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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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403 war der mächtigste Culturstaat des Alterthums l Es war die Kornkammer der ganzen Erde. Durch die sieben fruchtbaren Jahre und die darauf folgenden Hungerjahre wurde Egypten der Centralpunkt der ganzen Erde. Alles Geld und sonstiges Vermögen des egyptischen Volkes floß durch diese Calamität in die Kassen des Staals und machte diesen allmächtig. Die Reichthümer aller Völker und Länder strömten nach Egyvten, um Korn dagegen einzutauschcn. Egypten war die Schatzkammer füralle Reichthümer der gesummten Menschheit geworden, es hatte keine Macht aus Erden zu fürchten, alles war von ihm abhängig. Und in dieses Land wurden die Angehörigen der Jakobssamilie verschlagen, in diesem Lande erwuchsen sie zu einem Volke, und dieses Volk ließ der allmächtige Staat seine ganze Macht mit rücksichtsloser Härte fühlen, vernichtete bet ihm fast den letzten Funken von Menschenwürde und erniedrigte sie zu recht- und besitzlosen Heloten, die nicht einmal mehr den Geist und den Muth hatten in ihrer Sklaverei die Worte desjenigen anzuhören, der zu ihrer Befreiung von Gott gesendet war. Wer wollte angesichts solcher, Jahrhunderte hindurch dauernder Erfahrungen es den gedrückten, verachteten Sclaven verdenken, wenn der Staat, der Cultus, die ganze Lebensanschauung der mächtigen, die ganze Welt beherrschenden Tyrannen ihnen imponirte, und wenn ihre eigene Bestimmung und deren endliche Verwirklichung ihnen von Tag zu Tag fragwürdiger erschien? — Da erfolgte der jähe Wechsel. Es stellte sich nun heraus, daß den Gewaltigen das Glück Jahrhunderte lang „lächelte", daß Generationen hindurch alle Reichthümer der Erde nur deßhalb nach Egypten geflossen waren, um sie den „Enterbten" zuzuweisen. Durch dieses Jahrhunderte lang den Gewaltigen lächelnde Glück wurde das Herz Pharaos und seiner Diener verstockt, und das der Unterdrückten mit erklärlichem Zagen und Zweifel für die Zukunft erfüllt, wie dies ausdrücklich ausgesprochen ist: rx ’n-mn ’jn »3 njns bi* nu ntro bi* 'i -iDtn nson *rw \ynb vidv nw Onprw '"an »td) ’npbynn icpn pt* -jjn pi -pn .'n \jn 'D ünyn cn ’ddw ’nnx hnt Dnsou Gott sprach zu Moschch: Gehe zu Pharao, denn ich habe seinen Sinn verhärtet und den seiner Diener, damit ich diese meine Zeichen ihnen aufstelle, und damit du erzählst m das Ohr deiner Kinder und Enkel, wie ich Mizrajim zugelächelt habe und meine Zeichen, die ich unter sie gesetzt, damit ihr wisset, daß ich Gott bin." (2. B. M. X. 1. 2.) Trotz dieser Erfahrung haben unsere Väter in Mizrajim Gottes Wundergröße nicht erkannt, und verblieben in ihrem Widerstreben bis zum Schilfmeere. Hätte daher Gott uns das Vermögen der Egypter gegeben, aber nicht am Meere seine in die Gesetze der Natur eingreifende Waltung gezeigt, es hätte dies nimmer genügt, für den Zweck, welcher durch die Knechtschaft in Egypten und durch die Befreiung aus derselben herbeigeführt werden sollte.? d-d nx 1:6 y-»p n^>, djiöo nx jru (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 10. März. An Lungenkraft sind die Vorkämpfer des Antisemitismus, die Bachler, Hecht und Hebel, ihren Gegnern zweifellos überlegen; ihr Kampfgeschrei und ihre mitunter etwas ungrammatischen Schlachtgesänge dröhnen jedem Passanten der Friedrichstraße in die Ohren, während die Gegner der antisemitischen Bewegung, angeekelt von den pöpelhaften Gassenmanieren des Urarierthums, immer mehr der bequemen Ansicht zuneigen, daß schweigende Verachtung das beste Mittel der Abwehr sei. So begreiflich diese Ansicht ist, so gefährlich sind ihre Folgen; die große Masse kann die Motive des Schweigens nicht würdigen und hält für einen Sieg der Meinungen, was nur ein Sieg der robusteren Lunge ist. Darum erwirbt sich jeder ein Verdienst, der angesehene, geistig bedeutende Männer, von denen er weiß, daß sie Gegner des Antisemitismus sind, veranlaßt, diese Gegnerschaft in einem mannhaften Bekenntnis; der Oeffentlichkeit kundzugeben. Ein solches Verdienst hat sich in ganz hervorragendem Maße die Verlagsbuchhandlung van Groningen in Berlin erworben, indem sie in einem prachtvoll ausgestatteten Werke, das den Titel: „Freiheit, Liebe, Menschlichkeit" führt, Protestkundgebungen von mehr als hundert hervorragenden deutschen Gelehrten und Schriftstellern gegen den Antisemitismus gesammelt hat. Viele dieser Kundgebungen sind in Versen abgefaßt, deren genaue Lektüre wir auch den Antisemiten empfehlen; sie können, wie das „Festlied der Deutschen zu Ehren Ahlwardt's" beweist, manches daraus lernen. Wir lassen einzelne Proben folgen: Ernst Wichert, Kammergerichtsrath in Berlin und Vorsitzender des Vereins „Berliner Presse", legt unter dem Titel „Abwehr" folgendes Glaubensbekenntniß ab: Es widerstrebt mir, zu bezeugen Was mir als unumstößlich galt, So lang nicht die Vernunft zu beugen: Daß eins das Wesen, wechselnd die Gestalt. Daß Alle Gottes Kinder mir geboren, Daß Alle Brüder wir und Schwestern sind, Daß Niemand ausersehen m, noch verloren,

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