Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1893)
- Date
- 1893-03-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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376 „Ich bedauere Ihrem Wunsche nicht willfahren zu können, ich muß auf meiner Bitte, mir das Vergnügen Ihres Besuches zu gewähren, bestehen. Trotzdem ich, wie Sie sehen, noch ein ziemlich junger Mann bin, besitze ich doch so viel Lebenserfahrung, um zu wissen, daß der größte Theil des menschlichen Unglücks aus Mangel an Geld entsteht. Ich bin reich, wenn Sie mir durch Ihren Besuch", er richtete das Wort an Eva „angenehm die Zeit vertreiben wollen, will ich mich recht dankbar beweisen, und Sie sollen nebst Ihrer Begleiterin, wenn Sie es nicht vorziehen sollten, mich noch längere Zeit durch Ihre Gegenwart auf meinem Schlosse zu erfreuen, am Morgen reich beschenkt — viel reicher, als Sie es sich vorstellen und gewöhnt sein mögen — entlassen und überdies mit meinem Wagen an jeden von Ihnen beliebig gewählten Orte geführt werden. Ich will noch hinzufügen, daß Sie mir so gut gefallen, daß ich durchaus nicht geneigt bin Excusen anzunehmen, und wenn Sie mir nicht freiwillig folgen wollten, müßten Sie es meiner leidenschaftlichen Aufregung zu Gute halten, wenn ich Gewalt gebrauchen, Sie zu mir aufs Pferd heben und auch gegen Ihren Willen auf mein Schloß bringen würde." Rafael hatte die traurige Erzählung, die ihm abwechselnd von Mutter und Tochter mitgetheilt wurde, mit den schmerzlichsten Gefühlen angehört; aber die Schilderung dieser Scene ergriff ihn so machtvoll, der tiefe Schmerz, in diesem kritischen Momente, uo seine Schwester der Hilfe eines Beschützers bedurfte, von dieser ferne gewesen zu sein, bohrte sich mit solcher Heftigkeit in seine Seele, daß er krampfhaft die Fäuste ballte und tief aufstöhnte : „Wetter, weiter, wie endete diese affreuse Scene?" Eva fuhr fort: „Die Mutter sprach zu ihm. Wenn Sie ein Kavalier sind, fordere ich Sie, als Mann von Ehre auf, mich und meine Tochter ungehindert unseres Weges ziehen zu lassen und. . . ." Eva stockte und ihre Mutter ergänzte, „als der Graf keine Miene machte, meiner Bitte zu entsprechen und sich vom Pferde herabbeugte, um Eva zu umschlingen und zu sich aufs Pferd zu heben, ergriff diese den Zügel, riß das Pferd bei Seite und versetzte dem überraschten Reiter einen so heftigen Stoß in die Brust, daß er taumelnd vom Roß in den ziemlich tiefen Straßengraben fiel, sein Aufschrei schien zu beweisen, daß er sich beim Sturze verletzt habe; — wir aber eilten so schnell uns unsere ermatteten Füße trugen, weiter, wenn als böse Schemen uns auf den Fersen folgte." „Eva, das war klug und tapfer von Dir", rief Rafael, „das war einer Fränkl würdig, aber weiter meine Lieben!" „Die Mutter", fuhr wieder Eva fort, — „war vor Entsetzen außer sich, sie rang die Hände und blickte verzweifelnd zum Himmel empor. Wenn sich der freche Mensch, sprach sie, bei seinem Sturze eine Verletzung zugezogen, wenn ihn Leute in diesem Zustande finden und er uns verfolgen läßt, dann wären wir Armen in fremden Lande rettungslos verloren, ich aber hatte nichts Anderes zu antworten gewußt, als: Gott wird helfen! Allein, es schien, als sollten wir des Lebens höchste Bitternisse kennen lernen, als sollte Alles, Menschen sowohl, als die unbelebte Natur, dazu beitragen, unser namenloses Elend zu voller Unertragbarkeit zu steigern. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland l6 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel pt bestehe« bei E. 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Bon Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Benin. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Litera isches. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. — Schweiz: St. Gallen. — Rußland. — Vermachtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.