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Der Israelit · 1893-02-27 · Heft 17 (27.2.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 17 (27.2.1893)
Date
1893-02-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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318 Folge haben wird, die er doch ehrlicher Weise haben müßte. Wenn! — Auf diesem Wege der Rückkehr, zu den Quellen des Talmud begegnen dann unsere zeitgenössischen Weisen denen unserer Vergangenheit und lernen von ihnen vielleicht anders über die Ursprünge denken, aus welchen unsere ganze Misere fließt uud über die Mittel, mit welchen ihr entgegen zu treten wäre. Noch viele Jahrhunderte nach den Geschehnissen der Purimrolle, vertieften sich die Weisen des Talmuds in die Frage, was dem Judenhaß, dem damals fast die vollständige Vertilgung der Judenheit gelungen wäre, wohl zu Grunde lag. Doch nein! So fragten sie nicht. Sie unterschieden sich schon in der Fragestellung von ihren Epigonen, und in der Antwort gingen sie gar von diesen weit auseinander. nv ’JDD ’NITP P PVDff >31 HK VTD^n t>XW ,or6 ibx ,rrb nnn lnwa» bff pvw i3"nm .Bniffnx bv nnyDD urutr 'wv nox ,onx ntsx Es fragten die Schüler Rabbi Schimeon den Jochais ihren Meister: Wodurch hatte Israel in jener Zeit seine Vernichtung verschuldet? „Sagt ihr es selber", erwiederte er ihnen. „Weil sie", lautete die Antwort „von dem Gastmahl des Ahasveros genossen hatten (Talmud Megilla Fol. 12. a.) Frägt man wie wir, was wohl den Judenhaß und seine Erfolge veranlaßt hat, so liegt schon in der Form der Frage eine Antwort vorausgesetzt, welche die Veranlassung in Gebieten, Umständen und Verhältnissen sucht und findet, die außer uns liegen. Also in der allgemeinen Unzufriedenheit, in den geschäftlichen Kreisen, in der politischen Unsicherheit, in der Mißernte und ihren Folgen, vielleicht auch in dem jüdischen Protzenthum oder ähnlichen Auswüchsen. Fragt man aber: Womit hat diese Generation ihren Untergang verschuldet, so liegt die ganze Schuld in uns, so werden wir auf uns selber verwiesen, so setzt diese Frage ebenfalls bereits die Sphäre voraus, in welcher allein die Antwort zu suchen und zu finden ist. Wir würden in dieser Form der Fragestellung daher schon etwas verletzendes finden. Vielleicht war dies auch in jenen Zeiten der Fall, als die Katastrophe noch in den ersten Anfängen ihrer Entwickelung war. Achtundvierzig Propheten und sieben Prophetinnen haben nicht bewirkt, was die Uebergabe des königlichen Siegelringes an Haman zu Wege brachte. Möge uns Gottes Gnade vor Geschehnissen schützen, die solche Selbsterkenntntß in jeder Zeit zur sicheren Folge haben! Was hat nun die Vernichtung verschuldet? Das erste, was unseren Weisen so nahe liegt, daß es dafür nicht erst des Meisters bedarf, daß es die fragenden Schüler selber sagen können ist: Sie hatten die jüdischen Speisegesetze verletzt, sie hatten an der königlichen Tafel theilgenommen, sie hatten nfcaji nsnto gegessen!! Als König Ahasveros der ganzen Residenz Gastmähler herrichtete, und auch die Juden zur königlichen Tafel zog, da mögen die sogen. Gebildeten und Fortgeschrittenen, damals wie heute, sich in die Brust geworfen und ihren Abfall vom Judenthum als rettende That für die Judenheit ausposaunt haben. Für das biscken Hofgunst gaben sie die Gunst ihres Gottes und sein Gesetz preis und mochten nun jedem erklärt haben, daß diese Satzungen jetzt nicht mehr zeitgemäß seien, jetzt sei das royan definitiv für alle Zeiten begraben, jetzt handle man illoyal und königsfeindlich, wenn man sich in Speis' und Trank so ostentativ abschließe. Umsonst postirte sich Mordechai — nach der Ueberlieferung des Midrasch — an den Pforten des Palastes, mahnte und warnte jeden einzelnen vor dem verhängnißvollen Schritt, zählte jede einzelne Seele, welche dem Lockruf unterlagen, zählte 18,500 Juden, die öffentlich ns-iu aßen. Mordechai wußte, daß solche Verkennung und Verleugnung des jüdischen Lebensberufs nicht ungesühnt bleiben werde. Als daher mit der schweren Zeit der Prüfung auch die Selbsterkenntniß wieder eingekehrt war, als es sich darum handelte, für die Versündigung in Speise und Trank die Verzeihung Gottes zu erwirken, da ordnete Esther dreitägige Enthaltung von Speise und Trank für alle jüdischen Einwohner Schuschans an — und ihr Volk war gerettet! Und wir? Welche erschütternde Mahnung liegt doch für uns in diesen Anmerkungen, mit welchen die Weisen des Talmud unsere Geschichte begleiten. Was kann derjenige, der für den Talmud nicht bloß eine platonische Liebe zur Schau trägt, sondern von der Hochachtung und Verehrung unserer großen Weisen wirklich erfüllt ist, was kann ein solcher aus den goldenen Winken, die dort niedergelegt sind, für unsere Zeit nicht alles lernen. Getränkt und durchdrungen von ihrem Geiste, würden wir angesichts des Abfalls, der sich an dem alten überlieferten Judenthum vor unseren Augen in so weitschichtigen Dimensionen vollzieht, nicht mehr fragen, was den Judenhaß veranlaßt hat. Man kann heute weite Strecken durchreisen, ohne in der großen Zahl der jüdischen Geschäftsreisenden einen einzigen zu treffen, der auf der Reise noch "ibo lebt. Man kann ganze jüdische Gemeinden finden, in denen nur noch vereinzelte Familien existtren, die einen unseren Speisegesetzen entsprechenden Haushalt haben. Selbst da wo noch Schechita und Bedika existirt, liegt sie in Händen

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