Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1893)
- Date
- 1893-03-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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334 wenige Juden. Die ersten Juden, die sich in der neuesten Zeit dahier ansiedelten, kamen aus Tunis. Traurig und beschämend zugleich für unser Jahrhundert ist es dagegen zu sehen, wie nicht arabischmobamedanische, sondern französisch-christliche Blätter in Tunis sich darüber ereifern. Als ob nicht die Christen zugleich mit den Juden ans Kairwan verbannt worden wären, und als ob die Christen sich nicht zugleich mit den Juden gefreut hätten, als ihnen die Thore dieser Stadt wieder geöffnet wurden. Lacht nicht der fanatische Araber, wenn er diese Intoleranz sieht, und hat er nicht auch das Recht gleichfalls intolerant zu sein? > Vermischtes. < AuS dem Großherzogthum Hessen. Herr Lehrer Salornon in Sprendlingen (Rheinhessen) wurde von der Regierung als Lehrer an der dortigen Volksschule definitiv angestellt. Darmstadt. Betreffs eines Gesuchs von Israeliten aus Heppenheim und Umgegend um Gehaltsbewilligung an den israelitischen Religionslehrer für Religionsunterricht an der Großh. Realschule zu Heppenheim an der Bergstraße beantragt der I. Ausschuß: die Kammer wolle die Gr. Regierung ermächtigen, für den in der Finanzperiode 1891/94 ertheilten oder noch ertheilt werdenden Religionsunterricht eine nach dem Aufwand für den gleichen Religionsunterricht an den kleinen Realschulen bemessene Vergütung zu gewähren. Ohne Zweifel wird die II. Kammer dem Beschlüsse ihres I. Ausschusses beitreten. Karlsruhe. Der König von Württemberg hat dem Finanzminifter Dr. Ellstätter das Großkreuz des Ordens der württemb. Krone verliehen. Konstanz. Hier hat sich ein Antisemitenverein gebildet; um für denselben Propaganda zu machen, hat man eine Anzahl hiesiger hervorragender Personen genannt, welche Mitglieder des Vereins geworden seien. Nunmehr haben diese Persönlichkeiten sich öffenilich dagegen verwahrt und gerichtliche Klage wegen Mißbrauchs ihres Namens eingereicht. Eberbach (Baden), 19. Febr. Am 12. Februar wurde in dem großen Saale und dessen Nebenzimmer von Heinrich Holloch von der nationalliberalen Partei eine Versammlung abgehalten, welche so zahlreich besucht war, wie schon lange keine derartige Versammlung. In derselben sprach Herr Geheime Hofrath Dr. Meyer aus Heidelberg über die Militärvorlage und berührte zum Schluffe die Ägitation der Antisemiten. Er bat die Anwesenden mit aller Kraft den Antisemiten entgegen zu arbeiten. Die nationalliberale Partei sei bestrebt dem Wucher und der unreellen Geschäftsausbeutung durch strenge Gesetzgebung entgegen zu treten und damit ungesunde Zustände wegzuschaffen. Aber dem Racenhasse Vorschub zu leisten und einem Volke, welches Jahrhunderte hindurch sich nur dem Handel hat widmen können, da es kein Gewerbe und Landwirthschaft betreiben konnte, auf einmal alle Lebensfäden abzuschneiden, könnte sich die nationalliberale Partei nicht bereit erklären. Herr Lehmann Strauß von hier, sprach dem verehrlichen Redner im Namen seiner Glaubensgenoffen den tiefgefühlten Dank aus. Brody, 10. Februar. Mit dem am 8. Februar erfolgten Hinscheiden der Frau Betti (Breindel) Ritter von Kallir s. A. in Brody schied der letzte Sprosse einer altjüdischen rabbinischen Adelsfamilie aus dem Leben. Frau Betti von K. war die Tochter des hochbetagtkn R. Michael Krystyjampoller s. A., der den Sitz des Rabbinates in Brody einnahm. Im Hause ihres Gemahls fand sie Gelegenheit, ihre Wohlthätigkeitsbestrebungen zu verwirklichen. Bon aufrichtig frommem Gemüthe, befaßte sich die edle Heimgegangene (deren Ehe .kinderlos blieb) Zeit ihres Lebens mit der Ausübung ihrer religiösen Pflichten und der Armenpflege. Zu ihren täglichen Aufgaben gehörten u. A. die Kontrolle im israelitischen Hospitale, die Beschenkung armer Wöchnerinnen und das Hospital verlassende Rekonvaleszenten, die Versorgung verschämter Armen und Kranken mit Speise, Arznei und Trank. Die Verstorbene bildete die Seele im Leben aller in Brody bestehenden Wohlthätigkeitsanstalten. So verstand es die edle Frau, durch ihre religiöse Weise ihrer Umgebung Achtung abzugewinnen, so daß man aus Rücksicht gegen sie freiwillig Alles vermied, was ihr zartes religiöses Gefühl irgendwie hätte verletzen können Fünfkirchen. Auf Anregung unseres Oberrabbiners, Herrn M. S- Levy wird demnächst dahier eine min “nmn= Schule errichtet. Gegenwärtig ist man bemüht die nöthigen Mittel aufzubringen, die bei der Opferwilligkeit unserer Mitglieder gewiß bald und reichlich fließen werden. S. R. Laurabütte, 2. Febr. Die Chewra Kadischa beging am UHtiQ y"n die Feier ihres 25jährigen Bestehens. Mit dem Festgottesdienste in der Synagoge begann die Feier, nach dessen Schluß Rabb. Dr. Goldschmidt in erhebenden Worten der Bedeutung des doppelt feierlichen Tages Ausdruck verlieh. Abends versammelten sich die Mitglieder und Gäste zu einem Festessen, wobei verschiedene Toaste ausgebracht wurden. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (55. Fortsetzung.) Die beiden Frauen mußten alle ihre Kräfte aufbieten, es zu verbergen, wie lebhaft sie diese von der Wahrheit so abweichende Erzählung, die von keinem der Zuhörer angezweifelt wurde, interessire. — Eva hatte schon gefürchtet, ihre Mutter, die sich weniger als sie zu beherrschen vermochte, würde ihre Erschütterung durch einen Ausruf oder durch ihr Mienensviel verratheu, allein die Aufmerksamkeit der Tischgenoffen wurde durch einen Streit, der sich zwischen dem Hauslehrer und einem Commis des Hauses, der in seinen jüngeren Jahren die Jeschiwo zu Metz besucht hatte, entwickelte, gefesselt. Der Hausbachur behauptete Rabbi Hirsch Fürth sei nicht nur ans dem Gefängnisse, sondern auch aus dem Leben geschieden, während der Commis überzeugt war, der Prophet Eltas hätte den heiligen Rabbi nur in ein fernes Land, wo er vor den Verfolgungen des Markgrafen geschützt war, gebracht. Tina und Eva Fränkl besaßen so viel jüdisches Wissen und waren an jenem Abende in Berolzheim, dem Tischgespräche mit solcher Aufmerksamkeit gefolgt, daß