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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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399 mich für undankbar halten muß, das werde ich nie verwinden! Er wird mir's nie verzeihen können!" „Eva, Du liebe Schwester", rief Rafael und I das Erstemal seit langer Zeit, hob ein freudiges Lachen seine breite Brust, „ich kenne Euern Retter und kenne das Erlebniß, von dem Du sprichst, ich j kenne ihn ja, den herrlichsten jungen Menschen, den j ich je gesehen, Perez Markbreiter hat es ja mir selbst erzählt; — er war es ja, durch den ich erfahren, daß Ihr am Leben, er war es ja, der nachdem er Euch vergeblich in ganz Mähren gesucht, zu Samson Wertheimer kam und ihn beschwor ] Euere Spur in der Welt aufzusuchen. Wie es! Euch die kurze Zeit von jenem Abend an bis zu j jenem Momente, wo Euch, seine Werbung um Deine j Hand, Eva, von Neuem zur Flucht in die weite Welt zwang, ist mir bekannt und auch das kann j ich Dir sagen, Perez Markbreiter liebt Dich endlos j und erkennt jetzt, wo die Hülle räthselhaften Dun-! kels, die uns umschwebte, gesunken, daß Ihr nicht j anders handeln konntet, als Ihr gehandelt und! Samson Wertheimer sagt — und was er sagt, das ist so wahr als wär's das Wort eines von Gott gesandten Propheten — daß jetzt Euerer Verbindung nichts im Wege steht." „Wie mich das freut!" rief Dina. „Und wie sollte er Dir auch zürnen? Das Mädchen, das vogelfrei war, das jeden Augenblick befürchten mußte, verrathen, an den Todfeind ihrer Familie ausgeliefert zu werden, als Hexe den Holzstoß besteigen zu müssen, mußte ja die Bewerbung eines edlen Mannes zurückweisen!" „Ich habe unendlich viel Leid erfahren", sprach Dina Fränkl, „aber der tiefe Schmerz, den ich in dem Momente empfand, als Eva ihrem höchsten Lebensglücke entsagen mußte, war einer der härtesten, den ich erlebte!" „Hab' ich Dtr's nicht immer gesagt. Mutter", sprach Eva, „der Allmächtige kann, wenn er nur will j uns wunderbar erretten! Nun hoff' ich auch, daß Gott auch unserem Vater gnadenreich beigestanden und ihn uns erhalten!"! „Wie ist es Euch seit Eurem plötzlichen Verschwinden aus Schönhof ergangen?" frug Rafael. I „Wir fürchteten, die edlen Menschen, die Markj breiter, besonders Perez, würden unsere Spur verj folgen und versuchten so rasch als möglich Mähren zu verlassen. Da wir kein festes Reiseziel hatten, ließen wir uns bei der Wahl der Richtung bloß vom Zufall leiten und dieser führte uns nach Oberschlesien, wo wir von Neuem verlassen, von allen Schrecken verfolgt, von Ort zu Ort, von Gemeinde zu Gemeinde herumirrten. Wir hatten eine mäßige Summe Geldes für Handarbeiten erwarben, wir waren besser gekleidet und so war es uns möglich gewesen, uns kurze Zeit zu erhalten, aber als wir in Zülz anlangten, war unser kleiner Geldvorrath erschöpft, wir glaubten schon dem Elend von Neuem zu erliegen; nachdem wir daS Härteste ertragen, schließlich doch gezwungen zu werden, — was uns endlos tief gedemüthigt hätte — uns an die Barmherzigkeit edler Menschen wenden zu müssen, da ward uns plötzlich, als wir dies am wenigsten erwarteten, Erlösung aus der härtesten Noth. — Als wir am Samstag das Gotteshaus besuchten, wurden wir durch den Erlaß des Oberrabbiners, den der Gemeinde-Rabbiner vor der Thoraverlesung verkündete, überrascht. Wir trauten unseren Ohren nicht, als wir hörten, der Markgraf habe seinen Sinn geändert, erkenne meines Gatten Unschuld, gestatte uns die Rückkehr in die Heimath und widerrufe das Edikt, in welchem er einen Preis auf unsere Habhaftwerdung gesetzt, — und als der Zülzer Rabbiner zu dem Schlußsätze gelangte: der Reichs- Ober Rabbiner und Oberhoffaktor Wertheimer fordere uns auf, sobald uns diese, seine Botschaft, erreicht, sofort nach Wien zu kommen, wo wir von Dir, mein Rafael, mit Sehnsucht erwartet würden, als wir erfuhren, daß Du amLeben und Dich im Hause des edelsten und mächtigsten unserer Glaubensgenossen^befändest, da traf uns nach langem, grauenvollen Leide der erste Sonnenstrahl göttlicher Huld so erschütternd, daß wir uns nicht zu beherrschen vermochten und vor tiefer Rührung in lautes Schluchzen ausbrachen. Alle Frauen, die auf der Gallerte des Gotteshauses versammelt waren, erkannten sofort, daß wir die Gesuchten, Gattin und Tochter des allverehrten Fürther Oberrabbiners, des Märtyrers waren, der, wie das Volk glaubte, durch ein Gotteswunder aus seinem Kerker gerettet worden war! Mit ehrfurchtsvoller Scheu drängten sich Alle an uns, und uns beiden Frauen, die vor Kurzem verachtet, gekränkt, zu Tode gehetzt, herumgeirrt waren, wurde jetzt gehuldigt, als wenn wir Königinnen wären. Wer von den Frauen es vermochte, eine unserer Hände zu erhaschen, führte sie ehrerbietig an die Lippen, die anderen küßten den Saum unserer Kleider. Die Frau des Vorstehers hatte ihren Gatten aus der Männersynagoge in die Poliße*) rufen lassen und ihm mitgetheilt, welches Glück der Gemeinde zu Theil geworden, daß sich Gemahlin und Tochter des heiligen Rabbi Hirsch Fränkl in ihrer Mitte befänden. Als wir die Synagoge verließen, fanden wir vor dieser die ganze Gemeinde versammelt. Eltern hoben ihre Kinder in die Höhe, um ihnen Frau und Tochter des großen Rabbi von Fürth zu zeigen. Die Vorsteher der Gemeinde traten an uns heran, begrüßten uns in tiefster Ehrfurcht und drückten ihre Freude darüber aus, daß 1) Vorhalle.

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