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Der Israelit · 1893-02-23 · Heft 16 (23.2.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 16 (23.2.1893)
Date
1893-02-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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diese mittheilen würden, allein sie schrieben ihm, daß sie es vor Sehnsucht nicht erwarten könnten, ihn in ihre Arme zu schließen und hofften von ihm Günstiges über den Vater zu erfahren. Rafael, der den Moment des Wiedersehens nicht erwarten konnte, reiste ihnen entgegen und begegnete ihnen auf halbem Wege. „Ich habe Dich wieder", hatte Dina Fränkl gerufen, „Du hast nicht mehr um uns, wir nicht um Dich, die tödtliche Angst zu haben, ein Schandgeselle könne für elenden Blutlohn uns an den Markgrafen verrathen, er könnte uns als Hexen und Zauberer lebendig verbrennen lassen, aber Eines bedrückt mein Herz zum Brechen! Mein lieber Sohn, ich und unsere Eva haben schon so Entsetzliches erlebt, daß wir es auch ertragen würden, wenn wir mit Gewißheit erführen, was wir befürchten müssen: daß Dein Vater und unser treuer Josel Deidelsheimer den Tod in den Wellen gefunden! Verheimliche uns nichts, mein rheuerer Rafael, die traurigste Gewißheit ist leichter zu ertragen als peinlicher, die Seele aufreibender Zweifel! ... . Dein Vat.r fand in den Wellen der Schwabach sein Grab, — ist's nicht so. mein lieber Sohn?" „Ich weiß es nicht!" erwiederte dieser und nun erzählte er, in welcher Weise er in der Nacht des 20. November 1717. nachdem sein Vater glücklich seinen Kerker verlassen, von diesem getrennt wurde und bis jetzt nichts über sein Schicksal erfahren. „Dann hoffe ich", rief Eva, „daß auch der Vater lebt, daß Gott auch ihn gnadenreich in seinen Schutz genommen und wir ihn noch in diesem Leben wieder sehen werden." Nun forderte Rafael, Mutter und Schwester auf, ihm mitzutheilen, was sie in jener Schreckensnacht und dann weiter bis zu ihrem heutigen Wiedersehen erlebt und erfuhr von Mutter und Schwester, die abwechselnd erzählten, einander zuweilen berichtigten und ergänzten, Folgendes: Als er sie in jener, ihnen allen unvergeßlichen Nacht verlassen, um seinen Vater aus dem Mauerthurm zu entführen, waren sie in ziemlicher Entfernung von diesem auf der Eisfläche in der Mitte des Flusses an einer Krümmung desselben, von wo sie die Heerstraße übersehen konnten, gestanden, um, für den Fall als sich etwas Verdächtiges zeigen sollte, den Fliehenden entgegenzueilen, um es zu verhindern, daß sie etwa einer aus der Stadt kommenden Patrouille oder der Thurmwacheablösung in die Hände fielet!. Durch die tiefe Dunkelheit war es ihnen bei der großen Entfernung nicht möglich zu sehen, was an der Rückseite des Mauerthurms vorging und das Plätschern des Regens und das Sausen des Windes verhinderte es auch, daß irgend ein Ton von dem Schauplatze der Begebenheiten an ihr Ohr drang. Die beiden Frauen waren lange Zeit fröstelnd, ohne ein Wort zu sprechen, nebeneinander gestanden, ihre Herzen pochten, als wenn sie brechen sollten, jede Sekunde dehnte sich ihnen zur Ewigkeit aus. Dina starrte fassungslos, angstvoll in die dunkle Nacht hinaus; sie vermochte es nicht, sich auf ihren zitternden Füßen zu erhalten und mußte sich, um nicht umzustnken, auf Eva stützen. Diese hatte sich auch in diesem entscheidenden Momente ihre Geistesruhe bewahrt, sie legte ihre ganze Seele in Aug und Ohr und beobachtete mit unermüdlicher, gespannter Aufmerksamkeit, was rings um sie vorging. (Fortsetzung folgt.) Der »JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M bestehen bei G. F. S1 e t n a ck e r, Feipstg, Uoßptatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich U Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Gine Rücksendung von an die Redactiou eingesandten Manuskripte« findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie znrückznbehalte«. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Unsere Zeit und was sie fordert. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aus Süddeutschland. Berlin. Mergentheim. Leipzig. Aus Sachsen. Hamburg. — Schweiz: Baden. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rumänien: Bukarest. — Rußland: Warschau. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Streifzüge eines Germanen durch die jüdische Welt Berlins. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Liegnip. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Das Urtheil über die Königin Waschti. Exegetisch beleuchtet von Jgn. Löwy, Oberrabbiner in Sarbogard (llngarn). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Kyritz. Karlsruhe. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Triest. — Rumänien: Bukarest. — Griechenland: Zante. Inhalt der Extra-Beilage: Deutsch-Israelitisches Kinderheim (Purimspende). Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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