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Der Israelit · 1893-02-23 · Heft 16 (23.2.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 16 (23.2.1893)
Date
1893-02-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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302 dem Könige nicht nur gleichgestellt, sondern ihm noch vorangestellt. — Eher war der König ihr Gehorsam schuldig, als sie dem Könige. Dieses „Hamalkoh Wascht!" ist zu betonen. Daß die Bestimmung dem nomen proprium vorangeht, zeigt, daß Waschti nicht als „Frau", nicht als Gattin handeln wollte, sondern auf ihre Stellung als Königin, ohne Gattin eines Königs sein zu müssen, gepocht hat. Diese Satzordnung zeigt, daß — wie unsere Weisen tiefsinnig bemerken, Waschti dem Sinne nach sagen ließ dem Könige: 'o'mnx „Stallmeister meines Vater. . . ." Sie erinnerte an seine und ihre Abkunft, an seine und ihre gesetzliche Stellung. Der König fragte nun, wie nach der Verfassung mit der Königin Waschti zu verfahren sei. (I. 16.)* *) Er stellte sie als Empörerin dar, die dem „verfassungsmäßigen" König den Thron streitig machen will. Hierauf sprach Memuchan vor dem Könige und den Würdenträgern: Nicht gegen den König allein hat Waschti die Königin gefrevelt, vielmehr gegen alle Würdenträger und alle Völker, die in des Königs Achaschwerosch Provinzen wohnten." (1, 16). 8) Memuchan erklärte das doppelte Vergehen der Waschti gegen den Gatten und gegen den König. Er setzte die bösen Folgen auseinander, die das schlechte Benehmen der Königin zur Ursache haben werden. Die Königin hat dem Befehl ihres Mannes nicht gehorcht, sie hat dessen Aufforderung schnöde abgewiesen, — dies wird überall in allen Schichten der Bevölkerung große Verwirrung Hervorrufen, denn „die Geschichte der Königin wird alle Frauen dazu führen, daß ihre Ehemänner in ihren Augen herabgesetzt sein werden, sie werden verbreiten, der König Achaschwerosch hat befohlen, Waschti die Königin vor ihn zu führen und sie kam nicht."9) Die Würdenträger aber werden die Schmähung der Königin noch schmerzlicher empfinden. Diese haben doch ihre Würde sammt ihrer Macht nur vom König erhalten, alle ihre amtlichen Handlungen haben doch nur dann Kraft, wenn sie „im Namen des Königs" vollführt werden. Ist aber die Macht des Königs, ja die Würde des Königs nicht mehr, dann ist auch ihre Macht 60 ipso illusorisch, die sie nicht von der Hand des regierenden Königs erhielten. „Noch heute werden demgemäß sprechen die persisch-me- .’nttn na8ca nwyb hd ms (7 by nb cn^m “pon. ’jeP pioo “iön’i (8 ton -iwn D’oyn to tyi Dnt^n 8a by »a ,na8ian »nen nmy .Ems&TiN “pcn mjHö p*8jo nrarP ami _8a by naben ~oi ns» »a (9 naben wi rux wanb nex iben DneNape'jn «bl VJöb dischen Fürstinnen, wie sie es von der „König i n" gehört haben, gegen alle Würdenträger des „Königs. . . ."") Nach unserer Erklärung bleibt die Schwierigkeit nicht mehr auffallend, die auch Raschi gefühlt hat, daß nämlich nicht ausgedrückt ist, was die Fürstinnen sagen werden, denn das eine Wort „Königin" ohne vorherigem nomen propr. sagt genug. Dieses nachdrücklichst zu betonende Wort gibt uns Aufschluß über die Schmähungen und Aergerniffe, deren kein Ende sein wird." '*) Um dem Allen die Spitze zu nehmen, ist also nothwendig, von Waschti jede Würde zu nehmen und „der König" gebe sie daun Einer, die besser ist als sie.,3) Die Königin empfange die Krone von dem Könige!^) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Berlin, 16. Februar. Ueber die Aeußerung des Abg. Wackerbarth (k.) in den Landtagsverhandlungen des Abgeordnetenhauses vom 12. Februar 1893 wurde der „Vosstsche-Ztg." nachfolgende Entgegnung gesandt. Derselbe sagte: „Die Juden haben ihren Talmud lange geheim gehalten. Es wird ganz gut sein, wenn die Juden hierüber etwas mehr in die Oeffentlichkeit bringen." Eine solche Aeußerung zeugt von Unkenntniß der betreffenden talmudischen Literatur. Die Juden haben ihren Talmud nie geheim gehalten. Er wurde vielmehr von ihnen sehr früh in die Sprachen der Länder ihrer Wohnorte übersetzt. Im 10. Jahrhundert war es R. Joseph ben Isaak Stanos, der mehrere Traktate des Talmuds arabisch übersetzte. Im 12. Jahrhundert schrieb Moses Maimonides seinen Kommentar zur Mischna in arabischer Sprache. In lateinischer Sprache exiftiren Übersetzungen des Talmuds von Paul Riccius (1619); von Samuel Clarke (1667); Johann Ullmann (1693); Surenhusius (1698); Scheringham (1648); D. Lund (1694); Constantin l'Empereur (1637); H. S. Hirschfeld (1840) v. a. m. Ebenso giebt es Uedersetzungen einzelner Traktate des Talmuds in spanischer, englischer, französischer und deutscher Sprache. Es ist hier nicht der Ort, diese einzeln anzugeben, wir verweisen darüber auf die Arbeiten 10) Die bei dem Mahle der Königin anwesend waren. ijjcp -ii£^ ’nei d-|B nntp njnexn np carrn (ii .-]ben nw bab naben nan ns* .*ppi ]vd nai (12 njee naien nnijnb “iben p* nnoboi (13 14) Wie Kaiser Napoleon I. die Krone zuerst auf sein, dann auf der Kaiserin Haupt persönlich gesetzt hat. V:

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