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Der Israelit · 1893-03-16 · Heft 22 (16.3.1893) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 22 (16.3.1893)
Date
1893-03-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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414 r , i wesen wäre. Nachdem Gott Jahrhunderte vorher die Ahnen dieses Volkes erwählt und ihnen die Verheißung gegeben hatte, sie zu einem großen Volke zu machen, bliebe es ein unlösbares Räthsel, wenn es irgend eine Macht im Himmel und auf Erden geben könnte, welche der Verwirklichung dieser Verheißung mit Erfolg entgegentreten könnte. — Dieser Gottesruf bahnt sich seinen Weg durch Wüsteneien und in der ödesten Steppe müssen sich die Pfade ebenen, die zu dem von Gott gesteckten Ziele führen. Vor ihm hebt sich jede Tiefe, senkt sich jede Höhe, damit eben Gottes Herrlichkeit offen daliegt und die ganze Menschenwelt einsieht, das es Gottes Wort ist, das hier gesprochen hat. (Jesaja 40, 3—5.) Hat Gott Himmel und Erde geschaffen, Menschen auf ihr gebildet und sie zu seinem Dienste berufen, wie wäre es dann möglich, daß die von Gott erschaffene Welt den Zwecken und Zielen Widerstand entgegensetzen könnte, für deren Verwirklichung das ganze Universum lediglich ins Dasein gerufen wurde. NTQi rrvm ü'dd rvn kip. “}m snipn. Der Heilige, gepriesen sei er, schauete in die Thora und schuf danach seine Welt. Und im Begriffe, diese Thora der Menschheit mitzutheilen, hätte es eine Macht auf Erden geben können, die sich den Menschen entgegenstellt, um dieses Ziel der ganzen Weltschöpfung hintan zu halten? Und dennoch hat es Menschen gegeben, gibt es noch heute Menschen, welche dieses Wunder, für das so viele laute, unabweisbare Zeugen sprechen, daß man es nicht in Abrede stellen kann, auf rationelle natürliche einfache Weise zu erklären versuchen. Man spricht von Ebbe und Fluth, daß die Fluchen des Meeres ja allenthalben mit genau berechneter Regelmäßigkeit zurückweichen, daß diese Erscheinung sich noch heute besonders am rothen Meere in einer Weise geltend macht, daß zur Ebbezeit der Meeresboden stellenweise sichtbar ist, und wie die Versuche noch sonst heißen, die sich „wissenschaftlich" nennen, obwohl sie die unwissenschaftlichste Gedankenlosigkeit offenkundig an der Stirne tragen. Man kann davon absehen, daß der ganze Vorgang, wie er uns in der Thora geschildert wird, nichts mit dem gemein hat, was uns beim Meere als Ebbe und Fluth bekannt ist. Das Gotteswunder am Meere nennt sich er nynp, das Auseinanderreißen des Meeres, oder das Spalten des Meeres *yiD er njrpn. Davon ist bei der Ebbe nichts zu sehen, wo die Wassermasse in ihrem Zusammenhang bleibt und nur schrittweise zurückwetcht. Hier aber blieb nach dem Wortlaut des Berichts, dem wir die Kunde des ganzen Vorgangs verdanken, das Wasser an seiner Stelle stehen. Es wich nicht zurück, sondern es theilte sich und erhob sich auf beiden Seiten des freigewordenen Durchgangs wie zwei Mauern. Allerdings könnte man auch nach dem Bericht, wie er uns vorliegt, den ganzen Vorgang als eine unerklärliche Naturerscheinung htnstellen und ihn damit aus dem Bereich der sittlichen Weltordnung, in deren Dienst er stand, streichen und ihn in das! Gebiet auffälliger naturgeschichtlicher Erscheinungen Hinabdrücken. Aber was sich jedem derartigen Versuch widersetzt, ist die unanfechtbare Thatsache, daß! sich das Meer nicht nur gespalten, sondern daß unsere Väter und Mütter auch trockenen Fußes! durch dasselbe hindurchgezogen sind. i Von Napoleon I. wird berichtet, daß er gelegentlich des französischen Feldzugs in Egypten an j der Stelle, an welcher der Durchgang durch das rothe Meer stattgefunden haben soll,*) zur Ebbezeit durch dasselbe ritt und nur mit knapper Noth dem Tode durch das plötzliche Herannahen der Fluth entging. — Wenn dieses einem einzigen Z schlachtgeübten Feldherrn mit Hilfe eines durch seine j Behendigkeit historisch gewordenen Rosses widerfuhr, l! so ist damit die ganze Gedankenlosigkeit gerichtet, I die den ganzen Vorgang auf das Conto von Ebbe |j und Fluth setzen möchte. Man vergißt dabei die j Kleinigkeit, daß es sich um den Durchzug von 600,000 Männer mit ihren Frauen und Kindern handelt, die nicht hoch zu Roß, sondern zu Fuß durch das Meer zogen. Rechnet man die Familie nur zu fünf Personen, so waren es drei Millionen Menschen, ohne den groben Troß derjenigen, die j sich dem Zuge angeschlossen hatten. Diese Nachjj Hut, welche dem Zuge der Israeliten folgte, wird jj durch die Ueberlieferung auf doppelt so groß ange- . geben, als der eigentliche Zug selbst. — Das wären ’l also, gering angeschlagen, neun Millionen! Menschen! Damit diese große Masse, die zudem i zum großen Theil aus Frauen und Kindern be-! stand, in einer Nacht mit ihren Habseligketten durch 1 das Meer ziehen konnte, war ein Wunder für sich, das vielleicht das Spalten des Meeres noch überji trifft. Die Htndurchziehenden hätten in dem weichen j; Meeresgrund, der bei der Ebbe sichtbar wird, versinken müssen, wenn sie nicht eben trockenen Fußes hätten das Meer durchschreiten können. Dieses j Wunder des Durchzugs sichert daher dem Wunder! der Meeresspaltung erst die nicht wegzudeutelnde Gewißheit von dem besonderen göttlichen Einschreiten zu Gunsten seines in die Freiheit zur Gesetzesoffenbarung ziehenden Volkes. Will man als letztes Ausfluchtsmittel unseren . Vätern besondere geograpische, topographische und . *) Die Oertlichkeit, an welcher der Durchzug in Wirklichkeit stattgefunden hat, war schon im Alterthum nicht mit Sicherl. heil bekannt und ist bis heute nicht ermittelt. |

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