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Der Israelit · 1893-02-20 · Heft 15 (20.2.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 15 (20.2.1893)
Date
1893-02-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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274 weißt Du, warum Du in die Synagoge gehst, bedanke Dich bei uns, den Reformatoren des mosaischen Glaubens. Dein Vorfahr stand wohl des morgens auf und ging — am Werktag und Sabbat und Jomtof — in die Schul, um dort sein Gebet zu verrichten — laut und geräuschvoll zuweilen — immer aber voll Andacht und aus der Tiefe seiner Seele — ein jeder mit seinem eigenen Geist und Körper seinen Gottesdienst besorgend — es sei Deinen Vorfahren verziehen — die Welt, in und mit der er lebte, war so einfältig. Für Dich aber, Jude des t 9. Jahrhunderts, ist das alles pietätvoll gepflegte Erinnerung, überwundener Standpunkt. Du hast's nicht mehr nöthig, inbrünstig und laut zu Gott zu beten, nicht nöthig, im innigen, ernsten Gebete vor Gott Dich zu stärken und zu kräftigen, für's Leben in treuer Thoraerfüllung — das brauchst Du nicht, denn Du hast eine gute Vertretung vor Deinem Schöpfer, und das ist — bedanke Dich bei uns dafür, den Reformatoren mosaischen Glaubens — die Vertretung — der Orgelpfeifen und des Damenchors! Der Gottesdienst, lieber Jude, liegt Dir nicht mehr ob — den werden die Herren vom Vorstande gewiß zu Deiner Zufriedenheit arrangiren — mit Hilfe der Synagogenorduung und anderer heilsamer Mittelchen. Du hast nur zu kommen — zu beten so viel oder wenig Dir mit Deiner Aufklärung vereinbar erscheint — und — stille zu sein, um Gotteswillen mäuschenstille, damit man nur nicht sage — unsere Synagoge fei — eine echte Judenschule. — -Ich unterlasse es, das Bild weiter auszumalen, von dem ich gestehe, daß es allerdings zum Theil heute nicht nur auf die Züricher, sondern noch mehr für eine noch weiter fortgeschrittene Gemeinde zutrifft. Indessen — die Zukunft bringt Rosen und wir befinden uns auf dem besten Wege. Viel zu denken gibt die hiesige Gemeinde dem denkenden Juden. Wenn Sie wollen,*) werde ich noch manches davon Ihnen schreiben als Ihr ganz ergebener nos kw Aerrilletou. „Mrstengunst." Erzählung von S. Kohu, Verfasser von „Gabriel/ Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (53. Fortsetzung.) Der Markgraf hatte den Worten des Prinzen mit großer Spannung gelauscht; als dieser von seinen Verdiensten um Kaiser und Staat sprach, hatten seine Augen freudig aufgeleuchtet, aber bei den Schlußworten verfärbte er sich von Reu-m und biß sich heftig auf die Lippen; ober Eugen wollte dem Markgrafen, am Boden des bittern Kelches doch noch einen Tropfen Honig finden lassen und er fügte nach kurzer Pause hinzu: „Wie mir der Privatsekretär seiner Majestät des Kaisers, der die Eingabe der Stände gelesen, mitgethetlt, sollen diese an einigen Stellen in ihrer Ausdrucksweise, den ihrem Landesherrn, Ihnen Durchlaucht, schuldigen Respcct verletzt haben und da der Conferenzrath bet seiner Ennuciatton die Rechte jeder Partei schützt, wird er seinerseits dem Kaiser empfehlen, derselbe geruhe, den Herren Landständen von Ansbach seine allerhöchste Mißbilligung über einzelne, in dem allerhöchsten Erlasse genau anzuführenden Redewendungen, auszusprechcn und dieselben in allerhöchsten Ortes gerichteten Eingaben strengstens zu verbieten/" dien, man trös eirer prrnee!" kicherte der Markgraf im höchsten Discante, „wenn nur die Filous, die Stände nicht ganz leer ausgehen; wenn auch sie einen Klaps bekommen, dann ists gut!... Herr Gott! Sie haben mich in der That beruhigt, bester Prinz. Nach des Kaisers Empfang hatte ich schon das Aeußerste befürchtet. Ich danke Ihnen viel tausendmal! Ich werd's Ihnen nie vergessen!" Der Markgraf zog eine reich mit Brillanten besetzte goldene Uhr aus der Tasche und sah auf dieselbe. „Schon halb acht! wie angenehm mir die Stunden Ihrer liebenswürdigen Gesellschaft verflossen sind! — Nochmals besten Dank für alle Ihre Liebenswürdigkeiten und Güte.Ich bin für heute Abend zum Reichshosrathpräsidenten geladen, Sie werden wohl auch dort erscheinen?" „Allerdings." „Also au rovoir *) beim Grafen Windischgrätz!" Der Markgraf reichte dem Prinzen die Hand und wollte der Thüre, durch welche er eingetreten, wieder zuschreiten, aber der Prinz wollte es vermeiden, daß er mit Fränkl zusammenkäme und sprach auf eine gegenüberliegende Thüre deutend: „Durchlaucht! wenn See die Gnade haben durch dieses Zimmer zu gehen, gelangen Sie bequemer und rascher zur Treppe." Als der Markgraf das Gemach verlassen, sprach Eugen ärgerlich: „Diese kleinen Fürsten und große Tyrannen sind die schädlichsten und überflüssigsten Menschen in Deutschland. Sie bedrücken ihre Ländchen und zehren am Marke ihrer Unterthanen. Die vielen kleinen Fürsten, die es an Glanz und Luxus den h Wir bitten darum. Red. 1) Auf Wiedersehen.

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