Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1893)
- Date
- 1893-02-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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303 von Strack, Einleitung in den Talmud, und Hamburger, Real-Enchklopädie für Bibel und Talmud. Uns interessiren hier besonders die deutschen Uebersetzungen des Talmuds Mischna und Gemara. Wir besitzen davon die der Mischna von (Rabe (1760); I. Heinemann (1831); Jost (1832); Samter (1886); H. L. Strack (Pirke Aboth 1882). Uebersetzungen einzelner Traktate der Gemara haben geliefert: Pinner (1842); Samter (1876); Ravicz (1883); Ferdinand Christian Ewald (1856); Straschan (1883) u. a. m. Nächst diesen giebt es eine große Anzahl von Monographien über verschiedene Themen aus dem Talmud. Aber auch hier verdienen die Arbeiten von Professor H. L. Strack in Berlin und des Landrabbiners Dr. I. Hamburger in Strelitz gelesen zu werden. Der Abgeordnete Wackerbarth sagte ferner: „Daß der Talmud gelehrt wird, beweist die Bezeichnung der Schulen danach." Eine solche Bezeichnung existirt allerdings, sie lautet „Talmud Thora-Schulen", aber diese heißt zu deutsch: Unterricht in der Thora (Pentateuch), aber nicht „Talmud". Kyritz, 9. Febr. Hier spielte sich gestern ein nicht uninteressanter Vorgang ab. Herr Liebermann v. Sonnenberg hatte eine seiner bekannten Judenvernichtungsreden gehalten. In der sich daran anschließenden Diskussion ergriff ein Regierungsassessor, von Gerlach ist sein Name, das Wort. Er erklärte sich — wir folgen dem Bericht der „Kyritzer Zeitung" (Nr. 17 vom 8. d. M.) — mit den Ausführungen des Herrn Liebermann v. Sonnenberg einverstanden „und will nur ausdrücklich konstatiren, daß er als Regierungsbeamter sich zu denselben Anschauungen bekenne." Wer ist nun, so fragt die „Bolksztg.", ein in den „neuen Kurs" besser hineinpassender, ein „korrekterer" Staatsdiener: Der Regierungs-Präsident von Trepper-Laski, der ein Blatt strafverfolgen möchte, weil es einen ungenannten höheren Beamten einer besonders gesinnungstüchtigen antisemitischen That bezichtigt hatte, oder der Regierungs-Assessor v. Gerlach, der erklärt in seiner Eigenschaft als Beamter Antisemit Liebermannffcher Observanz zu sein? Neugierig sind wir übrigens, wie dieser interessante Assessor amtlich seinen Antisemitismus bekunden will, da er doch weiß, daß seinen jüdischen Mitbürgern verfassungsmäßig volle Gleichberechtigung mit ihm selbst zugesichert ist. und da er als Jurist wahrscheinlich auch gelernt hat, daß der Staat seinen Bürgern ohne Ansehen der Person Gerechtigkeit zu Theil werden lassen muß. Karlsruhe, 11. Febr. Eine seltene Feier in dem konstitutionellen Leben eines Staates begeht morgen unser Glaubensgenosse, Finanzminister Dr. Ellstätter, das Fest des 25jährigen Jubiläums als Leiter des Finanzministeriums. Moritz Ellstätter ist 1827 als Sohn des Möbelfabrikanten Ellstätter geboren und trat nach zurückgelegten Universitätsstudien in den Anwaltsstand, nachdem er vorher bei der Diskonto-Gesellschaft in Berlin thätig gewesen war. Im Jahre 1866 wurde er unter Mathy in das Finanzministerium berufen, dessen Leitung er am 12. Februar 1868 bei der schweren Erkrankung Mathy's übernahm. 1871 wurde er zum Bundesratybevollmächtigten ernannt, 1888 erhielt er den Titel eines Finanzministers und wurde von der Heidelberger Universität zum Doctor juris honoris causa ernannt. Man darf Ellstätter das Zeugniß ausstellen, daß er das Finanzministerium, das er unter den schwierigsten Verhältnissen unternahm, durch alle Klippen der politischen Bewegungen und volkswirthschaftlichen Strömungen geleitet hat. Dr. Ellstätter hat sich den Festesovationen durch eine Reise an die Riviöra entzogen. Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 16. Februar. Im niederösterreichischen Landtag brachten die Antisemiten heute den Antrag ein, das Schächten nach jüdischem Ritus und den Verkauf des Fleisches geschächteter Thiere in Niederösterreich zu verbieten. Trieft, 15. Febr. (Praktischer Antisemitismus.) Der jüdische Kaufmann Ballett in Korfu, der vor Jahren hier ansässig war, begegnete in Korfu auf der Straße zwei Griechen, von denen der eine mit einem Revolver, um Ballett zu erschrecken, in die Luft schoß. Sein Genosse ries ihm tndeß zu: „Wozu in die Luft schießen? Strecke doch den Juden nieder!" Der Erstere feuerte daraufhin nochmals, und Balleli sank ins Herz getroffen tobt nieder. Rumänien. Bukarest, 20. Febr. Die Debatte wegen der Zulassung fremder d. h. jüdischer Zöglinge zu den Gewerbeschulen, die heute in der Deputirtenkammer stattfand, endigte damit, daß den Fremden der Eintritt in die staatlichen Gewerbeschulen als zahlende Zöglinge bewilligt wurde. Die Krisengefahr ist beseitigt. Griechenland. Zante, 10. Febr. Ein Theil der Bevölkerung von Zante hatte vor einiger Zeit gegen die in der Stadt wohnhaft gewesenen Juden Ausschreitungen begangen. Die Angelegenheit hatte, wie man der „Voss. Ztg." aus Athen vom 10. Februar telegraphirt, vor dem dortigen Strafgericht ihr Nachspiel. Vier Angeklagte wurden zu je 40 Monaten Gefängniß, einer zu 6 Jahren Zuchthaus, mehrere andere zu Gefängnißstrafen zwischen drei und vier Jahren verurtheilt.