Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1893)
- Date
- 1893-03-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448334--35865-2483869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage ju M 18 des „Israelis. Leitender Artikel. Wektfriede und Iudenlyum. von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborien (Böhmen). IX. Obwohl die die Gebote, die sich auf das Land und seine Eultur beziehen, nur Giltigkeit und Rechtskraft für das heilige Land allein hatten, während dieselben im Auslande ungestraft übertreten werden durften, nahm Korach keinen Anstand, solche Gebote auch in der Wüste, wo doch gewiß niemand Bodenbesitz hatte, als zu Recht bestehend auszugeben, um dann auf diesem Fundament der Lüge seine Hetzrede aufzubauen und die staatlichen Institutionen anzuklagen, ganz so wie es die heutigen Hetzer machen, welche zuerst Lügen ausstreuen, um dann aus Grundlage derselben ihre Anklagen begründen zu können. Hören wir nun was Korach sprach: In einer Volksversammlung schrie er mit dem vollen Brustton der Ueberzeugung: In meiner Nachbarschaft wohnt eine Wittwe mit ihren zwei Töchtern. Sie besaß ein Feld, von dem sie nur schwer ihren Beoarf decken konnte. Aber zur Ackerszeit erschien Moses und sprach: Die Thora verbietet Ochs und Esel zusammenzuspanuen vor dem Pflug. Dadurch konnte die Frau den Acker nicht bestellen. Zur Zeit der Saat kam Moses abermals und sprach im Namen Gottes, daß das Aussäen zweierlei Saatgattungen verboten sei. Die Saat wurde nun verhindert. Da kam die Erntezeit, wo die Frau den Bodenertrag einheimsen wollte. Allein, auch da wurden Hindernisse in den Weg gelegt. Der böse Moses kam abermals und sprach: Die Ecken des Feldes, die Aehren, die von der Sichel verschont geblieben, die vergessenen Feldfrüchte, das alles muß Zurückbleiben für die Armen. Als endlich die Frucht in die Scheune gebracht wurde, da warteten schon die Priester, der Levite und ein Armer, um die Hebe, den ersten und den zweiten Zehent in Empfang zu nehmen. Freilich, wer wird sich die ewigen Quälereien geduldig gefallen lassen? So wurde die arme Frau genöthigt ihr Feld zu verkaufen, und sich für den Erlös zwei Schafe zu kaufen, um sich damit kümmerlich zu ernähren. Die Schafe warfen Junge; wer war glücklicher nun als die arme Frau? Aber auch das gönnte man ihr nicht, denn Aron kam und verlangte das Erstgeborene für sich. Als die Schurzeit da war, stellte sich Aron wieder bei der Frau ein und fordert nn n'iwo die erste Wolle von ihr. Der Bedauernswerthen blieb nun nichts anderes übrig, als die Schäfletn zu schlachten. Sie glaubte nun, dieselben mit ihren zwei Töchtern ungestört genießen zu können, aber weit gefehlt! Der Priester Aron staud wieder vor ihr und sprach: Nach Vorschrift gehören mir Schulter und Kniestück und der Magen nn'p.-p d’t&t. ym von jedem geschlachteten Vieh. Der Frau ging endlich die Geduld aus und sie rief in höchster Entrüstung: Wenn ich nicht einmal ein Schäfchen ohne Abgaben schlachten darf, dann will ich überhaupt nichts mehr davon genießen und ich erkläre das Ganze als verbanntes Gut! Ruhig erwiedert Aron darauf: Alles verbannte Gut gehört ja dem Priester, daun gehört erst recht das Ganze mir. Darauf klagten und jammerten die Frau und ihre Töchter, weil man ihnen alles wegnahm, was sie besaßen. So machen es Moses und Aron, und das Schlimmste dabei ist, daß sie angeben, dies alles nur zur Ehre Gottes zu thun, in dessen Befehl sie handeln (Jalkut Psalm 614.) Mit solchen Agitationsreden hatte Korach die Menge haranguirt, aufgestachelt und zur Empörung gereizt und der Mob glaubte es und schimpfte mit bis es zum Verderben kam. Mit dieser Schilderuug über Korachs Hetzerkünste wollen uns unsere Weisen nur ihre starke Abneigung gegen die Friedensstörer beweisen und ihre Friedensliebe bekunden. Ueberhaupt hat sich Israel trotz allen Druckes nie zu einer Empörung Hinreißen lassen, da Gott sein Volk beschworen hatte, niemals gegen die Obrigkeit sich aufzulehnen oder seine Erlösung gewaltsam herbeizuführen. *) (Rabba Schir Haschirim.) 5. Kapitel. Krieg und Weltfriede. Den antiken Culturvölkern galt der Kriegsruhm als das wünschenswerthcfte Gut im Leben. Die Erziehung der Jugend hatte bei den Spartanern und Römern hauptsächlich tüchtige Krieger zum Ziele. Kein Verdienst, keine Errungenschaft wurde so belohnt und geehrt, als die Ruhmesthaten ans dem Schlachtfelds. Der Sieger wurde mit den überschwänglichsten Huldigungen überschüttet, verehrt und gefeiert, verhimmelt, vergöttert, besungen und verherrlicht und das ganze Land hallte von seinen Großthaten Wider. Was Wunder, wenn da das Waffenhandwerk als die ehrendste Beschäftigung rno* nte* ‘tntuJ”'? n''2p"n (t .(E’TEM TE* '0) pp.1 ipriT