Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 17 (27.2.1893)
- Date
- 1893-02-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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319 von Persönlichkeiten, denen jede religiöse Vertrauenswürdigkeit abgeht. Der Fleischverkauf entbehrt jeder Kontrolle, die Institutionen entsprechen alle nur dem Scheine nach ihrer Bestimmung. Wer in solchen Gemeinden selbst der Form nach noch “itto lebt, lebt eben nur der äußeren Form nach ivn. In Wirklichkeit muß sich jeder gewissenhafte Jehudt sagen, daß das Fleisch, welches in der großen Mehrzahl der jüdischen Gemeinden als -ibo erklärt wird, mindestens nD»iöi nku pvv ist, und daher biblisch — nicht erst durch den Talmud — zum Genüsse verboten ist. Wer angesichts solcher Zustände noch fragen kann, womit wir unsere Zurückweisung seitens der außerjüdischen Welt verschuldet haben, der lenkt mit dieser Frage die Aufmerksamkeit von der Wahrheit ab und schädigt uns, wie es kein außerhalb des Judenthums stehender Judenfeind vermag! Wer sich aus den buntscheckigen Ausgeburten des Judenhasses nur eine seiner wunderlichsten z. B. die Schächtkalamität vergegenwärtigt, muß die Wahrheit nrit Fingern greifen können, auch wenn er sonst ganz blind für die Wahrheit wäre!! Was könnten die Rabbiner Deutschlands eine rettende That vollziehen, durch eine öffentliche Erklärung, die sich nicht an unsere Feinde, sondern an die jüdischen Gemeinden richtete, und sie auf den Ernst der Zeit hinwiese, hinwiese auf die gebieterische Pflicht diesem Ernst, durch den Ernst der Gesinnung und den Ernst der That würdig zu begegnen. Sie brauchten noch nicht ein allgemeines Fasten anzuordnen, so sehr es vielleicht auch am Platze wäre, dem Essen und Trinken sollten sie das Wort reden und zwar dem Essen und Trinken nach den Vorschriften unseres Religionsgesetzes. Sie sollten vor ihre Gemeinden mit der Erklärung hintreten: In einer Zeit, in der man uns die ntrntp entziehen will, genügt cs nicht, gegen dieses Unterfangen einheitlich durch Worte zu protestiren. Durch die That müßten alle dagegen zusammentreten, durch den Entschluß nicht mehr nsno zu essen! Es könnte unseren Rabbinern nicht schwer fallen, ihren Gemeinden klarzulegen, daß jeder Jude, der angesichts einer solchen Calamität sich noch öffentlich über die ntsriff hinwegsetzt, zum Verräther an unserer heiligen Sache wird und sie so bitterbös schädigt, wie es unsere erklärtesten Gegner nicht vermögen, daß ->eo zu leben unter solchen Verhältnissen ein point d’honneur ist und noch viel mehr als das: der erste unerläßliche Schritt, die schwere Verschuldung zu sühnen, die auf der zeitgenössischen Judenheit lastet. — Einer solchen Erklärung würden sich auch gewiß diejenigen Rabbiner Deutschlands anschließen, die der bisherigen Erklärung noch nicht beigetreten sind. Ein solches Wort wäre eine That, eine rettende That. — Wie aber auch unsere zeitgenössischen Weisen darüber denken mögen, wie unsere alten Weisen darüber dachten, darüber kann kein Zweifel sein. — Wir brauchen uns nicht auf die Schüler des R. Schimeon ben Jochai zu beschränken, wo wir auch ihre Worte aufsuchen, überall begegnen wir in ihrem Munde derselben Wahrheit. — Aus der Fülle der hierher gehörigen Aussprüche greifen wir hier nur einen einzigen heraus, den Rabbi Schimeon ben Lakisch an die das Capitel über die Speisegesetze — IIIB. M. 16. XI — einleitenden Worte knüpfte. VN'21 dn w'pb am noN ,^oxn nrw rrnn rw „Das sind die Thiere, die ihr effen sollt." — Wenn ihr Euch eure Lauterkeit bewahrt, so werdet ihr sie genießen; wenn aber nicht, so werdet ihr von den anderen Mächten aufgerieben!" (Wajikra Rabba XIII.) Was unserer Zeit Roth thut, das ist das Bewußtsein von dem innigen Zusammenhänge, der zwischen unserer Treue und Untreue gegen unser Gottesgesetz einerseits und unserem socialen und politischem Geschick andererseits besteht. Auf diesen Zusammenhang fort und fort hinzuweisen wäre die Pflicht unserer geistlichen Führer. Nirgends tritt dieser innige Connex zwischen unserer Aufgabe und unserem Schicksal klarer zu Tage als in unserer Purimgeschichte. — Lesen wir sie mit dem treuen Vorsatz ihre tiefen Wahrheiten zu beherzigen und in Thaten für unser eignes Leben umzusetzen, so erblüht aus diesem Entschlüsse und seiner Verwirklichung auch für uns die heitere, felsenfeste Zuversicht auf Gott: unapj nn Dpum un m pm uan m mn "jvq unso jns:m uvbj »a'w bjb o^oni .jwiön ^>xn onns jnsEn 'n nrw ZeituugSuachrichte« ttttb Correfpouderrze«. Deutschland. T. Aus Süddeutschland, 28. Febr. (Antisemiten contra Conservative.) In neuerer Zeit greift die Erkenntniß in antisemitischen Kreisen immer mehr um sich, daß die leichtesten Gewinne für sie bei der Agitation in conservativen, antisemitisch gut vorbearbeiteten Kreisen zu machen sind. Um nur einige Beispiele anzuführen, geht jetzt in allen antisemitischen Organen, anläßlich der Beanstandung der Wahl des conservativen Abg. Schier-Hanau folgende Notiz um: „Wenn die Wahl für ungiltig erklärt werden sollte, wird Herrn Dr. Böckel Gelegenheit geboten werden, in der Stichwahl einen neuen Antisemiten