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Der Israelit · 1893-03-16 · Heft 22 (16.3.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 22 (16.3.1893)
Date
1893-03-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'HW,f^'£Parjgt'4£. . 415 strategische Kenntnisse vindiciren, die 'sie befähigt hatten, die geeignete Oertlichkeit zu wählen und für diesen beispiellosen Durchzug zu verwerthen, so wird diese Hypothese durch die Thatsache zu Schanden, daß Gott doch unsere Feinde ins Meer versenkte.! Wenn irgend Jemand, so mußten die Egypter diese I Kenntnisse besitzen. Egypten war am Meere mit seinem ganzen Generalstab, mit dem Ausbund seiner kriegstüchtigen Kräfte, wb# -inao vertreten und sie gingen in den Meeresfluthen unter, welche sich den Israeliten zum Durchzuge theilten. Wenn daher das Lied, welches die Erlösten § am Mceresstrande sangen, in den Jubelruf ausf klingt, daß Gott, der für sie gekämpft, nun für alle | Ewigkeit ihr Herr und König sei und bleiben werde, | so wird dieses Gelöbniß mit dem Hinweis auf die- | sen Umstand motivirt, daß die kriegskundige Feinj desmacht mit Roß und Reiter in dem Wellengrab b den Tod fand, während die Kinder Israels trockenen | Fußes durch das Meer schritten. 1 i’Knsai nma njno did xa »a njn abyb ite» 'n | n^a’a 'obn bn,m\V' n»n 'd nx orpty 'n aam D'a I . DM 71H2 1 Das bloße Spalten des Meeres hätte daher jj nicht genügt, um Gottes Einschreiten zu Gunsten I Israels vor aller Welt zu documentiren. Aber der Durchzug der Erlösten und der Untergang der Tyrannen, jene beiden Momente haben diesen in der Menschengeschichte einzig dastehenden Vorgang erst zu dem durch alle Zeiten ragenden Denkmal it erhoben, mit dem die Befreiung aus Egypten ihren ] entgiltigen Abschluß findet. (Fortsetzung folgt.) | Zeitungsnachrichten nud Correspoudenze«. I Deutschland. 1 Berlin. Die hervorragendste Ursache der heutigen s, politischen und sozialen Wirren ist der populär ge-? wordene Trieb zum Generalisiren, d. h. ganze | Klassen für die Fehler einzelner ihrer Mitglieder verantwortlich zu machen. Wir Juden dürfen nie und nimmer in diesen Fehler verfallen und ebensowenig annehmen, daß alle Mitglieder einer Partei, die uns einzelne Freunde gibt, uns sympathisch gegenüberftehen, als wir auch andererj seits nimmer eine ganze bürgerliche Klaffe für die niedrigen Allüren einzelner ihrer Mitglieder verantwortlich machen können. Eine erfreuliche Be- . stätigung dieser Sätze gewährt uns der Brief eines « hochadeligen Herrn, der, obwohl zur conservativen;j Partei zugehörig, doch in demselben persönliche Z Anschauungen offenbart, die uns einen neuen Beleg j| geben, daß es durchaus irrig ist, wenn man die Gesammtheit der conservativen Partei für den Äntisemitismus einzelner Mitglieder verantwortlich macht. Besagter Brief ist an einen jüdischen Freund gerichtet und spricht sich in ausführlicher Weise über einige zeitgemäße Fragen aus. Wir entnehmen demselben die die christlich-soziale Frage betreffenden Zeilen: „Daß es in Ihrem Hause, trotz der drei verschiedenen Konfessionen so friedlich hergeht, ist schön und liefert den Beweis, daß es auch überall so sein könnte; allein, wie sieht es in unserem großen Hause, Deutschland, aus? Da sollte man glauben, man wäre in das tiefste Mittelalter zurückgedrängt, und nur die Scheiterhaufen für Ketzer fehlen. Und wer steht uns dafür, daß nicht in tausenden Gemüthern der Wunsch nach Scheiterhaufen rege ist? Ist die Verfolgungssucht gegen Andersgläubige nicht oft mit unerhörter Bestialität verbunden? Ich erinnere nur an die Vorfälle in Neu-Stettin, in Ungarn und in neuester Zeit an den Prozeß Buschhof. Wie viele Meineide sind bei dieser Gelegenheit aus nichtswürdigem Haß geschworen, an die kein vernünftiger Mensch glaubt, die aber leider nicht bewiesen werden können. Kommt dazu noch in neuester Zeit der Ahlwardt'sche Prozeß, der an Niederträchtigkeit alles Dagewesene übertrifft. Und wer tst es, der diese sogenannte Jndenhetze in's Leben gerufen hat? — Ein christlicher Prediger, ein Lehrer des göttlichen Wortes, ein Mensch, dem von der Kanzel herab der Mund von dieser schönsten Lehre überfloß: „Du sollst Gott lieben über Alles und deinen Nächsten wie dich selbst." Stöcker ist der Vater dieser Hetze und die Hochkonservativen rechnen es sich zur Ehre, diesen Menschen zu den Ihrigen zu zählen. Doch was ist von Leuten zu sagen, die sich auch freuen, einen Ahlwardt unter sich zu haben? — Die Urquelle des Antisemitismus aber ist — der Neid. Die Judenfeinde halten es für unerträglich, daß jene in Jahrhunderten Reichthümer erworben haben. Der rohen, verführten Masse mag man das nachsehen, aber der Gebildete sollte sich doch sagen, daß man den Juden nichts als den Handel und etwa das Studium der Medictn gelassen habe, ihnen jede sonstige Lauf, bahn abschnitt und sie noch immer fast wie Geächtete ansah. Da nun das Studium der Medicin eine Passionssache ist, die im Ganzen nur wenigen Menschen inneliegt, so war es ja ganz natürlich, daß sich die Ju^en dem Einzigen, was ihnen noch offen blieb, dem Handel, Hingaben, und manche von ihnen in diesem durch unverwüstlichen Fleiß, durch ihre Energie und Sparsamkeit zu Reichthümern gelangten." Was die „Berliner Fromme mit dem Kreuz an der Stirne" zu dieser Kundgebung sagen wird?

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