Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1893)
- Date
- 1893-03-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. M lö Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Kudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 6. März 5653 (1893). Leitender Artikel. Kagaday schek Uesach. Siebente Serie.*) I. Mainz, 3. März. V'ILOV wtwn ib« Dipoi? mal» mtyo .Iva .im D'&stp oro ntpy „Wie vielfach find die Abstufungen der mannigfachen Güte Gottes gegen uns! Hätte Er uns aus Mizrajim geführt, hätte aber keine Strafgerichte an den Egyptern vollzogen, wäre das genügend gewesen?" Dieser Abschnitt aus der Peßach-Hagadah schließt sich nicht nur äußerlich, sondern auch seiner ganzen Tendenz nach den direkt vorangehenden unmittelbar an. Wir hatten am Schluffe der vorjährigen Betrachtungen darauf hingewiesen, wie unsere großen Weisen, im Gegensätze zu unserer Neigung, alle Gottcswunder rationell und „natürlich" zu erklären, die Wunderthaten Gottes uns noch wunderbarer zu begreifen lehren, als sie dem oberflächlichen Blick erscheinen. Rabbi Jose Haglilt, Rabbi Elieser und Rabbi Akiba feiern die göttliche Wundergröße, die sich in den über die Egypter verhängten Strafen bekundete, durch den Hinweis, daß sie in vier- und fünffach größerer Wucht auftreten, als aus dem einfachen Wortsinn der biblischen Darstellung zu entnehmen ist. Daß diese Wunderfülle, die jeder einzelne strafende Gottesakt in sich birgt, noch in doppelt und doppelt — n^saoi rftiea — reicher und mannigfacher Entfaltung sich erschließt, wenn Gottes liebende, lohnende Waltung in unser Geschick eingreift, *) Vergl. die sechste Serie im vorigen Jahrgang Nr. 21 bis 30, die fünfte Serie im 31. Jahrgang Nr. 25—33, die vierte Serie im 30. Jahrg. Nr. 17—31, die dritte Serie im 29. Jahrg. Nr. 17—26; die zweite Serie im 28. Jahrg. Nr. 20—29; die erste Serie im 27. Jahrgang Nr. 23—30. das an einem instructiven Beispiel zu zeigen, ist die Tendenz des vorliegenden Abschnittes. Es sind hier fünfzehn Gottes-Wohlthaten aufgezählt, die mit dem Ausgang aus Egypten beginnen und mit der Errichtung des Tempelhetligthums im Lande Israels schließen. In Wirklichkeit ist aber hier noch eine sechszehnte, oder vielmehr allererste, nicht genannte, weil stillschweigend vorausgesetzte, vorhanden, die allen anderen zu Grunde liegt. Wir begreifen, daß die Hagadah schel Peßach, welche ja für die Darstellung des Auszugs aus Egypten ausschließlich bestimmt ist, die Auszählung der Wohlthaten, die Gott an Israel geübt, mit dem Auszug aus Egypten einleitet. Thatsächltch reichen dieselben aber selbstredend viel weiter zurück. Sie beginnen mit dem ersten Wort, das Gott an den ersten Juden bezüglich des Volkes gerichtet hat, das von ihm abstammen wird, mit der Verheißung: to-u f»ysi. „Ich werde dich zu einem großen Volke machen." (I. B. M., XII, 2.) Alle Wohlthaten Gottes an Israel sind im Grunde genommen nichts anderes, als die Ausführung dieser ersten Wohlthat, als die Einlösung dieser Verheißung. Ganz besonders aber der Aufenthalt Israels in Egypten und seine Befreiung von dort, hat Israels Größe der ganzen Menschheit zum Bewußtheit gebracht. Was Gott für Israel in Mizrajim gethan hatte, hatte ja ausgesprochener Maßen keinen anderen Zweck, als daß der Name Gottes der ganzen Erde geläufig werde, -iöd iy»^> pNn $>aa ’o». Als dem Ahn das Sklavenloos seiner Enkel vierhundert Jahre vorher in nächtlicher Erscheinung enthüllt wurde, verlieh Gott dieser Wahrheit bereits friedlichen Ausdruck, wie dies ein tieferes Eingehen auf das 15. Cap. des I. M. zeigt. Auf den ersten Blick erscheint jenes Capitel räthselhaft. Es beginnt mit der Versicherung von dem Gottesschutze und dem ungemessenen Gotteslohne — "ind nam “pap if? po »aj» — und schließt