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Der Israelit · 1893-03-16 · Heft 22 (16.3.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 22 (16.3.1893)
Date
1893-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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418 Mit diesem Aufruf sind Sie, geehrter Herr Redacteur, mystificirt worden. Wer der Einsender jenes Aufrufs gewesen, ist mir unbekannt und noch rätselhafter ist es mir, aus welchen Absichten er dieses gethan. Ich habe mich seit meines Lebens von meiner Hände Arbeit zu ernähren gesucht, besaß vor meiner Ausweisung aus Rußland ein ziemlich bedeutendes Vermögen und bin auch hier, trotz der herben Schicksalsschläge, die mich getroffen, ernstlich und aufs eifrigste bemüht, mein Brod auf die ehrenhafteste Weise zu verdienen, niemals würde ich die öffentliche Wohlthättgkeit in Anspruch nehmen und wenn ich und meine Familie auch die bitterste Roth erleiden müßten." Pinkus Langsam, Leowrikstr. 55. Griechenland. Korfu. p-wun by Vnn. Nicht nur unsere Gemeinde, sondern auch die heilige Stadt sammt ihren Schwesterstädten Liberias, Zefat und Hebron hat einen schweren Verlust erlitten, denn im Alter von fünfundsiebzig Jahren ist hier Herr Zacharia Samuel Haim aus dem Leben geschieden, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, für die genannten vier palästinensischen Städte ununterbrochen milde Gaben zu sammeln und sie denselben immer zu den jüdischen Feiertagen zuzusenden. Er besaß auch einige Anerkennungsdiplome von den Rabbinen der heil. Städte, die er unter Rahmen in seinem Zimmer aufbewahrte und auf die er stolzer war, als mancher moderne Israelit auf seine Ordensdecorationen. Als frommer Jude hatte er gelebt und als solcher ist er auch gestorben, denn mit den Worten: nr6yi nn-a ym r6. An seinem Begräbnisse betheiligte sich fast unsere ganze Gemeinde, um so das Andenken dieses gottesfürchtigen Mannes zu ehren. n"Ds»n. Feuilleton. „Mrstengrmst." Erzählung von G- Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden UebersetzungSrechte Vorbehalten. (59. Fortsetzung.) Rafael schloß seine Miltheilungen: „Samson Wertheimer, der ein Großoheim Lea Arnsteins, das Orakel und die maßgebendeste Persönlichkeit seiner Familie ist, hat mich versichert, daß durch den plötzlichen Umschwung, der durch Gottes Hilfe in unseren Verhältnissen eingetreten, die Hindernisse, die sich meiner Verbindung mit Lea Arnstein entgegenstemmten , eben so wie jene, die Deine Vereinigung, liebe Schwester, mit dem Manne Deines Herzens, mit dem herrlichen Perez Markbreiter früher unmöglich zu machen schienen, völlig behoben sind. Wenn wir in Wien angelangt sein werden, wirst Du Gelegenheit haben, Lea und ihre würdigen Eltern kennen zu lernen und wenn Du uns — woran ich nicht zweifle — Deinen Muttersegen ertheilen wirst, hoffe ich Dir eine Schwiegertochter zuzuführen, die Deiner eben so würdig ist, wie Dein zukünftiger Schwiegersohn, Perez Marbreiter, den Du selbst kennen und achten gelernt hast!" „Ob ich Euch, meine lieben, theueren Kinder, meinen Muttersegen ertheile!" rief Dina Fränkl erschüttert. „Mögt Ihr durch Gottes Huld so glücklich werden, als ich es wünsche, als Jhrs verdient! Nur Eines schmerzt mich weit mehr, als icks auszudrücken vermag; daß unser Glück nicht vollständig ist, daß Euer Vater nicht an diesem Theil nimmt, daß noch immer der quälende Zweifel, ob er am Leben, wie eine finstere Wolke all das Glück, das uns geworden, verdunkelt!" „Mütterchen!" rief Eva, sie heiß umschlingend. „Ich bin überzeugt, daß wir auch von unserem Vater das Beste erfahren werden. Du kannst mirs glauben! Ich hab's ja immer vorausgesagt, Gott wird uns helfen und mein Gottvertrauen wurde nicht getäuscht. Mütterchen", ein Lächeln beglückender Hoffnungsseligkeit verschönte ihre Züge zu voller Klassicität, „der Vater pflegte ja oft den Spruch des Talmuds zu cttiren. Seitdem das Heiligthum (der Gottestempel zu Jerusalem) zerstört wurde, hat Gott die Gabe der Prophetie nur Thoren und Kindern verliehen." 1) Achtzehntes Kapitel. Rafael hatte den Zülzer Vorsteher und dessen Schwester, welche die Seinen nach Wien begleiten wollten, und denen er auf halbem Wege begegnet war, herzlichst gedankt und sie ersucht, sich nicht weiter zu bemühen, da nun er deren Schutz übernehme. Werthetmer hatte es schon vorher mit Rafael Fränkl verabredet, daß dessen Mutter und Schwester seine Gastfreundschaft annehmen, bei ihm wohnen müßten und sie wurden von ihm in auszeichnendester Weise empfangen. „Ich bin in der Lage", sprach er, nachdem er, die Ankommenden in die für sie bestimmten Zim- 1) Dieser scheinbar höchst sonderbar klingende Ausspruch, soll wohl nur der trüben verbitterten Stimmung jener Zeit Ausdruck geben und besagen, daß nachdem das Undenkbarste eingetreten, alles Zukünftige völlig unberechenbar erscheint und nicht die Voraussetzungen der Vernünftigen und Erfahrenen, sondern jene der Thoren und Kinder eintreffen

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