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Der Israelit · 1893-03-06 · Heft 19 (6.3.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 19 (6.3.1893)
Date
1893-03-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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.11*1 U-„'>w... > ' - ' - v1. ' . r *'.V\S •" ’V' v' ' ' *>™v V-' 356 Das Recht der Volksvertretung, über Dinge zu sprechen, wovon sie nichts versteht, hat seine Grenzen. Das hat die Mehrheit des Abgeordnetenhauses sogar heute eingesehen, und sie hat durch einen energischen Schluß der Debatte den zwecklosen Streitigkeiten über den Talmud ein Ende gemacht. Dabei wurde der Kaplan Dasbach, der als antisemitischer Vorkämpfer sich hervorgethan hat, im Namen des Centrums von dessen Vorsitzenden Freiherrn von Heeremann durch die Erklärung desavouirt, daß er nur in seinem Namen und nicht in dem der Partei gesprochen habe. Das Centrum befleißigt sich übrigens offenbar einer wohlthuenden und wohl überlegten Zurückhaltung gegenüber der neuesten Art antisemitischer und agrarischer Agitation. Es ist das eine Erscheinung, die Beachtung verdient. Mayerr, 1. März. In hiesiger Stadt, in der von jeher die Mitglieder der jüd. Gemeinde mit ihren christlichen Mitbürgern im schönsten Einvernehmen leben, glaubte ein Herr S., welcher bei der letzten Stadtrathswahl, nach seiner Meinung durch die Stimmen der israel. Wähler, durchgefallen war, den Beruf zu haben, dem Antisemitismus auch hier Eingang zu verschaffen. Nachdem seit einigen Wochen die bekannten antisemitischen Flugblätter in großer Masse verbreitet worden waren, berief Herr S. für Samstag den 25. d. M. eine antisemitische Versammlung ein. Zu derselben erschienen jedoch außer dem Einberufer selbst, nur einzig und allein der Polizeibeamte, welcher die Versammlung überwachen sollte. Diese „allgemeine Nichtbetheiligung", welche unsere christlichen Mitbürger in hohem Grade ehrt, dürfte Herrn S. wohl davon überzeugt haben, daß für seine Bestrebungen hier das geeignete Feld nicht vorhanden ist. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pretzburg, 24. Febr. Es dürfte wenige gesetzestreue Juden auf dem großen Erdenrunde geben, denen das Gemeinwesen ihrer Preßburger Glaubensgenossen nicht besonderes Interesse einflößen würde. Die Preßburger orthodoxe Gemeinde mit ihren religiösen Einrichtungen nimmt ja unstreitig eine hervorragende Stellung auf dem Gebiete aller ähnlichen Institutionen ein, und ihre neuen Schöpfungen zur Erhaltung, Förderung und Kräftigung unseres heiligen Glaubens, die sich würdig an die vorhandenen, in ihrer Reinheit und Erhabenheit aufrechterhaltenen Ueberlieferungen unserer Vorfahren anreihen, haben der Preßburger Gemeinde den altehrwürdigen hervorragenden Platz, nicht nur im engeren Vaterlande Ungarn, sondern weit über die Grenzen desselben hinaus gesichert. Ist derselben schon durch die Person des ehrwürdigen Ober-Rabbiners Benjamin Schreiber, des Nachkommens seiner in Gott ruhenden berühmten Vorfahren Chasam und Ksaw Sofer diejenige Person gegeben, die dem ganzen Gemeinwesen die äußere und innere Wethe verleiht, so sind es besonders ihre Einrichtungen auf dem Gebiete des Schulwesens und der Humanität, durch die sie die drei hehrsten und erhabensten Grundsätze unserer jüdischen Gesetzgebung erfüllt: Thora, Awoda, und Gemilus Chassodim! Anders gestaltet es sich aber mit den finanziellen Verhältnissen der Gemeinde. Die stets wachsenden Lasten derselben, die sich insbesondere durch die steigende Armuth in der jüdischen Bevölkerung von Tag zu Tag mehren, sind mit den Einkünften derselben schwer in Einklang zu bringen. Die Gemeinde die, ohne jede staatliche Unterstützung, fünf große öffentliche Lehranstalten, die große 3—400 Hörer zählende Jeschiwa nicht eingerechnet, zu erhalten hat, und außerdem noch einen, ihre Kräfte weit übersteigenden Wohlthätigkeitsapparat bewegt, hat schwere Kämpfe um ihre materielle Existenz zu bestehen, wozu noch der Umstand kommt, daß die seit dem Hinschetden des seligen Rabbi Feisch Fischman offene Frage der Besetzung des zweiten Rabbiners und Magid-Stelle einen acuten Charakter angenommen hat und ihrer dringenden Lösung harrt. Unser ehrwürdiger Oberrabbtner, der die schwierige Aufgabe zu lösen hat, in erster Linie als das anerkannte Oberhaupt der ungarischen Orthodoxie die Agenden dieses großen und verantwortungsvollen Amtes zu leiten, abgesehen von seinem Amte als alleiniger Direktor und Lehrer der altberühmten großen Talmud Hochschule .12'«" muß, diese Ueberzeugung hat sich allerseits Bahn gebrochen, von einem Theile seiner Wirksamkeit entlastet werden, und so hat sich die vor Monatsfrist neugewählte Gemeindevertretung als ihre erste Aufgabe gestellt, nebst der Regelung der Finanzen, an die Neucreirung der seit einem Jahrzent verwaisten zweiten Rabbiner- und Predigerstelle zu schreiten. Der diesbezügliche Beschluß wurde von den Gemeindemitgliedern mit der größten Freude ausgenommen, es wurde aber aus Gründen der Opportunität und Delicatesse von der Ausschreibung eines Concurses Abstand genommen, und die Frage in der. die Repräsentanz gewiß ehrenden Weise, in Fluß gebracht, daß sich eine Deputation des Vorstandes bestehend aus den Herren Joel Wolf, Lasar Gestettner, M. C. Bettelheim, Dr. Stein und Moritz Frei zum Herrn Oberrabbiner begab, denselben von dem Beschlüsse in Kenntniß setzte, und ihn bat, er selbst möge unter den für diese Stelle geeigneten Persönlichkeiten Umschau halten, und eine der hiesigen Gemeinde würdige Person in Vorschlag bringen, die in erster Linie, selbstredend von streng orthodoxen

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