Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1893)
- Date
- 1893-03-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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417 Meisels, dte Feier mit einer paffenden Ansprache eröffnet, gab der Vorsitzende des Bau-Comitüs, Herr Ignatz Zolles, die Geschichte der Verwirklichung des Planes und betonte, daß sich die Juden stets als opferwillige Söhne des Vaterlandes bewährt haben, daß sie dem Landesherrn innig danken, der die Staatsgrundgesetze gegeben, welche es ihnen ermöglichen, ihren Glauben den altererbten Gebräuchen getreu auszuüben. Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß der mächtige Arm des gütigen Regenten auch fernerhin über unsere Glaubensgenossen walten werde, und schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in welches die Versammelten begeistert einstimmten. Nun verlas Gemeinderath Baurath Stiaßny die Grundstein-Urkunde und hob hervor, daß Se Majestät der Kaiser den ersten Gewinn zu der zu Gunsten des Synagogenbaues veranstalteten Lotterie gespendet, womit Hochderselbe auf's Neue dokumentirt habe, daß ihm alle Staatsbürger, welcher Nation und Confession sie auch angehören, gleich Werth sind. (Brausender Beifall.) Nun forderte Baurath Stiaßny die anwesenden Honoratioren auf, an der Zeronomie der Grundsteinlegung theilzunehmen. Nach diesem feierlichen Akte ergriff Herr Stiaßny abermals das Wort, um in trefflicher Ansprache das Werk in den Schutz des Allmächtigen zu stellen, dem alles Beginnen, besonders dasjenige, welches seiner Verehrung diene, anvertraut werden müsse. Aber auch der Schutz der staatlichen und städtlichen Behörden sei anzurufen. Wir leben unter dem Scepter eines weisen und gütigen Monarchen, welcher alle Bürger ohne Unterschied der Konfession und Nationalität beschirmt, müssen aber auch anerkennen , daß der Bürgermeister, unbeirrt durch Parteikämpfe, mit fester Hand die Zügel der Stadt zum Wohle derselben lenkt. Redner gedachte abermals der Munifizenz des Kaisers, dem Entgegenkommen des Finanzministers Dr. Steinbach und des Statthalters Grafen Ktelmannsegg. die das religiöse Unternehmen unterstützt und gefördert haben, und begrüßte die anwesenden Delegtrten der Gemeinde, der staatlichen Behörden und der verschiedenen Körperschaften. Hieraus that Vice-Bürgermeister Dr. Grübl die üblichen drei Hammerschläge, indem er Namens der Commune den Dank für die Einladung aussprach und daran den Wunsch knüpfte, daß das im Bau begriffene Werk zum gedeihlichen Abschluß gelangen möge. Polizeirath Dr. Wachler, mit Hochrufen begrüßt, sprach die Versicherung aus, daß solange ihm die Leitung des zweiten Bezirkes obliegen werde, er daselbst die Ruhe und Ordnung, sowie die Eintracht unter der Bürgerschaft, wie sie bisher stets geherrscht haben, aufrecht erhalten werde. Nachdem noch die übrigen Gäste die Ceremonie der Hammerschläge vorgenommen, war die schöne Feier beendet. Vielbemerkt und mit Recht getadelt wurde, daß nicht ein religiöser Funktionär, ein Rabbiner oder Cantor, wie dies bet solchem Anlässe wohl am Platze gewesen wäre, durch einen Segensspruch oder Lobgesang, dem feierlichen Akte die religiöse Weihe gegeben hat. H. Lö.. . r. Wien, 13. März. Der aus dem Tisza-Eszlarer-Prozeß erinnerliche Moritz Scharf ist heute in Amsterdam, wo er als Diamantenschleifer thätig war, in Folge des Eindringens eines Splitters ins Auge gestorben. Pesth. Der rühmlichst bekannte Rabbiner Josef Weiße in Waag-Neustedtel feierte dieser Tage seinen 80. Geburtstag. Seine Gemeinde und zahlreiche Freunde bereiteten ihm herzliche Ovationen. Es wurde zum Andenken an diesen Tag eine „Rabbi Weiße-Stiftung" gegründet. Afrika. Zanzibar. Der Telegraph hat uns diese Woche den soeben erfolgten Tod des Sultans von Zanzibar gemeldet. Derselbe war ein Enkel des 1856 verstorbenen Sultans von Maskat (Südarabien), Said Ben Said, der seine afrikanischen Besitzungen seinem zweiten Sohne Said Bargasch hinterlassen hatte. Wje alle Sultane von Maskat hatte auch Said Ben Said den Titel Jman (Prediger, Glaubenslehrer) geführt, und sollte er anfangs wirklich als Geistlicher erzogen werden. Der frühzeitige Tod seines Vaters ließ ihn jedoch sein Vorhaben nicht ausführen. Er trat nun die Regierung an und wurde nebstbei auch ein großer Kaufmann. Da er aber sah, daß seine Araber für den Handel nichts tauchten, so lud er mehrere jüdische Familien aus Bagdad ein, sich in seiner Hauptstad Maskat anzufiedeln, wo sie nun seine Agenten oder Commissionäre wurden. So entstand in dieser Stadt eine kleine jüdische Gemeinde, die noch heute blüht. Dieser tolerante Geist ihres Vaters war auch auf seine Söhne übergegangen und wenn diese nach Bombay, Bagdad oder Aden kamen, so besuchten sie ihre jüdischen Freunde und Bekannte daselbst. Belgien. Antwerpen. Wir erhalten folgende Zuschrift, der wir im Interesse einersehr ehren haften Familie gerne Aufnahme gewähren: „In einer der jüngsten Nummern Ihres geschätzten Blattes ist ein Aufruf mit meiner Namensunterschrist veröffentlicht, in welchem um Gaben zur Uebersiedelung meiner Familie von Cöln nach Antwerpen gebeten wird.