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Der Israelit · 1893-03-06 · Heft 19 (6.3.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 19 (6.3.1893)
Date
1893-03-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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387 Glaubensgrundsätzen beseelt, die Fähigkeit besitzt, die zweite Rabbinerstelle zu bekleiden, in dieser Richtung daher bedeutende talmndische Kenntnisse haben muß, außerdem ein tüchtiger Kanzelredner und Pädagoge sei (derselbe hätte die Pflicht den Religionsunterricht an sämmtlichen Preßburger Lehranstalten (Volks¬ und Mittelschulen) zu überwachen) und als der ungarischen Sprache mächtig, auch das patriotische Gefühl der jüdischen Bevölkerung rege zu erhalten habe, wobei nicht ausgeschlossen wäre, daß wenn die Kandidatur eines nicht ungarischen Dun TD^n in Betracht käme, die Erlernung des ungarischen Idioms zur Bedindung gemacht werden könnte. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es gelingen wird, einen mit diesen Qualificationen ausgestatteten Bewerber baldigst ausfindig zu machen, insbesondere, da Sr. Ehrwürden ein eifriges und rasches Handeln in dieser Sache bereitwilligst zusagte. Jndeß hat auch die Repräsentanz bezüglich der finanziellen Regelung die Hände nicht in den Schoß gelegt. Sie arbeitet rüstig an der Verbesserung der veralteten, ungerecht vertheilten Besteuerung und so ist die begründete Aussicht vorhanden, daß nach Lösung der genannten beiden wichtigen Fragen ein neuer Impuls, ein neues Leben, in die Verwaltung und in die Entwicklung dieser altehrwürdigen Gemeinde einziehen wird. -y. Spatzregen, im Adar. Wieder ist einer der frommsten und gelehrtesten Männer Israels aus dem Leben geschieden. Rabbi Hillel Pollak, der letzte ungarische Rabbiner aus der Schule des großen Eh aß a m S of e r, der als Gaon und Zadik wett und breit berühmte Mann ist nicht mehr! Im 83. Lebensjahre hat er seine edle Seele ausgehaucht. Aus Nah und Fern strömten die Rabbiner und Deputationen der Gemeinden herbei, um dem großen Todten die letzte Ehre zu erweisen. Mit den oneDn wurde im Trauerhause und zwar von dem ältesten und jüngsten Schwiegersöhne des Verblichenen begonnen. In der Synagoge, wo die üblichen mDpn gemacht wurden, sprachen die Rabbiner Kohn und Glasner aus Klausenburg. Letzterer legte es der Gemeinde besonders an's Herz, die zwei würdigen Schwiegersöhne in die Rechte des Rabbinates einzusetzen. Rabbiner Mandel bäum aus Wasarhelg begann seinen Hesped mit dem talmudischen Spruche de6 i'lppv ,)b nrrn mna mo D’DtP und hob die engelreine Frömmigkeit des verstorbenen Rabbi Hillel besonders herv. r. Es sprachen noch die Herren Rabbiner H orovicz aus Biftritz, Stern, Keller und Kau ft heil herzerschütternde Worte, die auf sämmtliche Zuhörer einen mächtigen Eindruck machten. Der imposante Leichenzug bewegte sich hierauf nach dem D»nn n»a, wo Rabbiner Kraus aus Debrezin eine tief ergreifende Rede hielt, die alle Anwesenden nochmals zu Thränen rührte. Vor dem offenen Grabe gelobte der Vorsteher Aron N e u m a n n im Namen der Gemeinde, daß sämmtliche Minhagim und der orthodoxe Charakter der Gemeinde im Geiste des großen Lehrers stets unverändert bleiben werden. Auch wurde der einhellige Beschluß gefaßt, daß die zurückgebliebene Wittwe den vollen Gehalt weiter beziehe und die zwei sehr würdigen Schwiegersöhne die Rabbinatsfunktionen ausüben sollen. Rabbi Hillel Pollak hat sich um die Gemeinde viele Verdienste erworben. 3Vi Vermischtes. «4- Berlin, 21. Febr. Dem Reichstage ist der Bericht über die Thätigkeit des Reichs-Kommissars für das Auswanderungswesen zugegangen. Es ist daraus hervorzuheben: Die Auswandererbeförderung über die deutschen Häfen scheint im ersten Theite des verflossenen Jahres die bisher höchste Zahl des Jahres 1891 übertreffen zu wollen. Der Ausbruch der Cholera schnitt indeß die Beförderung in Hamburg ganz ab und beeinträchtigte die über Bremen und Stettin. Als im Beginne des Sommers sich die Cholera in Rußland zeigte, richtete die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Aktiengesellschaft an den Senat das Gesuch, ihr die Errichtung einer großen Baracke für die meist jüdischen Auswanderer aus Rußland zu gestatten, da deren freier Verkehr gefahrbringend werden könne. Die russischen Auswanderer wurden dann, ohne die Stadt zu berühren, in die Baracke gebracht und gelangten in ein neben der Baracke liegendes Gebäude. Jede Person mußte hier ein warmes Bad nehmen und sich „mit grüner Seife gründlich reinigen". Die Kleider und Effekten wurden desinfizirt. Diejenige Auswanderer, welche ausreichende Mittel besaßen, wurden nach geschehener Reinigung und ärztlicher Untersuchung aus der Baracke entlaffen. Es waren allerdings nur wenige. Während der Epidemie wurde die Beförderung von Zwischendeckspaffagieren in allen Häfen eingestellt. Im September wurde in Hamburg die Landung zurückkehrender ruffischer Auswanderer verboten. Unter den aus Amerika zurückgekehrten Personen befanden sich 145 aus den vom Baron Hirsch in Argentinien gegründeten Kolonien. Dieselben wurden auf Kosten des Comites für die russischen Israeliten theils nach Nordamerika oder England, theils nach der alten Heimath befördert. Berlin, 20. Februar. In der vorigen Woche fand an der hiesigen Universität eine bemerkeswerthe Promotion statt. Der betreffende Doktorand, Max Meyer, wurde im Jahre 1865 zu Berlin blind geboren und besuchte, nachdem ihm der erste Unterricht von einem Blindenlehrer ertheilt worden war, das hiesige Sophien-Realgymnasium. Er wurde stets als bester Schüler versetzt und bestand mit Auszeichung das Abiturientenexamen, wobei ihm die schriftliche Prüfung erlaffen wurde. Darauf studirte er mehrere Jahre hindurch auf der hiesigen Universität Mathematik, Physik und Philosophie. Durch seinen rastlosen Fleiß und seltene Thatkraft verfaßte er nach beendetem Studium eine Dissertation aus dem Gebiete der Differentialgleichungen, die, wie einer der Opponenten, der Privatdozent Dr. Schlesinger, bemerkte, eine dankenswerthe Bereicherung der mathematischen Wissenschaft bildet. Der Dekan der philosophischen Fakultät, Professor Hirschfeld, beglückwünschte nach der üblichen Vertheidigung der Thesen den jungen Doktor, „der mit Ueberwindung so großer Schwierigkeiten diese akademische Würde erlangt habe."

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