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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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402 Durchdrungenen reich und gleich. Das jüdische Lebensregime läßt deßhalb keine Gelegenheit vorübergehen, um dieses Bewußtsein, wo sich nur eine Veranlassung dazu bietet, zu wecken, wo es eingeschlummert ist und das erwachte immer aufs neue zu kräftigen. Das tägliche Brod und seine Gewinnung, das sonst den Menschen von seinem Gott entfremdet, bricht der jüdische Mensch zum Genüsse mit dem Aufblick zu Gott und dem Segensspruch, der. Gottes Lob und Preis verkündet, weil Er das Brod aus der Erde hervorbringt, c^yn 'n 't nnx iro pNn p nr£> N'snon. Das tägliche Brod, dessen Besitz sonst die Menschen verfeindet und in sich bekämpfende Klassen auseinanderreißt, führt die jüdischen Menschen zusammen und verbrüdert sie durch den Gedanken, daß sie es nicht geben und sie es nicht nehmen können, daß nicht einer auf Kosten des anderen lebt und genießt, sondern daß es Gottes unerschöpfliche Liebe ist, von der alle leben und die für alle genug und mehr als genug hat. iro irn ‘□nain V?tPD. Dieser Gedanke würzt das kärglichste Mahl, macht heitere Lebensfreude zum Grundton unseres ganzen Daseins. Ohne diesen Gedanken erscheint der Bruder als Concurrent und Rivale, ballt sich die Hand zur Faust, um mit rücksichtsloser Gewalt das Stück Brod zu verdienen, furcht sich die Stirne, verfinstert sich der Blick und verhärtet sich das Herz, treten all die Wehen und Kämpfe zu Tage, welche die Signatur unserer Zeit bilden. Es hat vielleicht noch nie eine Zeit gegeben, die so reich an Geld und so arm an innerem und wahrem Lebensglück war, als die unserige. Das Geld und der Besitz von Vermögen hat nicht nur nicht dazu geführt, das Bewußtsein von Gott wach zu halten, sondern es hat dieses Bewußtsein tief in den Hintergrund gerückt und oft gänzlich vernichtet. — Die Gefahr des Reichthums für Entfaltung und Erstarkung des Göttlichen ist jedoch nicht neu. Sie ist der Gegenstand der ältesten Ermahnungen und Zurechtweisungen. „Hüte Dich, daß Du Gottes, Deines Gottes „nicht vergessest, seine Gebote, seine Rechtsordnun- „gen und seine Gesetze nicht zu hüten, zu welchen „ich Dich heute verpflichte. Du könntest essen „und Dich sättigen, gute Häuser bauen und be- „wohnen, Deine Rinder und Schafe könnten „sich vermehren, Gold und Silber sich Dir meh- „ren, alles was Du Haft sich Dir mehren, und „dann könnte hochmüthig Dein Sinn werden und „Du Gottes Deines Gottes vergessen, der Dich „aus dem Lande Mizrajim geführt, aus dem „Hause der Sklaven-Du könntest dann „sagen in Deinem Sinne: meine Kraft und die „Mächtigkeit meiner Hand hat mir dieses Ver- „mögen geschaffen."-(5. B. M. 8, 1t ff.) Mit dem Vermögen, das uns Gott gab, wäre daher dem Zwecke, Israel zu einem Gottesvolk zu erziehen, und als solches es seiner ihm verheißenen Größe zuzuführen, nur sehr ungenügend gedient gewesen. Obwohl gerade in dem Vermögen derEgyPter, wie es beim Auszuge aus Egypten und später noch am Meere in den Besitz des bisher Verarmten und Unterdrückten überging, Gottes Fügung sich in ganz besonderer Weise bemerkbar machte, so bedurfte es doch eines tieferen, nicht an der bloßen Oberfläche der Erscheinungen haftenden Blickes, um diesen Umstand in seiner ganzen, tiefen Bedeutsamkeit zu würdigen. Wenn unsere Väter in Egypten den Erinnerungen an ihre Vergangenheit und den Verheißungen ihrer Zukunft nicht jederzeit die unverbrüchliche, rückhaltlose Treue bewahrten, so darf man nicht übersehen, wie viele schwer wiegende Momente sich Jahrhunderte lang geltend machten, die allerdings in hohem Grade geeignet waren, auch selbst einen größeren, entschiedenen Abfall zu erklären und milder zu beurtheilen. In diesem Sinne heißt es Psalm 106. 6. ah QnsfD3 «Trat*'Win wyn irma« oy UNDn □' hy wv'i *pon 3H na ro? -jtixVsj ibawn .ppO Q'2 „Wir begehen dieselbe Sünde mit unseren Vätern, ja wir verharren in Krümme und Frevel. Unsere Väter in Mizrajim hatten nicht das Bewußtsein Deiner Wunder, waren der Fülle Deiner Wohlthaien nicht eingedenk und widersetzten sich noch am Meere, am Schilfmeere." Das will sagen: Wir begehen denselben Fehler, den unsere Väter begangen haben, ja bei uns, die wir die Ereignisse rückwärts überschauen und verwertheu können, steigert sich der Fehler zur Krümme und zum offenkundigen Frevel. Denn unsere Väter in Mizrajim konnten nicht die rechte Einsicht in das Wunder und Walten Gottes und daher auch nicht die volle Würdigung der Liebesfülle haben, sie verharrten daher in ihrem gegensätzlichen, widerstrebenden Verhalten — bis zum Meere, zum Schilfmeere. Aber hier leuchtete ihnen Gottes Allmacht in so unverkennbarer Weise aus ihrem ganzen von Gott getragenen Geschick entgegen, daß sie nicht länger in ihrem Ungehorsam gegen Gottes Leitung verblieben, nay rwoai Nun vertrauten sie Gott und Moscheh, seinem Diener. Diese Katastrophe machte mit einem jäheu Schlag alles zu nichte, was ihnen bis jetzt an Egypten, seinem König, seinem Staate und Volke imponirte und wohl geeignet war an sich selbst und der eigenen Sendung irre zu werden. — Egypten

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