanderung nach Argentinien in jeder Beziehung geeignete Elemente anzuwerben, ist es ihm gelungen, für die nächsten Zwecke 450 Familien zu finden, welche sich zur Auswanderung bereit erklären und allen gestellten Forderungen entsprechen. Von diesen 450 Familien befassen sich 50 Prozent in Rußland bereits mit Ackerbau, 30

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