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Der Israelit · 1893-02-27 · Heft 17 (27.2.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 17 (27.2.1893)
Date
1893-02-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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313 Menschen, die heute zu dem Antisemitismus Hinneigen, würden sich von dieser Bewegung schaudernd lossagen, wenn sie erkannt hätten, daß ihr einziger Enderfolg weiter nichts ergeben könnte, als die Niederwerfung und Ausrottung — nicht von sozialen Schäden oder verpönten Doktrinen, denn diese wurzeln außerhalb — sondern von einer Gruppe unglücklicher Nebenmenschen. Unglücklich. Viele sind es in unseren Landen schon heute, obwohl ihre Rechtlosigkeit nicht schon — wie etwa in Rußland — erklärt worden ist. Und wenn sie dies auch in Stolz und Trotz verbergen, ihr Schmerz mag darum nicht minder zornig und bitter sein. Man soll an keiner Stelle, weder im öffentlichen noch im privaten Leben, irgend ein solches Unrecht dulden oder schweigend hinnehmen, denn darunter muß das Rechtsgefühl leiden. Leider ist dies Gefühl bei den Antisemiten gar nicht oder nur bei einigen sehr schwach vertreten. O e st e r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 7. Febr. Heute Mittags hat Se. Majestät Kaiser Franz Josef n"rv die neuerbaute Poliklinik hier mit feinem Besuche beehrt. Dieses humanitäre Gebäude wurde auf Anregung des Universitätsprofessors Dr. Schnitzler, derselbe ist Israelit, erbaut, und das Geld dazu kam zumeist aus den Taschen der verhaßten Semiten. So haben die beiden Brüder, David und Wilhelm Ritter v. Gutmann, allein 150,000 fl. zu dem Bau beigetragen. Als nun Se. Majestät die Krankensäle durchschritt, da erhob sich rasch ein polnischem Jude aus dem Bette, warf sich dem Herrscher zu Füßen und sprach den bei solchen Gelegenheiten üblichen Segensspruch in hebräischer Sprache. Se. Majestät befahl dem Juden, sich sogleich zu erheben, dankte ihm für seine Begrüßung und erkundigte sich dann nach seinen persönlichen Verhältnissen. „Hoffen Sie und vertrauen Sie," sagte der gütige Monarch, „und Sie werden bald wieder gesund dieses Haus verlassen können." Stampfen, 9. Febr. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Oberrabbiner Lazar Winter ist im Alter von 82 Jahren, von denen er 42 Jahre seines heiligen Berufes hier gewaltet, gestorben. Derselbe stammte aus Holicz, besuchte in seiner Jugend die Preßburger Jeschibah, an deren Spitze damals noch der b": ibid Drn stand, und erhielt das Rabbinat in Ragecz, von wo er dann hierher berufen wurde. Einst hatten große emo, wahre mm mey, den hiesigen Rabbinatssitz inne, so oer 'H rva, dann Rabbi Mordechai Benedict b"\, ein Neffe des gleichnamigen mährischen Oberrabbiners. Auf dem hiesigen jüd. Friedhofe befindet sich auch das Grab eines ehemaligen Rabbiners Rabbi Nathan, das ringsum von einem niederen Steinwalle umgeben ist. Der Sage nach soll der Rabbiner nach seinem Tode den Chewrah- Gabbaim im Traume erschienen sein und sich bei ihnen beschwert haben, daß man ihn an der Seite eines seiner früheren Gegner bestattet habe. Die Chewrah Kadischah ließ dann um das Grab herum eine rarno (Scheidungsmauer) aufführen. England. London, 13. Febr. Das letzte Amendement zur Adresse, der Antrag des Herrn Lowther, gesetzliche Maßregeln zur Beschränkung der Einwanderung mittelloser Ausländer zu treffen, wurde in einem gut gefüllten Hause mit einer Mehrheit von 115 Stimmen verworfen, allein der Antrag stand auch auf ziemlich schwachen Füßen. Daß in England eine gewisse feindliche Stimmung gegen den ausländischen Arbeiter vorhanden ist und in den letzten Jahren infolge der Landung so vieler Tausende aus Rußland vertriebener Juden an Stärke gewonnen hat, ist nicht zu leugnen. Aber diese Agitation gegen den Ausländer ist doch eigentlich nur ans einzelne Städte und Arbeiter kreise beschränkt, deren Unzufriedenheit nunmehr von einigen Politikern zur Förderung anderer Zwecke geschürt wird. Es ist jedenfalls besonders auffällig, daß die eifrigsten Befürworter derartiger Prohibitionsmaßregeln zumeist aus ländlichen Distrikten kommen, und wie der Antragsteller Lowther selbst mehr oder weniger offen erklärte Schutzzöllner sind, während die Abgeordneten gerade derjenigen Wahlkreise, wo die üblen Folgen der Einwanderung so vieler mittelloser Juden am klarsten zu Tage treten sollten, die Berechtigung dieser Anklagen aufs Entschiedenste zurückgewiesen haben. Die Behauptungen Lowthers sind in der That oft genug schon durch unparteiische Untersuchungen als unwahr widerlegt worden. Die Einwanderung mittelloser Ausländer nimmt nicht nur von Jahr zu Jahr keine größeren Dimensionen an, sondern die Zahl derjenigen, welche nicht auf der Durchreise nach Amerika begriffen sind, und sich dauernd in England niederlassen wollen, ist thatsächlich im Abnehmen. Daß der engliche Arbeiter durch die den Lohn herabdrückende Konkurrenz dieser „pauper aliens“ aus seiner Stellung verdrängt und schließlich ins Armenhaus getrieben wird, ist noch nirgends mit Bestimmtheit erwiesen worden, im Gegentheil, einzelne Gewerbe, wie das Anfertigen billiger Kleidungsstücke, wären ohne den Fleiß und die Genügsamkeit der jüdischen Arbeiter schon längst der ausländischen Konkurrenz unterlegen, und daß endlich diese jüdischen Paupers der Armenkasse zur Last fallen, ist Dank der Mtldthätigkeit und Fürsorge ihrer reicheren Glaubensgenossen bisher noch nicht

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