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Der Israelit · 1893-03-09 · Heft 20 (9.3.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 20 (9.3.1893)
Date
1893-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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372 Neustadt! und Prof. Wertheimer und als Rechnungsrevisoren die Herren: Emanuel Ascher, Samuel Dewidels und L. Kletscher. Waag-Neustadt, 3. März. Der Professor an der hiesigen israelitischen Realschule Ludwig Davidson tritt nun nach zurückgelegter 40jähriger Lehrtätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand und wird aus diesem Anlasse unser Cultusvorstand im Vereine mit dem Lehrkörper der genannten Anstalt dem um die Erziehung der hiesigen jüdischen Jugend so hochverdienten Manne zu Ehren eine solenne Abschiedsfeier veranstalten, die morgen, Samstag, stattfindet. Nach der Feier folgt ein Bankett, das die dankbaren ehemaligen Schüler des Scheidenden veranstalten, und zu dem schon zahlreiche Einladungen an die Koryphäen unserer Gemeinde und unserer Gelehrtenwelt ergangen sind. Italien. Modena. 26. Febr. Gestern wurde in einem schiffbaren Kanäle hier die Leiche des Dr. Fe d e r ic o Sinigaglia aufgefunden, was hier eine allgemeine Bestürzung hervorrief. Dr. Sinigaglia war eines der achtbarsten und reichsten Mitglieder unserer Gemeinde, sein Vermögen zählte nach Millionen, und erfreute er sich auch unter den Bewohnern unserer St adt großer Sympathien. Er war unverheiratet, sein colossales Vermögen fällt seinen drei Neffen zu. Persien. Persien. Die Lage in Hamadan scheint sich, Dank der Energie der persischen Regierung, und infolge der Bemühungen der Vertreter Englands, Frankreichs und der Türkei, gebessert zu haben. Die Israeliten find nicht nur schadlos aus der Gefahr, welche sie für einen Augenblick ernsthaft bedrohte, hervorgegangen, sondern sie haben außerdem erreicht, daß die Bevölkerung sie mit mehr Rücksicht behandelt und nicht mehr als eine zu verachtende Menge betrachtet. Die officiöse Intervention der Minister Frankreichs, Englands und der Türkei und der energische Eingriff, welcher darauf folgte, haben den Persern gezeigt, daß die Juden von den europäischen Völkern ebenso wie die Muhamedauer, als Menschen betrachtet werden, und daß man sie nicht mehr mißhandeln und verfolgen dürfte, wie bisher. Es scheint, daß die Festnahme des Mollah Abdullah nicht ohne Blutvergießen vor sich gegangen ist. Da die Bevölkerung Gewalt brauchte, um diese Festnahme zu verhindern, so mußten die Truppen des Schah sie beschießen, und viele Menschen sind mehr oder weniger ernstlich verwundet worden. Aber die kaiserliche Regierung hatte ihre Sache durchgesetzt. Wir können daher die Angelegenheit als beendet ansehen und uns beglückwünschen, das wohlwollende Interesse der europäischen Vertreter in Anspruch genommen zu haben, ohne welches ein Unglück sicher hereingebrochen wäre. Rußland. Petersburg. Den Juden in Rußland soll, wie ein officielles hiesiges Telegramm gemeldet, das Recht verliehen werden, in den hart an der Westgrenze liegenden Marktflecken und Städten weiter wohnen zu dürfen. Das bisherige Gesetz, welches den Juden den Aufenthalt in den innerhalb einer Entfernung von fünfzig Werst von der Westgrenze liegenden Städten und Dörfern verbietet, wurde unter Kaiser Nikolaus I. ins Leben gerufen. Nach dem Krimkriege, als unter Alexander II. ein humaner Wind zu wehen begann, ward diese Maßregel, wenn nicht de jure, so doch de facto aufgehoben. Während der fünfundzwanztgjährigen Regierung Alexanders II. haben die Juden in den innerhalb einer Entfernung von fünfzig Werst von der Westgrenze liegenden Städten sich frei niedergelassen und neue Existenzzweige für sich geschaffen. Erst im Jahre 1882 unter dem Minister des Innern Grafen Jqnatiew, wurde die bekannte Lex Jgnatiew vom 3. Mai geschaffen, welche den Juden die Niederlassung in den Dörfern und Markflecken des Reiches, sogar in dem für die Juden bestimmten Niederlassungsgebiete untersagte. Zu gleicher Zeit wurde auch das Gesetz des Kaisers Nikolaus 1. aus dem Archivstaube geholt, und es begann alsbald die Ausweisung der Juden aus den „an der Grenze liegenden Städten." Bei der Durchführung dieser Maßregel erwiesen sich als besonders grausam der nunmehr verstorbene Gouverneur von Volhynien, Jankowskij, und der General-Gouverneur Gurko. Wenn den Juden in Rußland nunmehr das Recht des weiteren Aufenthaltes in den Grenzstädten eingeräumt werden soll, so ist dies auf die Thatsache zurückzuführen, daß seit der Ausweisung der Juden aus diesen Ortschaften eine sichtbare Stockung im Handel und in der Industrie des Gebietes eingetreten ist, wie die zahlreichen Beschwerden der christlichen Gutsbesitzer bestätigen. Uebrigens scheinen auch die russischen Blätter in ihrer Hetze gegen alle Andersgläubigen im Reiche den Rückzug anzutreten. So haben die Moskowskija Wiedomostie sich gegen den Beschluß des Adels von Jekaterinoslaw, die Colonisation der Deutschen im Gouvernement zu beschränken, heftig ausgesprochen, indem sie der Regierung Vorhalten, „daß durch Repressionen eine Assimilation nicht erzielt werden könne", während der Graschdanin für die Errichtung von Staatsschulen im jüdischen Niederlassungsgebiete plaidirt,

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