Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 15 (20.2.1893)
- Date
- 1893-02-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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275 Monarchen großer Länder gleich thun wollen und ihre unzähligen Hofchargen, Günstlinge kann das deutsche Volk nicht erhalten. Diese kleinen Fürsten machen das Monarchenthum beim Volke verhaßt, sie sind nur ein Zerrbild eines echten, wahren Souverains von Gottes Gnaden! Sie zersplittern auch die Wehrkraft Deutschlands!" Dann berief der Prinz durch ein Glockenzeichen den Kammerdiener und befahl ihm. Frankl, der im Antichambre wartete, eintreten zu lassen. „Ich habe Sie warten lassen müssen", sprach Eugen. „Der Markgraf war zu Besuch bei mir und ich habe die Gelegenheit benützt mit Ihm über Sie und die Ihrigen zu sprechen. Ich fand ihn für Sie und Ihren Vater außerordentlich günstig gestimmt. Es hat sich in seinen Anschauungen ein völliger Umschwung vollzogen. Er hat die Ueberzeugung gewonnen, daß die Feinde Ihres Vaters seine eigenen Feinde sind und diesen in nichtswürdigster Weise verleumdet haben. Die beiden Geistlichen Haendl und Meelfuhrer, welche die Bücher die Ihr Vater besessen, geprüft und diesen und jene verdammt hatten, sind zu lebenslangem Kerker verurtheilt. Er sehnt sich darnach, Sie zu sprechen, allein ich glaube, daß eine Begegnung mit ihm. Ihnen peinlich werden müßte und ich habe es übernommen seine Entschuldigung bei Ihnen zu übermitteln." „Ich bin Ihnen auch hierfür, zu höchstem Danke verpflichtet", schaltete Fränkl mit einer tiefen Verbeugung ein. „Der Fürst versicherte, er wolle, was in seiner Macht steht, aufbieten, Alles wieder gut machen. Er wird in einem Dekrete, dem die größte Verbreitung und Publicität verliehen werden soll, die Schuldloserklärung Ihres Vaters aussprechen, das Edikt, mittelst welchem auf Ihrem und der Ihrigen Köpfe, ein Preis ausgeschrieben, für Null und nichtig erklären, Ihnen die Rückkehr nach Ansbach gestatten, Ihren Vater, wenn er noch am Leben ist und es wünscht, in sein voriges Amt wieder einsetzcn." „Ich habe meinen Vater, seitdem ich ihn zu retten versuchte — es sind dies jetzt über anderthalb Jahre — nicht gesehen, und habe seit dieser Stunde nichts über ihn gehört. Höchst wahrscheinlich ist es, daß mein Vater sich seiner wiedergewonnenen Freiheit nur wenige Minuten erfreuen konnte und mit seinem treuen Diener in den Fluthen der Schwabach sein Grab gefunden. Allein in keinem Falle werden wir von der Erlaubniß nach Ansbach zurückkehren, Gebrauch machen. Ich kann mich einer tiefen Abneigung gegen den Markgrafen Friedrich Wilhelm, nicht erwehren. Er ist einer wahrhaft edlen Regung nicht fähig. Wenn er auch das schwere Unrecht, das er an uns begangen, einsieht, kann er sich doch nicht so weit emporschwingen, dasselbe wieder gut zu machen. Der Markgraf hat unser Vermögen, das in Ansbach lag, das seine raubgierige Hand zu erreichen vermochte, confiscirt. Durchlaucht, Sie hatten die Gnade mir mitzutheilen, er hätte erklärt, alles wieder an uns gut zu machen; aber er sprach nur davon uns für unschuldig zu erklären und die Rückkehr in sein Ländchcn zu gestatten; aber der habsüchtige Markgraf, der das uns geraubte Vermögen in tollster Verschwendung, in sinnlosester, unwürdigster Weise vergeudet, hat gewiß nicht mit einem Worte erwähnt, daß er uns seinen Raub zurück erstatten wolle." „Das hat er allerdings nicht gethan", meinte Eugen. „Wenn Sie es wünschen, bin ich bereit Ihre gerechte Forderung mit aller Energie zu unterstützen. Ich bin sogar überzeugt, daß wenn ich dies thue, Sie gar nicht nöthtg haben werden, die Hilfe des Reichsgerichtes und des Kaisers gegen Ihren ehemaligen Landesherrn anzurufen." Fränkl verbeugte sich tief und sprach: „Euer Durchlaucht, ich danke für Ihre nimmer endende Gnade, aber ich erkläre, daß wir auf jeden Rückersatz verzichten. Markgraf Friedrich Wilhelm würde es unfern unschuldigen Glaubensgenossen in seinem Lande bitter entgelten lassen, wenn er gezwungen würde eine große Summe, die er schon lange Zeit als sein Etgenthum betrachtet und die er wahrscheinlich auch verausgabt hat, zurückzuzahlen." „Das ist sehr edel gedacht!" rief Eugen, „um so mehr als Sie sich, wie ich annehmen muß, in ungünstigen Verhältnissen befinden." „Gnädiger Prinz", erwiederte Fränkl, „es erschiene mir incorrect, wenn ich höchst Ihnen gegenüber, durch Verschweigen der Wahrheit unsere Handlungsweise in günstigere Beleuchtung erscheinen ließe. Wir sind. Gott sei Dank, auch wenn der Markgraf seinen Raub behält, im Besitze eines großen Vermögens, das allerdings, so lange wir als todeswürdige Verbrecher verfolgt wurden und uns zu verbergen gezwungen waren, unerreichbar war. Es ist mir gelungen die Vermögenstheile, die wir außerhalb des Fürstenthums Ansbach besaßen, zu retten. Unsere Schuldner waren ehrliche Leute und zahlten uns, was wir bei ihnen zu fordern hatten. Ich habe unser ziemlich großes Vermögen bei Jonas Meyer in Dresden deponirt." „Ich kenne ihn persönlich; er istZder Oberhoffaktor Königs August des Starken, der sich in meiner Gegenwart sehr lobend über ihn'ausgesprochen." „So lange ich und die Meinen kein Lebenszeichen von uns geben durften, war die Lage mei-