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Der Israelit · 1893-03-02 · Heft 18 (2.3.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 18 (2.3.1893)
Date
1893-03-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Donnerstag und Samstag mit warmer Mittagskost versorgt. Das Menu war selbstverständlich kein gewähltes, vielmehr ein höchst primitives. Eine Einbrennsuppe, Bohnen oder Erbsen, die keinesfalls mit Gänseschmalz, sondern mit Rindsfett zubereitet waren, und ein Stück Brod bildeten, mit Ausnahme des Samstags, die kärgliche Kost des armen Bachurs. Doch am Samstag wurden Delikatessen in der Form von Fleischbrühe, Fleisch und eine Partie „Neßachkuchen" den armen Rabbinatsschülern verabreicht. Bet dieser Ausspeisung spielten die „Rosche Cheschbonim", besonders der „Obergabbe" die Hauptrolle. Sie waren die sogenannten „Koster" der Speisen, überwachten die Ausspeisung und ließen oft durch einen geheimen Wink, den sie der auftragenden Köchin gaben, ihren Günstlingen größere Portionen zukommen. Ob eine große Portion Chewrakost zu erhalten, eine Begünstigung war, ist freilich eine Frage. Doch die Armuth und Dürftigkeit der darauf Reflectirenden war zumeist eine so große, daß das alte Sprichwort: „Der Hunger ist der beste Koch", so auch hier sich bewährte, und für den hungrigen Bachur eine größere Portion Chewrakost zu erhalten eine Protection war. Seit jüngster Zeit hat sich auch die Verköstigung der Bachurim durch die seitens mehrerer Mitglieder der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde gegründeten jüdischen Volksküche, die musterhaft geleitet und in welcher den Bachurim ein separates Speisezimmer eingeräumt wurde, zum Besseren gewendet. Die armen Rabbinatsschüler erhalten vom Vereine Nssauuos habachurim eine Anzahl Speisemarken und bekommen drei oder viermal wöchentlich eine gute schmackhafte Kost in der Volksküche. Dort fällt jeder Unterschied und jede Begünstigung weg, denn die dort fungireuden Aufsichts- und Ehrendamen sehen darauf, daß Jeder gleich befriedigt werde. Der dritte Verein in der Jeschiwah ist die Chewra Lechem debachurim, vulgär „Weckel Chewra" genannt. Von diesem Vereine erhielt jeder arme Bachur jede Woche eine Anzahl Marken, welche ihm als Anweisung auf eine gewisse Anzahl Semmel oder Laibe Brot bei einem bestimmten jüdischen Bäcker dienten. Der sparsame Bachur theilte sich gewöhnlich die Zahl der Semmel auf die Anzahl der Wochentage, so daß er jeden Tag, wenn auch nicht viel, aber doch wenigstens etwas zum Essen habe. Es gab aber auch leichtsinnige Jungen, die oft in einer Art Galgenhumor den ganzen Wochenvorrath auf einmal verzehrten, um nach dieser großen Leistung die ganze Woche am Hungertuche zu nagen oder im jüdischen Spitale wegen Ueberfüllung des Magens zuzubringen. Schließlich müssen wir noch den Verein Malbtsch Arumim erwähnen, dessen Thätigkeit sich auf die Vertheilung von Schuhen an die armen Bachurim und die Renovirung ihrer Kleider beschränken mußte. Um seinen Wirkungskreis, seinem Titel entsprechend, auch auf die Vertheilung von Kleidern auszudehnen, reichten die Mittel dieses Vereins nicht hin. Auch da war das Protectionswesen ein großer Factor. So mancher armer Bachur mußte oft gegen seinen Willen auf großem Fuß, oder richtiger gesagt auf großen Schuhen leben, während ein anderer sich wieder sehr beengt im Schuhe fühlte und seine Rufe nach Freiheit und „mehr Raum" wirkungslos verhallten. Mit diesen vier Chewras hätten wir nun die Serie der Wohlthätigkeitsanstalten der Preßburger Jeschiwah abgeschlossen, mit Ausnahme des Vereins „Jesode Hathora", die Vorberettungsschule der Jeschiwah, die aber nicht von dieser, sondern von^ Mitgliedern' der Preßburger, Wiener und anderer Gemeinden, deren Kinder die Jeschiwah frequentirten, erhalten wird. Doch halt! Bald hätten wir ein Hauptinstitut, ohne welches der Bestand der Jeschiwah gewiß in Frage gestellt, vergessen, und das ist das Preßburger städtische Versatzamt, welches von den Bachurim spottweise, von dem Wort „setzen" abgeleitet, die „Jeschiwah" genannt wird. So wie im Schauspiele „Kean" auf der Schaubühne des Theaters eine zweite Bühne aufgeführt wird, so spielt auf der Bühne der Preßburger Jeschiwah, die zweite „Jeschiwah", nämlich das Versatzamt, die Hauptrolle. Diese Institution wird nicht nur von den armen, die wohl das Hauptcontingent der Versetzet stellen, sondern auch von den reicheren Bachurim, die mit ihrem Gelde zumeist nicht hauszuhalten verstehen, stark frequenttrt. So ist z. B. die Antwort auf die Frage: „Wo haben Sie denn Ihre Uhr? In der Jeschiwah" eine steriotype. Ebenso hörte man oft auf die Frage: „Warum tragen Sie in der kalten Winterszeit einen dünnen Ueberzieher und wo haben Sie denn Ihren Winterrock?" die Antwort: „Der ist in der Jeschiwah". 5. Der Himmelsflicker. Der „Himmelsflicker" oder „Gottsschneider", wie ihn der Volksmund nannte, war und ist noch heute eine in Preßburg stadtbekannte Figur; er ist eine Art Factotum der Jeschiwah. Seinem Flickschneider-Berufe und seiner Frömmigkeit, die ihn nur mit Mizwoth Geschäfte betreiben läßt, verdankt er den Spottnamen „Himmelsflicker" oder „Gottsschneider". Er ist der Flickschneider der Bachurim, und es gibt auch vielleicht keinen Bachur, der nicht die Dienste des Himmelsflickers ein- oder mehreremal in Anspruch genommen hätte; doch weniger in seiner Eigenschaft als Flickschneider, als in seinem eigentlichen Metier als „Versatzamtsträger". Denn

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