Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 20 (9.3.1893)
- Date
- 1893-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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schicke ausgesetzt. Nicht so die letzte aller Plagen in Egypten, das Sterben der Erstgeborenen. Man kann Krankheiten, Seuchen, Todesfälle durch Bacillen, durch schlechtes Wasser und alles mögliche erklären, oder erklären zu können vermeinen, aber wenn in jedem Hause der Erstgeborene und nur er vom Tod dahingerafft wird, bet Menschen und Thieren, so steht einer solchen Thatsache gegenüber alle Profefforen- und Chartumimweisheit in ihrer ganzen Ohnmacht da! Wie ließe sich auch eine solche Erscheinung rationell oder wissenschaftlich erklären? Auch der ungläubigste Gottesleugner muß angesichts einer solchen Erscheinung das Walten einer über unserer Schulweisheit sich erhabenen Macht erkennen und anerkennen. Hätte daher Gott jene den ideellen und concreten Verfall der Götter bewirkenden Strafgerichte walten lassen, ohne ihm noch das Sterben der Erstgeborenen folgen zu lassen, so hätte dies nimmer für den Zweck genügt, das Bewußtsein von Gott in die egyptischen Volkskreise zu tragen. Mit dem Sterben der Erstgeborenen war die Anerkennung Gottes in den von diesem Schlag betroffenen Familien, also in ganz Egypten besiegelt. Aber daß Israel der Erstgeborene Gottes, derjenige Volksstamm ist, für den nicht nur Gott eintritt, sondern der auch für Gott eintritt, der sich durch sein hundertjähriges Leiden als der treue Diener Gottes bewährt hat, diese Gedanken kann nicht ein gegen die Egypter geführter Schlag beleben, sondern dieser muß durch eine Wohlthat zum Ausdruck kommen, die Gott Israel selbst angedeihen ließ. Diese Wohlthat war, daß Gott uns das Vermögen der Egypter gab djigd pn;pj. Ihre Bedeutung ergibt sich schon aus dem Umstande, daß die erste Ankündigung des Aufenthalts in Egypten mit ihr ausklingt: «nana ltra* p nrwi. Wir haben diesen Moment in unseren vorjährigen Abhandlungen über die Hagadah schel Peßach eingehend gewürdigt. oyn 'jts3 w nzn heißt es: (II. B. M., XI, 2, 3.) „Rede doch in die Ohren des Volkes, daß Jeder von seinem Bekannten und Frauen von ihrer Bekannten sich silberne und goldene Geräthe erbitten. Und Gott gab die Gunst des Volkes in Egyptens Augen, auch der Mann Moscheh war im Lande Egypten sehr groß und in den Augen der Diener Pharaos und in den Augen des Volkes." setzt immer ein Widerstreben bei dem Anderen voraus. Es hatte eben das Volk in der eklatantesten Weise seine sittliche Gediegenheit erprobt. Drei Tage lang waren in Blindheit gefesselt ihre Dränger ihnen ohnmächtig preisgegeben; drei Tage lang ihnen alle ihre Schätze in deren Wohnungen offen gestanden, und kein Jude hatte die Gelegenheit benutzt, auch nur eine höhnende, neckende Rache an ihnen zu üben, keiner weder eine Person, noch eine Stecknadel angerührt. Diese sittliche Größe ließ Gott eben in dem Augenblick, als den Egyptern wieder das Augenlicht gewährt ward, und sie alles ihrige unangetastet fanden, endlich den Widerwillen der Egypter gegen die Hebräer besiegen und mehr noch als die Wunder, die es geübt, machte diese sittliche Größe seines Volkes den Mann Moses in den Augen der Egypter groß. Es mochte wohl Moses und dem Volke widerstreben, diesen sittlichen Sieg wieder einigermaßen durch solche Bitten aufs Spiel zu setzen. Allein es war Gottes Wille, daß sein Volk nicht arm ausziehen sollte. — Waren doch alle im Sklavendienst dahingegangenen Geschlechter völlig außer Stande gewesen, das Geringste für sich zu erwerben, und der erste Grundstein zum Wohlstand seines Volkes sollte durch die Anerkennung seiner sittlichen Größe abseiten seiner bisherigen Verächter erworben und geweiht sein. Daher dieses: nj. Dabei drängte die Zeit. Zwölf Stunden waren nur noch bis zum anderen Mittag. Daher tu -an oyn »jwa, rede ihnen zu, bewege sie zu diesem Schritt. Während daher Moses vor Pharao stand, und in dem Augenblick, in welchem Pharao den Moses mit dem Tode bedrohte, bereitete sich das Volk schon zum Auszug vor und feierten er und sie draußen den größten moralischen Sieg über ihre Herren und Dränger, die nut dieser ancrkennungsvollen Freigiebigkeit eine, wenn auch immerhin kleine Sühne der Vergangenheit zu zollen sich bewogen fühlen mochten. Diese Auffassung (Hirsch's Pentateuch-Commentar z. St.) dürfte noch durch folgende Erwägung ihre Begründung finden. Hatte der Aufenthalt Israels in Egypten den Zweck, Gottes Allmacht und sein sichtbares Eingreifen in die Geschicke der Menschen auch der außerjüdischen Welt zum Bewußtsein zu bringen, so hat Israel thatsächlich Gott und seiner Anerkennung auf Erden gedient, als es Egypten diente. Gerade in seiner Knechtsgestalt erscheint es als der Gottesdiener par excellence. Dem in die Freiheit gesandten Knechte gegenüber ist der bisherige Herr verpflichtet, denselben nicht leer ziehen zu lassen, sondern ihn reichlich auszustatten. 'b p'jyn pjyn. „Ausstatten, ausstatten sollst du ihn mit deinem Kleinvieh, deiner Scheuer und deiner Kelter, womit dich Gott, dein Gott gesegnet hat, sollst du ihm geben. Erinnere dich, daß du im Lande Mizrajim Sklave gewesen bist, als Gott, dein Gott, dich erlöste, darum verpflichte ich dich heute dazu. (V. B. M., XV, 14, 15.)