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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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398 zirkes, Adjuncten Dr. Ganglbauer, unter der Anklage der Ehrenbeletdtgnng, deren Substrat die oben geschilderten Szenen und Beschimpfungen bildeten. Der Privatkläger, Moritz Grünberger, war durch den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Leo Ehrentheil, vertreten. Der Angeklagte leugnete jede Beschimpfung ab, er habe blos im Interesse der Krankenkasse auf ein „subjectives Krankheitsgefühl" nichts geben wollen. Von allen Angaben der Klage sei nur diejenige wahr, daß er wiederholt betont habe, er sei ein christlicher Arzt. Die Zeugen, von denen namentlich die alte Mutter durch ihre unter tiefer Bewegung abgegebenen Aussagen großen Eindruck hervorbrachte, und die Hausbesorgerin, welche deponirte, daß der Arzt so laut geschrien und geschimpft habe, daß sie aus dem Schlafe geweckt wurde und ihren Mann aus dem nahen Gasthause holte, bestätigten jedoch vollauf den ganzen Inhalt der Anklage. Der Vertreter des Klägers, Dr. Ehrentheil, unterzog in seinem Plaidoyer das unchristliche Verhalten des „christlichen" Arztes einer scharfen Kritik, worauf Dr. Franz Jezek, zu einer Geldstrafe von 15. fl., eventuell drei Tagen Arrest verurtheilt wurde. Italien. Rom. Wie der „Corriero Jsraelitico" nachträglich meldet, sind beim Synagogenbrande in Rom trotz aller schleunigst ergriffenen Rettungsmkttel dennoch dreiundzwanzig Thorarollen, kostbare Teppiche und zwei Parochet, von denen das eine von der Familie S er eni und das andere von der Familie Borghetto gespendet ward, verbrannt. Letzteres Parochet hatte ein besondern Werth, denn es war sehr alt, und bestand blos aus Seide und Gold und hatte eine ungeheuere Größe und Dicke. Die vom Vorsteher Pavoncello (stehe „Israelit" Nr. 12) gerettete Thorarolle stammte aus Barcelona, wo sie 1400 geschrieben wurde. Am Sabbat nach dem Brande sprachen fast alle Rabbiner Roms in den Synagogen über den großen Brand und wurde sogleich der nächste Montag als ein -nas nnvn (allgemeiner Fasttag) festgesetzt. In der Neusynagoge setzten sich an diesem Tage die Rabbiner und die anderen Funktionäre nebst zahlreichen Andächtigen auf den Fußboden nieder und sagten die Kinoth, wie an einem Tischa-Beab. In der Catalonischen Synagoge wurde wieder an diesem Tage das ganze D^’nn dd recitirt, an die man auch einige mnHo anschloß. In der Mitte der Synagoge stand eine Opferbüchse, in die man fromme Spenden warf. Es wurden 1200 Lire vereinnahmt, von denen man für 250 Lire Fletsch für die Armen kaufte, während der Rest für den Wiederaufbau des Gotteshauses bestimmt wurde. Jedenfalls wird dieses wieder aufgebaut werden, doch weiß man noch nicht wo, da heute im römischen Ghetto, das größtentheils schon niedergerissen wurde, nicht mehr so viele Israeliten beisammen wohnen, wie früher. Interessant ist es auch, zu vernehmen, daß die Geschichte schon von einem Synagogenbrande im Jahre 383 zu erzählen weiß. Das zerstörte Gotteshaus wurde damals auf Staatskosten wieder aufgebaut. 510 brannte abermals eine römische Synagoge nieder, woraus Theodorich, König der Ostgothen, der damals in Italien herrschte und der den Juden gut geneigt war, eine beträchtliche Summe zum Wiederaufbau des Gotteshauses spendete. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohtt, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden UebersetzungSrechte Vorbehalten. (58. Fortsetzung.) Plötzlich brach ein Orkan los, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Heftige Windstöße fuhren brausend, donnernd, heulend, pfeifend, sausend , grollend über die Haide hin, und brachen mächtige Aeste von den Bäumen, die sich vor dem Anprall des wilden Sturmes beugten, es war plötzlich jo finster geworden, daß wir Beide, die Mutter und ich, trotzdem wir nebeneinander standen, einander nicht sahen, die dichten Schneeflocken, die unaufhörlich) aus den schweren, schwarzen Wolken niedersanken, wirbelten wie im tollen Hexentanze in der Luft herum und wurden uns ins Gesicht gepeitscht und auch dem stärksten, kräftigsten Menschen wäre es unmöglich erschienen sich in dem Sturme vorwärts zu bewegen und wir halten schon zwei Tage keine Nahrung zu uns genommen, unsere Gliedmaßen waren erstarrt, wir waren zu Tode ermattet, aber trotzdem schritten wir vorwärts .... wir wußten nicht wohin, wir wußten nicht weßhalb, wir schritten in dumpfer Sinnlosigkeit vorwärts! Endlich waren wir an einer Waldesstelle angelangt — da erfaßte übermächtige Verzweiflung unsere arme Mutter, das Maaß unseres Elends war voll — aber da sandte uns Gott in seiner Barmherzigkeit, einen Retter, einen edlen Menschen! .... o! wir mußten undankbar gegen ihn werden, wir haben ihm seine Menschenfreundlichkeit, seinen Edelmuth schlecht gelohnt! O! Rafael, mein lieber, theuerer Bruder, ich kann Dir's nicht schildern, wie's mich schmerzt — und Gott verzeihe mir die Sünde! ich fürchte, was mir auch Gutes im Leben mag geschehen — die Wunde meines Herzens wird nie heilen! Daß er

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