Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 24 (23.3.1893)
- Date
- 1893-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXTV. Jahrgang. M 24. Der Israelit. Ein GenLrak-Hrgan für das orthodoxe Judentum. Begründet von Br, Lehman« in Mainz. Donnerstag, den 23. März 5653 (1893). Da mit dem 1. April 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten ili^^r Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. KagadaH schek Wesach Siebente Serie. IV. Mainz, 22. März. .WH roffn ns vb |r\i pn nt* Hätte uns Gott mit Manna gespeist, uns aber nicht den Sabbat gegeben, hätte es genügt? Der innige Zusammenhang zwischen der Mannaspende und der Einsetzung des Sabbat wird in dem von uns im vorigen Abschnitt cittrten 16. Capttel des 2. B. M. ausdrücklich betont. Die Wunderthat des Manna beschänkte sich nur auf die Zeit der Wüstenwanderung. So lange dieselbe dauerte, waren die Millionen israelitischer Seelen, welche durch sie gespeist wurden, ebensoviele Zeugen für Gottes sichtbares Eingreifen in die Geschicke der Menschen. Aber als dann unsere Väter in das Land ihrer Bestimmung kamen, fehlte es in den dann folgenden Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht an Stimmen, welche auch dieses offenkundige, über allen Zweifel erhabene Wunder auf gewöhnliche, natürliche Weise zu erklären suchten. In der That berichten Orientreisende von einem Nahrungsmittel, das sich besonders in der Gegend von Suez und in den arabischen Wüsten findet, welches von den Eingeborenen noch heute Man genannt wird, und das in seinem äußeren Aussehen eine gewisse Aehnlichkeit mit der Himmelsspeise hat, wie sie in der Thora geschildert wird. Rabbi Elieser Aschkenasi, der jene Gegenden aus eigener Anschauung kannte, vermuthet daher vielleicht nicht mit Unrecht, daß unsere Väter beim ersten Anblick dieser neuen Speise selbst glaubten, sie sei nichts anderes, als die den Wüstenbewohnern geläufige Man-Speise, und daß dies der Sinn der Worte ist: itm «in rin ij/y ab ’d Min p ma t>N btn row *>«"!»• „Die Kinder Israel sahen es und sprachen einer zum andern, das ist das Man, denn sie wußten nicht, was es war." (2. B. M., XVI, 15) und daß sie erst durch den Geschmack und durch die Belehrung Moschehs über ihren Jrrthum aufgeklärt wurden. Aber abgesehen davon, daß diese Speise nichts mit den wunderbaren acht Kriterien gemein hat, die wir als Eigenthümlichkeit des unmittelbar von Gott gewährten Manna erkannt haben, so findet sie sich auch so selten und spärlich, daß man an die Speisung damit von Millionen Menschen während vierzig Jahre auch nicht im Entferntesten denken kann. Das Manna-Wunder, das durch seine Natur an eine gewisse Zeit und Oertlichkeit geknüpft war, stand mit den übrigen Wundern der Wüstenwanderung unserer Ahnen in dem Dienst einer Institution, die alle Zeiten überdauert und alle Zonen umfaßt, und diese ist der Sabbat. Keine von allen heiligen Gottesstiftungen ward daher so vorbereitet, als der Sabbat. Für keine der heiligen Gottessttftungen ward Israel so angelegentlich und andauernd ganz eigentlich erzogen und geübt, als für den Sabbat. Wie der Sabbat Israel am Eingänge der Wüste begrüßte, so kann man sagen, daß die ganze vierzigjährige Wüstenwanderung nichts anders als eine Erziehung zum Sabbat war, wie jedes Gott versuchende Klagen und Murren in der Wüste nichts als eine Versündigung gegen den Sabbatgeist gewesen ist.