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Der Israelit · 1893-03-02 · Heft 18 (2.3.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 18 (2.3.1893)
Date
1893-03-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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339 dem Kopfe anzuzünden, ja sogar ihn zu ermorden drohte. Wie damals sehe er auch heute noch in der großen Anzahl der dem nationalen Volksthum fremd gegenüberstehenden Juden bis zu einem gewissen Grade eine Gefahr für die Nation. Ebenso bewundere er aber auch heute noch die Nüchternheit, das Familienleben, den wirthschaftlichen Sinn und die geistigen Anlagen des jüdischen Volkselementes. Er glaube aber nicht, daß die hieraus der rumänischen Nation eventuell drohende Gefahr durch besondere gegen die Juden ergriffene Maßregeln beseitigt werden könne. Vielmehr könne das nur auf dem Wege einer konkurrenzfähigen Erstarkung der nationalen Arbeitskraft auf kommerziellem und industriellem Gebiete geschehen. Zu diesem Zwecke seien auch von der gegenwärtigen Regierungspartei eine Reihe reformatorischer Gesetze auf agrarpolttischem, auf finanz- und wtrthschaftspolitischem Felde geschaffen worden, und diesem Zweck, der Erstarkung der Nation im Kampfe ums Dasein, solle auch das die praktischen Bedürfnisse des Landes allseitig berücksichtigende neue Gewerbeschulgefetz dienen. Gegen die nationalliberale Opposition sich wendend, richtete sodann der Minister an dieselbe die Frage, was sie wohl mit den Juden anzufangen gedenke? Von der Naturalisation seien sie ausgeschlossen, von der Politik ferngehalten worden. Zum Militärdienst, zur Blutsteuer habe man sie herangezogen, zum Avancement aber nicht zugelaffen. Trotz alledem höre man seit zehn Jahren die Klage, daß man von den Juden absorbirt werde, daß die Nation in Gefahr sei. Doch sehe Redner diese Gefahr nur darin, daß man nicht wie jene arbeiten wolle. Die Vorzüge, die man den Rumänen nachrühme, werden verloren gehen, wenn man sie nicht mehr, als bisher, durch Arbeit zu erhalten bemüht sei. Der vielfach ausgesprochenen Forderung, daß man die Juden beseitigen müsse, setzte Carp die Erklärung gegenüber, daß man sie weder umbringen noch ausweisen könne und daß es jedenfalls besser sei, die Juden durch den Unterricht in nationalen Schulen dem Volksgeiste näher zu bringen, als 200,000 Einwohner in Unwissenheit zu erhalten oder aber die Juden zu zwingen, als Fremde ihrem Bildungsbedürfniß in fremden Schulen zu genügen. Alle gegen die Juden ergriffenen Verfolgungsmaßregeln hätten nichts genützt. Man habe sie sogar in die Donau geworfen; was wolle man also noch mit ihnen? Schließlich erklärte Redner, daß er dem Amendement auf Ausschließung der Fremden, wozu bekanntlich auch die nicht naturalisirten, einheimischen Juden gezählt werden, nicht beistimmen könne, und deutete für den Fall einer Annahme dieses Amendements den Ausbruch einer Regierungskrisis an, aus der nur die Gegner des jetzigen Regimes Nutzen ziehen würden. Man kann sich denken, welche Aufregung diese sensationelle Rede Carps in den Reihen unserer Chauvinisten Hervorrufen mußte. Der erst jüngst gewählte Abgeordnete I. Gradisteanu beschuldigte Herrn Carp, daß er eine den nationalen Interessen des Landes zuwiderlaufende kosmopolitische Richtung verfolge, daß ec zu diesem Zwecke die nationalisirten Fremden unter seine Fahnen sammle, daß er Rumänien dem Auslande gegenüber bloßstelle, daß die Junimisten eine Art Landesverräther seien und was dergleichen ungereimte Frechheiten mehr waren. Carp antwortete hierauf mit wohlverdienter Schärfe und der Unterrichtsminister T. Jonescu erklärte gegenüber Fleva, daß das Ministerium auch in der Gewerbeschulfragesoltdarisch vorgehe. Im Einverständnisse mit der Regierung wurde schließlich der Antrag nach welchem die Aufnahme fremderzahlenderZöglinge in dieHandwerkerschulen bis zu einem gewissen Prozentsätze zu gestatten ist, mit großerMajoritätangenommen. So groß auch der praktische Werth des neuen Gewerbeschulgesetzes fürRumänien sein mag: noch größer ist der moralische Erfolg, den Carp mit seiner Rede zum Schutze der Fremden und Juden über die nationalliberalen Chauvinisten und die mit ihnen verbündeten professionellen Fremden- und Judenfreffer davongetragen hat. > Vermischtes. < Aus Westphalen. Der weit über die Grenzen des Fürstenthums Lippe-Detmold hinaus in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Mayer Rosenwald von Schot-- mar ist vor Kurzem in Folge Altersschwäche im 81. Lebensjahre gestorben. Von seinen streng frommen Eltern wurde der Verstorbene von Kind auf zur strengsten Religiosität, zur Tugend und Gottesfurcht erzogen und von tüchtigen, talmudisch gebildeten Lehrern, schon frühzeitig in das bibl. und talmudische Schriftthum, in rutPO und deren Commentare eingeführt. Mit einem guten Gedächtniffe begabt, hat er es, in Verbindung mit einer selten anzutreffenden Auffassungsgabe, großem Scharfsinn und eisernem Fleiße zu einem hohen Grade von Gelehrsamkeit in den angeführten Disciplinen unserer heiligen Gotteslehre gebracht, so daß der sel. Landrabbiner Dr. Fahrenbach ihn an seinem Hochzeitstage mit dem univ-Diplom beehren wollte, da der Verstorbene ganz besonders in B'J'I nSD und in D’pDlD sehr belesen war. Aus Bescheidenheit wies er jedoch die ihm zugedachte, wohlverdiente Ehrenbezeugung zurück und war nur schwer dazu zu bewegen, den "QN-Titel anzunehmen. Seine Liebe zur Thora und deren Träger war eine so große daß er es als vielbeschäftiKter Kaufmann nicht verschmähte, selbst noch im Atter bei tüchtigen Lehrern einen täglichen “Yijrttf in Mischna und Gemara zu lernen. Jede Stunde, die er dem Geschäfte abringen konnte, benutzte er zum Studium der Thora. Seine größte Freude war es, die heilige Sabbat- und Feiertage mit „Lernen" zuzubringen. Mit Thoragedanken stand er Morgens auf, mit ihnen legte er sich Abends zur Ruhe. Sein ganzes Leben hatte

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