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Der Israelit · 1893-03-23 · Heft 24 (23.3.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 24 (23.3.1893)
Date
1893-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Vierzig Jahre lang ward der Sabbat verbrieft und versiegelt in Israel. Kein Kind in Israel konnte zweifeln, welcher der Tag des Herrn sei. }ü2 nenpi pa 1212 Jeder Sabbat kündigte sich schon am Freitag durch den doppelten Mannasegen an, und jeder Sabbat stand da von Gott geheiligt und als ein Tag verkündet, an welchem der Mensch nicht hinaustreten solle, seine Nahrung zu gewinnen. Denn *nb dvh wnp Gott heilig ist der Tag! Am Sabbat war das Manna nicht auf dem Felde zu finden. Vierzig Jahre lang ward das Volk gelehrt dinh mr na^ ün^n by p, daß das von Menschenkunst der Natur abgewonnene Brod allein nicht ist, was den Menschen nährt; nsib bo by p ri'N' *n ’D, sondern, daß der Mensch das Wohlgefallen Gottes zu suchen habe. Vor aller Gesetzgebung steht darum der Sabbat, um diese Erkenntniß Gottes und dieses Gottvertrauen zu begründen und zu erproben. GN »mma -jV’n udjk. Gott Tempel bauen, Gott Altäre schmücken, Gott Halleluja's singen, das machts nicht aus. Seinen Namen im Munde führen, aber im Leben nicht den Muth haben, den kleinsten erreichbaren Gewinn um seines Namens Willen zu lassen, den kleinsten, erreichbaren Genuß, um seines Namens Willen einzubüßen — das ist es nicht. In den Tempeln Gott, aber im Leben der Kreatur zu dienen, das ist das Judenthum nicht, das ist mit Nichten die jüdische Freiheit, die die Menschheit zu erlösen und zu beglücken gesendet ist. Im Leben, durchs Leben unsere Gotteserkenntniß, unser Gottesvertrauen zeigen, freudig bereit sein in Wüsteneien zu folgen, wenn dorthin Gottes Wort mit Weib und Kind uns ruft, freudig bereit sein, um Gottes Willen, Hab und Gut, Verdienst und Genuß, Kraft und Leben einzusetzen — das heißtJude nthum. Nicht zittern, wenn um Gottes Wortes willen, die Welt um uns zur Wüste würde und wir die Gunst der Natur und der Menschen verlieren müßten, nicht zittern, wenn alles künstliche Brod und alle Fleischtöpfe Egyptens uns versagt würden, und wir nur Tag für Tag aus Gottes Händen für uns die tägliche Nahrung hinzunehmen hätten, und nicht nur nicht zittern, in heiterem Gottvertrauen heute unser Brod verzehren, auch ohne zu wissen, wovon wir morgen mit den Unsrigen leben sollen, und als Moder und Fäulniß achten, was der Mensch in gottverleugnender Engherzigkeit sammelt und genießt — das heißt Judenthum. Und für dieses Judenthum uns zu erziehen und zu erproben und fort und fort zu prüfen, ob wir stark genug seien für solches Judenthum, dafür — ward uns der Sabbat gesendet. Der Sabbat ist der Probirstein des Juden. Am Sabbat soll sich's fort und fort erproben, ob sein Judenthum, seine Gotterkenntniß, fein Gottvertrauen echt sind, soll sich's bewahren kV qk ’mina *) Um aber diesen Sabbatgeist bei uns heimisch zu machen, dafür ward uns das Manna vom Himmel gereicht. Hätte uns daher Gott mit Manna gespeist, uns aber den Sabbat nicht gegeben, hätte es uns genügen können? Hätten wir dieses Höheziel je erreichen, je auch nur im Ernste anstreben können, ohne die Erziehung, die sonst kein vorübergehendes Wunder, die nur der Sabbat allein zu Wege bringt? In der Wüste, wo das ganze Leben von göttlicher Gnade sichtbar getragen wurde, wo jedes Mannabrodkrümlein von Gott dem Schöpfer und Herrn jede Menschenhütte, jede Menschenseele mahnte, in der Wüste, in welcher der Mensch nichts und Gott alles war, in der Wüste war es schwer Gott zu vergessen, war es schwer des Sabbat nicht zu gedenken. Aber die Wüste war ja nicht Israels letzte Bestimmung, Gott in dieser wundererfüllten Ausnahmslage durchzutragen, nicht die Summe der Sendung Israels. Mitten in den Kreis der Menschengesellschaft sollte Israel mit seinem Gottesbewußtsein eintreten, und sollte auf eigenem Boden die ganze Mannigfaltigkeit und Einheit eines vollen Staatenlebens entfalten. Die Wolken- und Feuersäule blieben in der Wüste, und das Manna hörte auf, sobald Israel den Fuß in bewohntes Land gesetzt. Fortan waren Aecker zu bauen, Weinberge zu pflanzen, Handwerke zu üben, Häuser zu bauen und Handel zu treiben. Wie alle andern Menschenkreise sollte nun auch Israel mit Menschengeist und Menschenkraft der Natur Dasein, Besitz und Genuß abgewinnen und das Staatsband der Gesammtheit um den Einzelnen schlingen. Hier im Staate, wo der Mensch alles ist, wo sein Geist, seine Kraft, seine Erfindungen und Einrichtungen herrschend erscheinen, da lag und liegt die Gefahr jederzeit nahe, daß der Gedanke an Gott immer mehr in den Hintergrund trete, daß der Mensch spricht: Dxyi td ’t „meine Kraft und meine Macht", und vergißt $>'n nwyb na ^b;m:n Nin »a, wem er diese Kraft verdankt. An dieser Klippe ist Israels Staatsleben gescheitert. Als schon der Untergang des jüdischen Staats vor den Thoren lauerte, ließ daher Gott durch den Propheten Jeremias verkünden: „So hat Gott zu mir gesprochen: Gehe und stelle Dich in das Volksthor, durch welches die Fürsten Judas eingehen und durch welches sie herausgehen und an alle Pforten Jerusalems und sage ihnen: Höret das Wort Gottes, ihr Fürsten Judas und ganz Juda und alle Bewohner Jerusalems, die eingehen in diese Thore! So hat Gott gesprochen: Um Eueres eigenen Wohles willen hütet euch und l) Hirschs Jeschurun Bd. 1. „Der Sabbat."

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