Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1893)
- Date
- 1893-03-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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,.l!-i . - ."lUJ. ."U1 -w. -AI; ' -rvS* 336 reicher werden, als er sich's in dem kühnsten seiner Träume je gedacht hatte. Und wie leicht konnte sich nicht einer der beiden Bettler unter jenen Zahlreichen befunden haben, die in ihrem Hause reiche Gaben empfangen und sie kennen gelernt hatten! Diese Möglichkeit beängstigte Eva in hohem Maße; aber Lie prahlerische Lügenhaftigkeit des einen der Vagabunden, der sich nun auch in das Gespräch mischte, beruhigte sie wieder. „Ich bin einmal", begann der ältere der beiden Schnorrer, zuerst schüchtern, aber während des Sprechens an Sicherheit gewinnend, „bevor ich durch eine Szrefe*) veramte, alsSzocher^), in Fürth gewesen und da ich etwas verwandt von Rabbi Hirsch Fränkl bin, wurde mir der Kowed G) zu Theil, auf Schabbos zu ihm zu Tisch geladen zu werden", und nun schilderte er die Pracht und Herrlichkeit seiner Wohnung, seiner Tafel, seiner Dienerschaft in übertrtebendester und dadurch so anziehender Weise, daß aüe Tischgenossen dem Lügengewebe mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten. Dann überging er zur Schilderung des Rabbi und seiner Familie, die allerdings höchst schmeichelhaft war, aber glücklicherweise mit der Wahrheit nicht im Entferntesten übereinstimmte. Die Oberrabbinerin schilderte er als eine ehrwürdige Matrone mit silberweißem Haare, während Dtna Fränkl noch jetzt als eine Frau von großer Schönheit gelten konnte. Nach Art aller Gewohnheitslügner, welche, je weniger sie eine Person, mit deren Bekanntschaft sie sich rühmen, kennen, dieselbe desto ausführlicher bis in die nebensächlichsten Details schildern, hatte auch der Vagabund, — der eben so wenig jemals ein wohlhabender Kauf- 4) Feuersbrunst. 5) Kaufmann, Handelsmann. 6) Die Ehre. mann als ein Verwandter des Fürther Oberrabbi - ners gewesen, oder an dem Tische desselben gesessen, — dessen Tochter als goldblond, von mittlerer Größe geschildert und ihr glücklicherweise noch ein herzförmiges Muttermal unter dem Auge angedichtet, das, wie der Schnorrer behauptet, dem Mädchen so betamt,7) stand, daß sich jeder Mann, der sie sah und wenn er auch ein neunzigjähriger dem Grabe zuwankender Greis wäre, sich sofort wahnsinnig in sie verlieben müsse. Der zweite Orach,») welcher seinen Berufsgenossen die augenfälligen Erfolge, welche er durch seine erfundenen Schilderungen errang, beneidete; aber offenbar nicht dessen reiche Erfindungsgabe und Phantasie besaß, wollte ihm nicht nachstehen und versicherte, auch er wäre an des Rabbi Tisch gesessen, und daß sein Kollege die Frauen so treu geschildert, daß man sie nur vor sich zu sehen glaube und beschränkte sich daher nur darauf, deren Toiletten, aber in so lächerlich übertrtebender Art zu beschreiben, daß sich Eva, wie sie ihrem Bruder versicherte, trotz ihrer tiefen Traurigkeit eines Lächelns nicht erwehren konnte und auch Frau Krön dl ihre Zweifel an die Richtigkeit der Totlettenschilderungen durch ein nicht mißzuverstehendes Kopfschütteln ausdrückte. Der dumme Mensch erzählte, die Oberrabbinerin und deren Tochter hätten sich in rothsammtenen Kleidern zu Tisch gesetzt und diese hätten so lange Schleppen von Gold- und Silberbrokat gehabt, daß hinter dem Stuhle jeder der Frauen zwei Mädchen standen, welche die Schleppen hielten, damit die zahlreichen Diener beim Aufträgen der Speisen nicht auf dieselben träten. _ (Fortsetzung folgt.) 7) Anmuthig. 8) Gast, Wanderbettler. Der .Israelit"' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel beließen bet G. /. Sletnaärer, -ripstg, Uoßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut EourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redactiou eingefandteu Manuskripte« findet nicht fiatt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalteu. Inhalt sHauptblatt): Leitender Artikel: Aus dem Quellengebiete des Antisemitismus. Von Director Dr. M. Hirsch. (Schluß). — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Merzig. Düsseldorf. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Tabor. Sommorein. — Schweiz: Bern. — Türkei: Sophia. — Afrika: Kairwan. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunft". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt dev ersten Beilage: Leitender Artikel: Weltfriede und Judenthum. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rumänien: Bukarest. — Vermischtes. Inhalt der Belletrist. Beilage: Leben und Treiben der Preßburger Jeschibah. Von Hermann Löwinger. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen. f ( o 6 k r d <7 l d e a 8 u s. il si zi v d, n a A C ze A le T C fr A lo ui! a* w fa ih S er gl gö da w< fv!