Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-02-23 · Heft 16 (23.2.1893) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 16 (23.2.1893)
Date
1893-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448332--35814-2483816
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

288 gelische, und um 370,7 weniger als katholische Christen. Die Legende von dem verbrecherischen Hang der Juden zerfällt damit, wie so manche andere, in Nichts. Bezüglich der örtlichen Vertheilung der Verbrechen wollen wir einen Berufsstand, den ärztlichen, auch nach den konfessionellen Gesichtspunkten, herausgreifen. — Die Kriminalstatistik für 1890 zählt der Religion bezw. Konfession nach: evangelisch.42, katholisch.30, jüdisch.9, ohne Angäbe der Religion und Konfession 2, Also auch hier bleiben die jüdischen Aerzte weit hinter ihren christlichen Kollegen zurück, obwohl man sonst so viel über die „Verjüdelung" des Aerztestandes schreit und allerdings das Zahlenverhältniß der jüdischen und christlichen Aerzte zu einander ein prozentual höheres ist, als nach den Strafziffern erwartet werden sollte. Berlin. 20. Febr. (Abgeordnetenhaus.) Zweite Berathung des Kultusetats. Es spielt sich dabei eine lebhafte Debatte ab, über den Kampf des evangelischen Bundes gegen die Katholiken. Rettenberg-Mehrum und Bachem erheben gegenseitig Beschuldigung über den Ursprung des Kampfes. Freiherr v. Heereman erklärt namens der Centrumspartei, daß sie auf Erörterungen über den Antisemitismus nicht eingehen wollte und daß daher die letzten Reden Dasbach's als seine persönliche Auffassung, nicht als solche des Centrums zu gelten hätten. Die Katholiken schlössen auf ihren Versammlungen grundsätzlich jede konfessionelle Polemik aus. Mergentheim, 13. Febr. Unser Herr Rabbiner Gunzenhauser, welcher einem christl. Leichenbegängnisse anwohnte, fiel während der Rede des Stadtpfarrers Stochdorph im Wartesaal vom Schlage gerührt nieder und war nach wenigen Minuten eine Leiche. Leipzig, 18. Februar. Dr. Tesdorpf, Redakteur der antisemitischen Korrespondenz, wurde wegen Beleidigung des Pfarrers Gräbner in Nr. 222, 223 , 224 des Jahres 1892 angeklagt; Verfasser des Artikels ist der bekannte Paulus Meyer. Tesdorpf wurde zu 2 Monaten 8 Tagen Gefängniß verurtheilt. In dem Uriheil, welches publiztrt werden darf, werden die Artikel als widerlich und gemein und als eine Schande bezeichnet. Aus Sachsen, 10. Febr. Antisemiten und Conservative entwerfen von ihrer zum Heile des Volkes im Parlament geübten Arbeit recht zutreffende Skizzen. Die Herren kennen sich eben ganz genau. Auf die naive Frage der von konservativen Blättchen aus der „Leipziger Ztg." übernommenen Notiz: „Wo blieben denn die Antisemiten im Reichstage bei Berathung der jetzigen Vorlagen über Abzahlungsgeschäfte, Wucher und Börsensteuer? — die Herren Antisemiten sind nämlich seltene Gäste in der Volksvertretung) — antwortet in ihrer letzten Nummer die „antisemitische Wacht" in Dresden mit einer 11/2 Spalten langen Liste von Sünden der Konservativen, die bet viel mehr Anläss.'n und selbst bet Berathung ihrer eigenen Anträge im Reichstag gefehlt hätten. Recht haben sie alle Beide, die Antisemiten und auch die Konservativen! Bei Beiden ist das Demagogenthum Hauptsache. Mandatsjägerei — Wortschwall und Volkbeglückungsvhantastereien; um, wenn es dazu kommt, das zu fördern, was sie dem „Bauern" als seine heiligste Pflicht vorgeredet haben und das Mandat gewissenhaft auszuüben — dann sind sie nicht zu haben. Wenn es aber gilt, für die großen Bauern, Brenner 2C. ein Profitchen einzuheimsen — oder ein neues Bauernvereinchen zu gründen, jedes Mitglied ä 1 Mark — dann fehlen die Herren nicht, dann sind sie alleweil auf dem Posten! Wann wird der Bauer endlich einsehen — wo man ä tout pris „Geschäfte" machen will. 0. Hamburg, 19. Februar. d,diö tim djdjipü nnoBO. Es hat nicht sollen sein. Die ganze Gemeinde ist in Trauer, der besten Einer ist nicht mehr; heut haben sie ihn zu Grab getragen, da blieb kein Auge tränenleer. Der edle Menschenfreund, der treue und wahrhaft fromme Hirsch Nathan ist gestern p'w im besten Mannesalter zu seinen Vätern versammelt worden. Diese Kunde ging im Laufe des Tages von Mund zu Mund und jeder war bestürzt über diesen schweren Verlust. Ja Hirsch Nathan war einer jener Männer, die nicht allein heute, sondern auch in den besten Epochen des Judenthums zu den Seltenheiten gehörten. Jedes gute und fromme Werk konnte ihn begeistern, mit Hand und Herz war er dann dabei im Schaffen und Erhalten. Er war der treue Helfer und Rathgeber für Alle, die Hilfe und Raths bedurften, und wie wacker er dem b"w m in Allem und zu jeder Zeit zur Seite gestanden hat, das ist oft genug von diesem selbst anerkannt worden. Er war ein tidk6 mma poiyi nraoa pnpno. Hirsch Nathan glich einem da er eigene Bedürfnisse kaum gekannt, er war nur immer der selbstlose Mann in Ausübung von llNOn n^öJi »miay, mm und dabei über die Maaßen bescheiden; jeder Anerkennung ging er aus dem Wege und für Huldigung war er nie zu haben. Wenn Hirsch Nathan in Erstrebung des Guten über Personen und Hindernisse unnachsichtlich hinwegging, so mußte doch jeder erkennen, daß er nur von einer Triebfeder geleitet, deren Namen „ow db6" war. Kein Wunder, daß ein solcher

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.