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Der Israelit · 1893-03-13 · Heft 21 (13.3.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 21 (13.3.1893)
Date
1893-03-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Herm. Adler in London herausgegebene Predigt, die er vor der daselbst versammelten jüdisch-russischen Bevölkerung der Weltstadt in der vukssklaea-Synagoge gehalten hat. Man weiß, wieviel Elend im Oftende Londons durch den Zusammenfluß der nach England eingewanderten russischen Juden sich angehäuft hat. So sehr bemüht diese Leute auch sind, Geld zu verdienen und durch den Handel sich ehrlich zu ernähren, so ist doch der Mangel der Kenntniß der Landessprache ihnen in ihrem Erwerbe hinderlich. Sie können keinen Zutritt zu dem wohlhabenden und kaufkräftigen englischen Juden finden, der nur englisch spricht und nicht einmal reines Deutsch, geschweige denn Jargon versteht, der noch dozu den russischen Juden zu einem exceptionellen Menschen stempelt. Würden sich diese Juden entschließen, die Landessprache bis zum geläufig reinen Ausdruck sich anzueignen, sie würden sich eine selbstständige Existenz durch Ausbreitung ihrer Handelsthätigkeit und Ansässigmachung in anderen Landestheilen Großbritaniens oder in dessen Kolonien schaffen, während sie jetzt auf einen beschränkten Raum angewiesen sind, wo man ihre Sprache versteht. Mit Geld bannt man die Noth, die dort herrscht, nicht, man bannt sie nur durch Schaffung selbstständiger Existenzen; um zu solchen sich zu bilden, ist aber die Kenntniß der Landessprache eine unbedingte Voraussttzung. Den Leuten dieses ans Herz zu legen, hat der Oberrabbiner sie in die Synagoge versammelt und ihnen in ihrer Sprache über den Werth der Kenntniß der Landessprache gesprochen. Die Rede liegt nun in jüdischdeutscher Sprache vor uns. Sowohl die Wärme, welche dieselbe belebt, wie auch die treffliche Begründung des Themas, wie der Redner die Nothwendigkeit beweist, die etwaigen Sorgen, das Aufgeben des Jargon könnte der Religiösität schaden, läßt uns beim Lesen Behagen und Freude empfinden, mehr aber noch die Mittheilung, wie das Russische Comitö für die Möglichkeit der Erlernung der Sprache Sorge getragen hat. Es sind dort Freischulen für Erwachsene gegründet worden, in welchen wöchentlich mehrere Stunden von bewährten Männern Unterricht in der englischen Sprache an Männer und Frauen ertheilt wird, wie auch ein besonderes Lehrbuch und Gesprächbuch verfaßt ist, in dem, um das Berständniß zu erleichtern, der deutsche Theil im Jargon geschrieben ist. Das ist wirklich praktisch und wird sich hoffentlich gut bewähren. — Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuze«. Deutschland. Mainz, 9. März. Rabbiner Leone Racah in Rom spricht sich im letzten Hefte des „Corriero Jsraelitico" sehr anerkennend über unfern römischen Correspondenten aus, der uns über den Synagogenbrand in der ewigen Stadt „nev narrazione abbastanza veritierae completa" („eine ziemlich genaue und vollständige Schilderung") eingeschickt habe. Es befremdet ihn nur sehr, daß es in der betreffenden Correspondenz auch heißt, die abgebrannte Synagoge habe schon lange vor dem zweiten Tempel existirt, was der Wahrheit nicht entspreche. Wir wollen deshalb bemerken, daß unser Correspondent blos eine römisch jüdische Sage citirte, die er aber keineswegs als eine historische Thatsache hinstellte. Uebrigens gesteht ja Rabbiner Racah in seinem Berichte an den „Corriero" selbst zu, daß die abgebrannte Synagoge 1268 erbaut wurde, um eine sehr alte (antiedisZiwa) und gleichfalls abgebrannte zu ersetzen. Ein Journalberichterstatter kann aber unmöglich, bevor er seine Correspondenz niederschreibt, die einschlägigen Geschichtswerke genau durchforschen; dazu hat er keine Zeit. Er schildert daher die Sage sowie sie im Volksmünde fortlebt und kümmert sich wenig darum, ob dieselbe eine historische Grundlage hat oder nicht. Berlin, 5. März. Mit dem österreichischen Reichsrathsabgeordneten Schneider als Gast hielt der Antisemitenbund gestern einen großen Festcommers ab, bei dem alle bekannten „Größen" der Partei, die Ahlwardt, Bachler, Hertwtg, Werner, Pickenbach u. s. w. gewaltige Reden leisteten und sich mit Lorbeerkränzen und Hochrufen feiern ließen. Den größten Beifallssturm entfesselte der Ahlwardtanwalt und verunglückte Liegnitzer Wahlcandidat Herr Hertwig durch die Worte: „An den Regierungsantritt unseres Kaisers haben sich große Hoffnungen geknüpft. Sie wissen Alle, wie sie sich erfüllt haben. Jetzt sagen wir: Wenn nicht mit der Regierung gegen das Judenthum, dann ohne sie und eventuell gegen sie." Berlin, 5. März. Der „Rentier" Ahlwardt hat am Donnerstag auch Haynauheimgesucht. Wie der „Breslauer Ztg." geschrieben wird, setzte sich seine Zuhörerschaft zum größten Theil aus Freisinnigen und namentlich Sozialdemokraten zusammen. Der Ahlwardt machte noch einmal den Versuch, einen sanften Druck auf die Sozialdemokraten auszuüben, indem er in recht milder Form derjenigen Momente, welche die Antisemiten und die Sozialdemokraten trennen, gedachte und die Punkte hervorhob, gegen die sich der gemeinsame Kampf beider Parteien richte. Er hatte jedoch auch diesmal kein Glück. Ein Führer der Haynauer Sozialdemokraten ergriff nach ihm das Wort und machte in seiner Erwiederung darauf aufmerksam, daß man jetzt ganz anders mit den Sozialdemokraten rede, als in der Versammlung, in der Herr Ltebermann

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