Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1893)
- Date
- 1893-03-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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•■'■“Ti, 338 galt, während die friedliche Arbeit geringgeschätzt und verachtet war! Dasselbe war bet den Germanen, Galliern, Hunnen und den meisten Nationen des Alterthums der Fall. Ländereroberung, Völkerbezwingung, Herrschsucht und Unterjochungsgier waren die Triebräder, welche die Staatsmaschine in Bewegung hielten und das ganze öffentliche Leben beherrschten, auf die sittliche und moralische Entwickelung aber wurde wenig Werth gelegt. Wie grundfalsch diese Anschauung, diese Staatsweisheit war, beweist die Geschichte zur Genüge, welche nur allzudeutlich die Worte des Propheten bestätigt: Nicht durch Heere, nicht durch körperliche Gewalt, nicht durch die ungeheure Ausdehnung, nicht durch die Menge der Kriegsschaaren besteht das Reich, sondern durch den Gottcsgeist, der es beseelt und erfüllt. (Secharjah 9.) Die alten Weltreiche der Babylonier, Assyrer, Perser, Römer, sie sind wie Seifenblasen dahingeschwunden, während ein kleines Volk aus jener Zeit noch heute frisch und lebenskräftig besteht und an der friedlichen Entwickelung der Menschheit regsamen Antheil nimmt. Es ist das jüdische Volk. Es ist daher durchaus unrichtig anzunehmen, daß das Gedeihen und die Wohlfahrt eines Landes von seiner Größe, von seiner Stärke oder von seinen! ausgedehnten teritorialen Umfang bedingt ist. Daß dem so ist, behauptet auch einer unserer wackersten Deutschen der neueren Zeit, der edle Turnvater Jahn, dem gewiß sentimentale Gefühleduselei nicht vorzuwerfen ist. Jahn schreibt: „Nicht das äußere umgelegte Staatenband macht das Volk, die Menschen lassen sich nicht wie Häringe in Tonnen pöckeln, nicht im Völkerzwinger einheerden, wie des Xerxes Krieger in die Maßheerde der Zehntausende. Zusammenseinmüssen gibt keinen wahren Verein. Die Ungeheuern Weltreiche, die mit Freßgier einer Riesenschlange Länder und Völker heißhungrig hinunterwürgten, erlagen unter der Last ihrer ungleichartigen Bestandtheile, und wenn von Außen das gewaltige Schicksal sie heimsuchte, so verschwanden sie gleich Lufterscheinungen." Unsere vielgepriesene Zeit der Zivilisation, des Fortschrittes, des Dampfrosses und der Electricität, die sich hochmüthig auch das Zeitalter der Humanität nennt, steht noch tief im Alterthum unter dem Einfluß der heidnischen Anschauungen der alten Griechen und Römer. Wie deren Philosophie und Rechtspflege noch heute die Wissenschaft und die staatliche Gerichtsbarkeit zum größten Theil beherrschen, so ist es auch mit ihren übrigen Anschauungen der Fall und folglich auch mit ihren Ansichten über Krieg und Frieden. Der Kriegsstand ist noch immer der geachteste im Staate, und der geachteste Staat ist der, der am meisten gefürchtet ist. Die physische Gewalt gibt den Ausschlag unter den Völkern, nicht die Intelligenz, die Gerechtigkeit und die geistige Überlegenheit. Ein ganz anderer Geist durchweht das jüdische Schriftthum, da herrschen ganz andere Anschauungen über Humanität, Menschenliebe, Versöhnlichkeit, Krieg und Frieden, Recht und Gerechtigkeit. Das Christenthum hat die Morallehre des Judenthums adoptirt und damit auch seine Anschauungen über die sittlichen Güter der Menschheit acceptirt. Beide Religionen kämpfen und ringen durch eine lange Reihe von Jahrhunderten für ein und dasselbe ethische Prinzip, aber weder die jüdischen noch die christlichen Grundsätze der Moral fanden durch die lange Zeit Eingang in die Gemüthec der Völker, sie vermochten die heidnischen Anschauungen nicht zu verdrängen, sie wurzeln noch immer tief in den Herzen und unsere Zeit steht noch immer unter dem Einfluß des alten Hetdenthums. Wir wollen nun die biblischen und talmudischen Ansichten über Krieg und Weltfrieden einer nähern Betrachtung würdigen, um zu sehen, wie grundverschieden dieselben von den Anschauungen der heidnischen Völker und von denen der jetzigen human sich nennenden Welt sind. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudeuze«. Rumänien. Bukarest, 20- Febr. Die Deputirtenkammer hat heute beschlossen, auch den Fremden die Möglichkeit eines Eintritts in die staatlichen Gewerbeschulen (allerdings nur als zahlende Zöglinge und nur in beschränkter Anzahl) zu gewähren. Die unerschrockene, freimüthige Offenheit, mit welcher der Domänenminister Carp die Fremden und Juden Rumäniens dem nationalen Chauvinismus gegenüber in Schutz zu nehmen wagte, ist besonders hervorzuheben, schon deßhalb, weil in der Kammer schon seit Jahren keine solche Worte vernommen worden sind. In einer am 16. Februar gehaltenen großen Rede hob Herr Carp hervor, daß die beantragte Ausschließung der Fremden von den rumänischen Schulen im schroffsten Widerspruch zu der so oft betonten Mission Rumäniens, ein Ausgangspunkt der Kultur für den Orient zu sein, sowie auch mit der Thatsache stehe, daß Rumänien seinen heutigen Bildungsstand den Schulen des Auslandes verdanke, die in der Folge mit ganz demselben Rechte den Rumänen verschlossen werden könnten, mit dem man die Fremden von den hiesigen Schulen ausschlteßen zu können vermeine. Speziell zur Judenfrage übergehend, erklärte Carp, daß er über sie heute noch dieselben Anschauungen hege, wie damals (im Jahre 1867), als man ihm wegen seiner diesbezüglichen Aeußerungen das Haus über