Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1893)
- Date
- 1893-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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854 mit dem vollendeten Gegentheil, mit der Aussicht auf die vierhundertjährige Knechtschaft, die seine Nachkommen in fremdem Lande zu ertragen haben werden. uyi onayi or6 -jy-»T rvrr -u »a jnn yr nw nwö ya-)X onw. Vergegenwärtigt man sich jedoch, daß Abrahams ganzes Leben in der einen Sehnsucht aufging, das Bewußtsein von Gott in immer weitere Kreise zu tragen, daß diese Sehnsucht allein ihm den Wunsch nach einer reichen Nachkommenschaft weckte, welche das geistige Vätererbe immer mehr und mehr zum Gemeingut der ganzen Menschheit machen konnte, daß endlich dies allein der Sinn des Segens ist, den Abraham und seine Nachkommenschaft allen Familien der Erde bringen sollte, so dürfte auch das seinen Nachkommen auf fremdem Boden wartende Geschick in anderem Lichte erscheinen. Dann hat vielleicht Abraham nie eine trostreichere Zusicherung erhalten, als die in den Worten yv •jjn? nw >a jnn niedergelegte, aber jedenfalls keine, die geeigneter war, die Befürchtungen, denen sie entgegentreten möchte, thatsächlich zu zerstreuen. Abraham empfindet es schmerzlich, daß er allein die Gottessache auf Erden vertritt, daß ihm nur ein Knecht, aber nicht sein eigen Fleisch und Blut dabei zur Seite stehe, daß er die Kinder, die ihm Gott verheißen, noch nicht besitzt, und daß sie ihm vielleicht zu einer Zeit erst gewährt werden, in der er sie nicht mehr als Gottesherolde erziehen kann, und Gott versichert den Ahn des israelitischen Volkes, daß es ihm noch so voll und ganz gelingen werde, seinen Geist seinen Nachkommen zu vererben, daß man sie als Fremde behandeln wird, weil sie seine Nachkommen, die treuen Fortträger seiner Gesinnung sein werden. Ein Knecht wird nicht der Erbe, der Erbe wird ein Knecht sein und so theuer wird ihm das abrahamitische Vätererbe sein, daß er eine vierhundertjährige Tyrannei dem Preisgeben dieses Erbthums vorzieht. Dadurch wird das Bewußtsein von der Macht des Gottesgedankens auch in die wahnumnachteten Kreise der anderen Völker getragen. Das Volk, dessen König erst trotzig spricht, ich kenne Gott nicht, richtet Gott selber. Es lernt die Macht ahnen, die auf die Seite des geächteten Sklavenstammes tritt, es lernt den Gott fürchten, in dessen Dienst ein Moses seine Sendung vollzieht, es sieht den Gottesfinger, der seinen Weisen das Bekenntniß ihrer Ohnmacht abringt, es fühlt die Wucht der Gotteshand, in deren Dienst die Meeresfluthen stehen, um den hilflosen Sklaven freien Durchzug und den mächtigen Zwingherren das Wellengrab zu bereiten. Dieser Triumph der von Abraham gelehrten, an seinem Volke aber sich so offenkundig vor aller Welt Augen bewährenden Macht des Gottesgedankens ist die reiche Errungenschaft, — Pia-* — welche die aus der Knechtschaft Ziehenden mit hinaus in die Freiheit nahmen. Diesem Gedanken gibt unsere Peßach-Hagadah in dem vorliegenden Abschnitt Ausdruck, indem er uns die Wohlthat der Gottesstiftung, welche Israels Geschichte bekundet, in allen ihren Abstufungen vorführt. — Wenn wir an den Seder- Abenden als die Enkel der Erlösten auf das Geschick unserer Väter in Egypten zurückblicken, so fließt beim Gedanken an die Wohlthaten Gottes, an die Art und Weise, wie er unsere Ahnen zu Trägern und Herolden seines Wunderwallens auf Erden berief, der Mund der Enkel über vom Lob und Preise Gottes, in dessen Dienst auch sie sich gestellt wissen. Wir ziehen im Geiste mit den Ahnen aus Egypten, durch die Meeresfluthen, in den Wüstenbrand, in das geheiligte Land unserer Bestimmung und werden bei jedem Schritt die wunderbare Gottesfügung anstaunen, die in jeder Wendung dem Zwecke dient, dem der Ahn unseres Volkes sein Leben geweiht hatte: Den Namen Gottes auf Erden zu verkünden. Die eigentliche Form aber, in welcher der zur Erklärung vorliegende Abschnitt die Großthaten Gottes feiert, erläutert R. Elieser Aschkenasi in seinem Werke ‘i »pyo durch folgendes Gleichniß. Ein Regent wollte einen Freund als Fürsten über einen Landesthetl einsetzen. Aber dem so Ausgezeichneten fehlten alle für einen Fürsten unerläßlichen Embleme. Er besaß keine Gewänder, wie sie für einen Fürsten erforderlich sind. Der König gab sie ihm. Er hatte keine Rosse, keine Dienerschaft. Der König gab sie ihm. Er verstand nichts von der Art und Weise, wie ein Land verwaltet werden muß. Der König übergab ihm ein Werk, aus welchem er das Nöthige erlernen konnte. Nun fehlte ihm noch ein fürstlicher Palast; auch diesen führte ihm sein königlicher Gönner auf. Als der so reichlich Beschenkte seinem Wohlthäter danken wollte, zählte er die Wohlthaten seines Gönners in folgender Gruppirung auf: Hätte mir mein königlicher Gönner Fürstenthum und Fürftenwürde verliehen, hätte mir aber nicht die fürstlichen Gewänder gegeben, hätte ich dann das Fürftenthum je antreten können? Hätte er mir aber auch diese Gewänder gegeben, mich aber nicht mit dem ganzen Hofstaat, nüt Rossen und Dienern ausgestattet, hätte ich dann als Fürst auftreten können? Hätte er mich aber mit allem diesem bedacht, hätte mir'aber keinen eines Fürsten würdigen Palast hergestellt, hätte ich als Fürst standesgemäß mein Fürstenthum antreten könnenHätte aber selbst der Besitz eines Palastes genügt, mich zum Fürsten zu machen, ohne Kenntniß des Wesens einer