Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1893)
- Date
- 1893-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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371 Zu den Worten: rm nay ’d man bemerkt Raschi im Namen des Sifre: „Erinnere dich, daß du im Lande Mizrajim Sklave gewesen bist, und auch ich habe dich damals wiederholt ausgestattet durch die Beute Egyptens und die Beute am Meere, so statte auch du ihn wiederholt aus." — Durch diese materielle Wohlthat hat Gott Israel als seinen Diener anerkannt, als es unter der Sklaverei Egyptens seufzte; sie verdiente deßhalb besonders betont zu werden. — Diese Anerkennung wäre in dem Sterben der Erstgeborenen nicht oder jedenfalls nur mittelbar zum Ausdruck gelangt. Deshalb betont die Hagadah: djidö uV iru ah'i d;ttü3 m )ba Hätte Gott ihre Erstgeborenen getödtet, uns aber nicht das Vermögen der Egypter gegeben, hätte das genügt d (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Brandenburg, 28. Februar. Herr Dr. Immanuel Plato aus Cöln ist einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden, nachdem derselbe am vergangenen Sabbat zur Gastpredigt hier anwesend war. Herr Dr. Plato hat seine Ausbildung an dem unter Leitung des Herrn Dr. Hildesheimer stehenden Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. Lübeck, 2. März. Unsere schöne, kleine Stadt Lübeck hatte im vorigen Jahre zur Zeit, als die böseste aller Krankheiten, die Cholera, ringsumher so furchtbar wüthete, Gelegenheit von ihrer gesunden Lage Probe abzulegen, denn sie blieb, dem Himmel sei es gedankt, von der Seuche verschont, und nur einige sporadische Fälle zeigten, daß der Comma-Bacillus auch hier einzudringen versuchte. Wie sich damals in sanitärer Beziehung Lübeck als seuchenfrei bewährte, bewährte sich auch gestern der loyale, widerstandfähige Bürgersinn seiner Einwohner, als gegen die antisemitische Pestilenz vollkommen gefeit. Die Seuche sollte durch den bekannten, fahrenden Scholasten, Dr. Daneil, hier gewaltsam eingeführt und den braven, harmlosen Bürgern, die bis jetzt — Christ und Jude — im friedlichstem Einvernehmen lebten, künstlich eingeimpft werden. Doch endigte der edle Versuch mit einem vollständigen Fiasko des weisen Daneil. Wie einst Bileam, zog Meister D. her, den Juden zu fluchen, aber nicht wie dieser auf einer Eselin kam er herangeritten, sondern langte im bequemen Coups als Eisenbahnunglück an und erschien, da er sich zu seiner Rede im Restaurant wohl etwas länger gestärkt, des Abends ziemlich verspätet, in der auf ihn harrenden, etwa 200 Köpfe zählenden Versammlung. Was er gesprochen, oder welche Flüche er eigentlich auszestoßen, ist wohl wiederzugeben unnöthig. Gleichen sich doch die Reden aller Antisemiten, wie ein (das Beiwort denke man sich hinzu) Ei dem andern. Der gute Mann war übrigens zu bedauern, denn er bekam von allen Seiten tüchtige Hiebe und Rufe, wie: pfui! gemein! hallten wiederholt durch den Saal und gaben unzweideutig zu erkennen, welche Wirkung die absurden Auslassungen auf das anwesende Publikum, das sich seinen geraden Sinn nicht nehmen ließ, hervorbrachte. Bei der sich darauf entwickelnden Discussion zeichneten sich besonders die Herren Direktor Lange, Curt Seydell, Meyer undSzafrauski, Redacteur der Eisenbahnzeitung, durch zum großen Theile ernste und sachliche Widerlegungen aus. Zuletzt nahm die Versammlung mit imposanter Majorität, die vom wackeren Herrn Szafrauski gestellte Resolution an, die den Antisemitismus als eine Schmach der Zeit verwarf. Trotz der so unzweifelhaft erlittenen, kläglichen Niederlage, soll der Bileam von Bielefeld, wie wir hören, die löbliche Absicht haben, ein zweites Mal hierher zu kommen, wahrscheinlich um das Wort der Sprüche (Cap. 26, Vers 11) wahr zu machen. S. N. M. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Prag, 3. März, nyi oi'I bi ba bwo nvt* 'n Der hiesige isr. Krankenpflegeverein „Derech Jescharah" und „Masktl El-Dal" hielt gestern Nachmittags seine ordentliche Generalversammlung ab, welcher der Obmann Herr Hermann Jnwald präsidirte. Dem verlesenen Geschäftsberichte ist zu entnehmen, daß der Verein mit Ende des abgelaufenen Jahres 292 Ehrenmitglieder und 88 wirkliche Mitglieder, zusammen 380 Mitglieder zählte. In Krankheitsfällen wurden zehn Mitglieder während einer Gesammtdauer von 249 Tagen mit einem Kostenaufwande von 570 fl. verpflegt, so daß die Verpflegskosten per Tag und Kopf 2 fl. 29 kr. betrugen. Curbeitiäge wurden für die Dauer von 120 Tagen an vier Mitglieder im Gesammtbetrage von 84 fl. geleistet, was einem Aufwande von 70 kr. per Kopf und Tag entspricht. Nach Genehmigung des Geschäftsberichtes verlas der Cassier Herr Wilhelm Heller den Cassabericht, demzufolge die Einnahmen 2631 fl., die Ausgaben 2612 fl. betrugen und der Stand des Vereinsvermögens mit Schluß des Berichtjahres sich mit 28,289 fl. 86 kr. bezifferte. Nach Verlesung des Revisionsberichtes wurde dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen. Es wurden wieder gewählt in den Vorstand die Herren: Dr. Goldschmidt, W. Heller, L. Kuhn, Sigmund B.