Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1893)
- Date
- 1893-02-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Beilage;u M 16 des „Israelit". Leiteuder Artikel. Dos Urtheil über die Hönigin MaW. Exegetisch beleuchtet von Jgu. Löwy, Oberrabbiner in Sarbogard (Ungarn.) Wir lesen in der Megillah: „Am siebenten Tage, als der König (Achaschwerosch) besonders heiter war durch den Wein, befahl er.die Königin Waschtt königlich geschmückt vor ihn zu führen. . . . Allein es weigerte sich die Königin Waschti auf das Wort des Königs zu erscheinen, darob ergrimmte der König sehr und sein Zorn entbrannte in ihm." (I, 10. II. 12.) i) Es liegt auf der Hand, daß diese Stelle eine eingehende Erläuterung erheischt und wir wollen nicht all die Fragen aufzählen, die sämmtlich in dem Punkte gipfeln: wie war die große Erregung des Königs motivirt, und was war eigentlich das — wie weiter in der Megillah erzählt wird — todeswürdige Vergehen der Waschti? Auch dem scharfen Blicke unserer Weisen ist diese Schwiergkeit nicht entgangen und so sagen sie, die Königin habe dem Könige, indem sie sein Verlangen abschlug, sagen lassen: „Stallmeister meines Vaters! Mein Vater konnte Wein um die Wette trinken, ohne angeheitert zu werden, und dieser wird sogleich berauscht! (Tr. Megillah 12 a, Midrasch z. St.) 2). Diese Erklärung unserer Weisen scheint im Texte nicht begründet zu sein; wir werden aber sehen, daß dem nur so scheint, nach reiflicher Ueberlegung aber, diese, — wie alle Commentirungen unserer Alten aus dem wohlverstandenen Texte folgen muß. Es ist eine Regel in der hebräischen Sprache, daß das Adverb, oder die adverbiale wie die adjectivische Bestimmung dem zu bestimmenden Worte nachfolgt, aber ausnahmslos vorhergeht, wenn auf die Bestimmung der Nachdruck gelegt werden soll. Wir finden darum gewöhnlich „t-, *^ön", „der König David", oder „der König Schlomoh", also das Epitheton König vor dem uoweu proprium, da sie hier in der Eigenschaft als König gehandelt haben, ist aber von ihnen in privatpersönlicher Eigenschaft die Rede, wo das Epitheton Kö- . . . mx ]”2;pon a1? aiöa ’jm&m cva (i roten ]NDm . . . nota mm ■pan nata td'i nx hnd pan ppLp'i D’DHcn Ta ■pan mm ’ntri .n mya inam m tip r^rian i^atn nomine (2 . nnana ’antw n-oj Ninm nig nebensächlich ist, dann steht nn". David der König, ,/pon „Schlomoh der König." Bei einer Königin finden wir jedoch entgegengesetzt die adjectivische Bestimmung in der Regel nach dem Nomen proprium, also »na^an mDN,, ".m^an ’nsn". „Esther die Königin", „Waschti die Königin," weil die „Königin" nur Frau des Königs ist und nur als Frau oder Gemahlin zu handeln hat, als „Königin" jedoch keine Stellung hat. Bei Waschti finden wir zweimal *nan n a b a n „die Köntgin Waschti. Ich erinnere an das Wort unserer Weisen: „Achaschwerosch machte sich selbst zum Könige." „Er war nicht von königlichem Geblüte."ft Seine Gemahlin Waschti jedoch war — wie bekannt — eine Tochter des babylonischen Königs Belschazar, und wollte Achaschwerosch seiner Usurpation einen Anstrich von Recht geben, wollte er sich als rechtmäßigen Besitzer des nunmehr vereinigten persisch-babylonischenThrons geriren, konnte er dies nur durch seine Ehe mit des letzten babylonischen Königs Tochter thun. Der Talmud kann dies auch mit Folgendem gemeint haben. „Ich errichte meinen Tyron in Elam und vertilge von dort König und Fürsten." (Jirmij. XLIX.,) „Unter „König" wäre Waschti gemeint." (Megillah 10b.3 * 5). Denn da rechtmäßig sie — wie erwähnt — die abgestammte Dynastie auf dem persisch-babylonischen Thron repräsentirle, so kann sie füglich als König -pa in dem genus masculinum, bezeichnet werden. So haben z. B. auch die ungarischen Landesstände, Maria Theresia als „König" begrüßt, indem sie riefen: vivat dominam et r e x (nicht regina) noster.6) Achaschwerosch verlangte nun als Gemahl und königlicher Gebieter von seiner Gattin Gehorsam und befahl: „Waschti die Königin vor ihn zu führen. »nan nab an (Nom. Allein die Königin Waschti weigerte sich. . . . Indem laut Recht die Regierung ihr gebührte, betrachtete sie Achaschwerosch nur als Vertreter ihrer Macht, oder im besten Falle als ihren Mitregenten, welche Stellung auch Franz von Lothringen bei der Kaiserin Maria Theresia hatte; allenfalls war sie nach ihrer Theorie 3) Sehr charakteristisch ist die Stelle in I. Samuel XVIII, 6; die Frauen hatten eben keinen Respect vor dem „Könige" u. stellten die Tapferkeit Tavid's höher als die seinige. .'"Lp .naPan yma m »Pi 122x2 p2L' (4 ■pa canan *pa etwa ’rnxm cS’j/a saa tcbc'i (5 .'Dl 'llL'1 1* 6) Geschichte d. Ungarn von Mich. Horwitz, e<l. Pest, II, B., 398 S.