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Der Israelit · 1893-02-16 · Heft 14 (16.2.1893) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 14 (16.2.1893)
Date
1893-02-16
Page
– (sequence 26)
Language
German
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die Tischler, und beschäftigen auch ein viel bedeutenderes Personal als die Letzteren. Alle schienen mir mit ihrer Lage sehr zufrieden und leben in verhältnissmässiger Wohlhabenheit, was mich zu glauben veranlasst, dass sie mehr verdienen als die Tischler. Vor der Einrichtung dieses Lerhlingswerkes in B a g d a d, welches vom Jahre 1874 stammt, wurde das Schuster- und Tischlerhandwerk in Bagdad nicht von unseren Glaubensgenossen ausgeübt, sogar der Gebrauch europäischen Schuhwerks war ihnen unbekannt. Achtzehn Jahre sind kaum verflossen, seit sich eine tiefe Umwandlung in den Sitten vollzogen hat; die weibliche Arbeit, an welche man vorher nie gedacht hatte, ist plötzlich zu Ehren gebracht worden, und man ist glücklich, darin eine Quelle gegen das Elend entdeckt zu haben. Man sagt sich jetzt, dass in unserer Gegend jene erlauchten Lehrer des Talmud lebten und lehrten, welche die Arbeit der Hände an die erste Stelle setzten, und vielfach selbst ein hartes Handwerk neben dem Studium der Torah und der Wissenschaften ausübten. Heutzutage leben mehrere hundert Familien von den Erzeugnissen ihrer Hände, und ihre Zahl wächst täglich; der Geschmack am Handwerk hat entschieden bei den Israeliten hier Eingang gefunden. Dieses überraschende, unverhoffte Resultat ist unser Werk, wir haben das Recht, darauf stolz zu sein. Durch den grossen Einfluss unserer Bethätigung, durch die Ausdauer im Kampfe gegen das Elend und die Vorurtheile, haben wir jene Resultate erlangt, und für Denjenigen, welcher die israelitische Bevölkerung Bagdads, welche intelligent und geschickt ist, aber an alten Gewohnheiten und Satzungen hängt, kennt, ist dieser Erfolg sehr ermuthigend. Dardanellen. Herr Benchimol, der Director der Alliance-Schule in den Dardanellen, hat von der französischen Regierung die akademische Palme errungen. Das Central-Comite hat sich den Glückwünschen angeschlossen, welche Herr Cabanel, der Vice-Konsul Frankreichs und die israelitische Gemeinde Herrn Benchimol gelegentlich dieser ehrenvollen Auszeichnung übermittelten Jaffa. Die Alliance hat kürzlich eine Knabenschule in dieser Stadt eröffnet, deren Leitung Herrn Angel, dem ehemaligen Director in Ca'ifa, anvertraut worden ist. Die israelitische Bevölkerung ’Jaffas, welche vor fünfzehn Jahren kaum einige. Familien zählte, ist heute durch die fortdauernde Einwanderung russischer Israeliten eine beträchtliche geworden. Die Schülerzahl hat gleich von Anfang an hundert betragen. Magnesia. Zu Anfang des Schuljahres 1892—93 hat das Central-Comite auch in Magnesia eine neue Schule eröffnet. Der Director, Herr Mitrani, hat dem Comite [interessante Mittheilungen über diese Gemeinde zukommen lassen. Anbei einige Auszüge daraus: Die israelitische Gemeinde zählt ungefähr 350 Familien. Wie fast allenthalben in der Türkei sind es die Israeliten, die die ärmere Bevölkerung der Stadt bilden. Sie sind auf den äusseren Theil der Stadt, die Anhöhe, beschränkt. Die meisten ihrer Häuser sind alte Bauten, die aneinander gelehnt, sowohl der Sonne wie allem Unwetter Einlass gewähren. Fast alle wohlhabenden Israeliten sind die Besitzer der von ihnen bewohnten Häuser; sie haben sie den Christen abgekauft, die sich in den neueren Stadttheilen niedergelassen haben. Man findet daher in diesem Stadttheil alle Juden von Magnesia. Sie haben da, in der Mitte, ihre vier Synagogen, und ganz in der Nähe erhebt sich unsere Schule. Die meisten Israeliten ernähren sich nothdürftig von der Hand in den Mund, sei es durch Hausiren, oder durch die lokale Industrie. Es giebt auch einige kleine Händler, die ihre Waaren aus Smyrna beziehen und in einem gewissen Wohlstände leben, aber nicht einen Juden giebt es, der ein kleines Vermögen besässe, wie dies anderwärts der Fall ist. Mit einem Worte, die Juden sind hier im Allgemeinen arm. Dennoch sieht man in den Strassen kaum einen einzigen jüdischen Bettler. Es giebt hier vielleicht mehr Elend wie anderswo, doch würde der Arme hier lieber Hungers sterben, als dass er die Hand ausstrecken möchte. Er will sein Brod durch eigene Arbeit erwerben, und wenn ihm aus irgend einem Grunde die Kräfte versagen und er das Nöthige nicht auf bringt, wendet er sich wohl an die Mildthätigkeit, aber nicht an die öffentliche, sondern an irgend eine edle Seele, die für ihn — ohne ihn zu nennen — etwas zusammenbringt. Diese Würde, dieser Stolz im Elend haben mich tief gerührt, und es wird das Central-Comite interessiren, diesen Charakterzug zu kennen. Salonichi. Herr Salomon Allatini, gestorben zu Paris am 18. August 1892, hat den Wohlthätigkeits- und Unterrichtsanstalten Salonichis namhafte Summen vermacht. Im Einklänge mit den grossmüthigen Traditionen der Familie Allatini hat der Verstorbene seine Grossmuth nicht nur auf die Schulen der Alliance und die israelitischen Anstalten zu Salonichi beschränkt, sondern auch die türkischen, griechischen, katholischen, bulgarischen und protestantischen Schulen bedacht. Die Gesammtsumme dieses Vermächtnisses beträgt 20,000 Frs. Eine gleiche Summe ist von Herrn Allatini an verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten von Marseille vermacht worden.

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