Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 22 (16.3.1893)
- Date
- 1893-03-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIY. Jahrgang. Jfs 22. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 1«. März SSSS (1893). Da mit dem 1. April 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Kagaday schek Gefach. Siebente Serie. III. Mainz, 15. März. iiairia isiro uTsj/n «bi an n« ub snp ib« •Dins uns ypv »bi N3in3 *>3iro umyn ib»? im? im „Hätte uns Gott das Meer auseinandergerissen, hätte aber uns nicht durch dasselbe im Trockenen geführt, hätte es uns genügt? Hätte Gott uns durch das Meer im Trockenen geführt, aber nicht unsere Feinde in seiner Mitte versenkt, hätte es uns genügt?" Wenn es etwas gibt, was unwiderleglich Israel als das Volk Gottes legitimirt, so ist es der Umstand, daß s e i n e r Sendung, der Verwirklichung seiner Aufgabe die ganze es umgebende Natur dient. Das hat sich vielleicht niemals in imposanterer Weife gezeigt, als in dem Augenblick, da die Meeresfluthen vor dem Völkchen zurückwichen, als dieses im Begriff war, in die Freiheit zur Entgegennahme des Gottesgesetzes zu ziehen. Daß derselbe Gott, der die Geschicke der Menschen lenkt, auch die Gesetze der Natur leitet und diese von jenen abhängig macht, das ist die Wahrheit, die sich durch die ganze Geschichte Israels zieht und die hier in einer alle Zweifel und Bedenken niederschlagenden Weise sich mantfestirt. Im Rücken den verfolgenden, Rache schnaubenden Feind, vor sich das wogende Meer und in der Mitte Israel, das schwache, wehrlose Israel, das auf Geheiß seines Gottes diesem in die Wüste zu folgen bereit ist. Wenn je, so war hier der Moment gegeben, in dem Gottes liebende Nähe sich in ihrer ganzen Wundergröße bewähren konnte. Es gab keinen anderen Ausweg, als entweder den verjährten, unbeugsamen Tyrannentrotz zu brechen, oder durch das Meer eine Bahn den bedrängten Erlösten zu öffnen. Ueberaus bezeichnend ist die Thatsache, daß, wenn es sich darum handelt, den Kampf mit dem Meere oder mit dem alten Erbfeind aufzunehmen, sich eher die Meereswoge, als der Trotz der Tyrannen brechen läßt. — Mit den Worten: „Die See kann sich, der Landvogt nicht erbarmen", drückt in ähnlicher Situation der deutsche Dichterfürst denselben Gedanken aus. Als Israel kleinmüthig an der Möglichkeit einer Rettung zweifelte und Moscheh im Gebete Gottes Hilfe erflehen will, wird ihm die Weisung: . iyo’i »ja b» im »bx pysn nc „Was flehst du zu mir, sage zu den Kindern Israel, daß sie weiterziehen." (II. B. M., XIV, 15.) Der ganze Vorgang durste nicht den Anschein haben, als habe er sich erst auf das Gebet Moschehs hin vollzogen. ro W3 anusa iviy an jw ya'b »bx nnb px .an and ynpb ixs’i »a u'axnw nuaxni ,oni ,aani3x „Sie haben nur weiter zu ziehen. Das Meer kann vor ihnen nicht Stand halten. Das Verdienst der Väter und das eigene, das Vertrauen, das sie mir mit ihrem Auszug entgegenbrachten, genügt, um ihnen das Meer zu spalten." (Raschi.) Daß sich vor den durch Gott Erlösten die Meeresfluthen theilten, um ihnen den Durchzug zu dem Ziele ihrer Wanderung zu ermöglichen, war kein so großes Wunder, als es das Gegentheil ge-