Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1893)
- Date
- 1893-02-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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mann und Genossen, betreffend die Einschleppung der Cholera durch die Aufnahme zugereister russischer Juden im sogenannten Rothschild-Spitale in Währing, beantwortet der Statthalter dahin, daß im abgelaufenen Jahre nur 29 aus Russisch-Polen und Rußland zugereiste Juden Aufnahme gefunden haben und daß keiner derselben mit einer zur Verschleppung geeigneten Krankheit behaftet war. Uebrigens sei das genannte Spital den modernsten hygienischen Anforderungen entsprechend eingerichtet und verfüge über ausreichende Jsoliranstalten. Rumänien. Bukarest, 16. Febr. Ein von den antisemitischen Deputaten unterstütztes Amendement zum Gewerbegesetz will die Fremden von den staatlichen Gewerbeschulen fernhalten. Rußland. Warschau, 20. Januar. Vor 14 Tagen ist bei uns die erste jüdische Volksküche eingerichtet worden und heute haben wir schon ihrer drei. Aber auch die vermehrte Zahl der Anstalten kann dem großen Andrang nicht vollständig genügen, so daß die Gemeinde es für nöthtg hielt, noch eine vierte Küche in der Panskistraße einzurichten. Solche Volksküchen werden jetzt, dem „Hameliz" zufolge, auch in Wilna eingerichtet. Die Vorsteher unserer Gemeinde gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Nach mehrmaligen Berathungen ist beschlossen worden, Volksbade-Anftalten in den verschiedenen Gegenden der Stadt anzulegen, welche Maßregel namentlich mit Rücksicht auf die Choleraepidemie von Wichtigkeit ist. — Die Zahl der Schüler in unserer jüdischen Handwerkerschule ist jetzt 200. Da aber der Raum für noch 300 Schüler reicht, so berieth das Kuratorium der Schule darüber, Mittel zu beschaffen, um die Zahl der Schüler vergrößern zu können. -£• Vermischtes, «ch- Berlin, im Februar. In der konstituirenden Sitzung der Reprasentantenversammlnng wurde an Stelle des Justizraths Makower, der sein Amt als Vorsteher des Repräsentanten-Kollegiums der jüdischen Gemeinde niedergelegt hat, Herr Hermann Landsberger gewählt. Zu Stellvertretern wurden die Herren Louis Liebermann und Rechtsanwalt Tiktin ernannt. Berlin, 18. Januar. Der kürzlich verstorbene Kaufmann Moritz Simon, der schon bei Lebzeiten durch sein gemeinnütziges Wirken sich ausgezeichnet, hat in seinem Testament 200,000 Mark zu wohlthätigen Zwecken vermacht, und zwar 100,000 Mark für das Krankenhaus und 100,000 Mark für die Alterversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde. Berlin, im Januar. Beim letzen Ordensfest erhielten Dekorationen Herr Professor L. Jacoby von der technischen Hochschule hier den Rothen Adler-Orden 4. Klaffe und Herr Stadtrath Kantorowicz in Posen den Kronen Orden 4. Klaffe. Ein hiesiges Blatt bemerkt zu der Ordensliste: Den Rothen Adler-Orden 2. Klasse mit Eichenlaub erhielt ein ReichSgerichtsrath mit dem Namen Schlesinger. Wenn der verdächtige Klang dieses Namens in antisemitischen Kreisen unangenehm berühren sollte, so wird doch das Unbehagen noch vergrößert werden, wenn man erfährt, daß der erste Staatsanwalt beim Landgericht I, Drescher, der öffentliche Ankläger im Ahlwardtprozeß, den Rothen Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife erhalten hat, und daß durch ein Spiel des Zufalls diesen selben Orden ein Mann erhielt, der den Antisemiten noch verhaßter ist, Professor Dr. Nöldecke in Straßburg, der Sachverstädige im Buschhoffprozeß, der die Fabel vom Ritualmord so kräftig widerlegte. Baris. Baron Alfons v. Rothschild hat eine Million Fr. für arme Wöchnerinnen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, zum Andenken an seine in Wien in der schönsten Blüthe ihres Lebens ihm durch den Tod entrissenen Tochter Betty gespendet. Feuilleton. „Fürstengunst/ Erzählung von S. Kohn, Verfasser von »Gabriel/ Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (53. Fortsetzung.) Rafael Fränkl athmete tief auf. „Der entsetzlichen Sorge bin ich, Gott sei Dank, ledig! Jetzt, unter so günstig veränderten Umständen wird es mir. mit Hilfe des allverehrten Herren Oberhoffaktors Wertheimer leicht werden, ihren Aufenthaltsort zu erfahren, dann reise ich sofort zu ihnen, setze sie von dem plötzlichen Umschwung in unseren Verhältnissen in Kenntniß und bringe sie hierher. Jetzt quält mich nur die Ungewißheit über das Schicksal meines Vaters." „Ich muß es offen aussprechen, Sie hatten schon, als ich Sie vor acht Jahren in Ansbach das erstemal sah, einen sehr günstigen Eindruck auf mich gemacht; daß sich dieser heute, als ich Sie als einen Mann kennen lernte, der mir einen hohen Dienst erwiesen, noch wesentlich verstärkte, werden Sie begreiflich finden; — aber je näher ich Sie kennen lerne, desto mehr lerne ick Sie achten.Sie sind, wie Sie sagten, fest entschlossen nicht nach Ansbach zurückzukehren, ich billige das; lassen Sie sich hier in Wien nieder. In der kaiserlichen Residenz wird Ihnen wohl Gelegenheit geboten werden, Ihre Fähigkeiten, Ihre Bildung, Ihren Charakter zur Geltung und Anerkennung zu bringen. Was ich hierzu beitragen kann, will ich gerne thun. Daß der Kaiser Ihre Niederlassung in Wien gestatten wird, verbürge ich mit meinem Fürstenworte." „Es ist mein innigster Wunsch mich hier in Wien niederzulaffen und ich bin höchst Ihnen für Ihre gnädige Zusage zu höchstem Danke verpflichtet." „Kommen Sie morgen um fünf Uhr ^wieder her. Ich werde mich schon in dem Besitze des Brouillons befinden, das mir der Markgraf zusen-