Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1893)
- Date
- 1893-02-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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255 was er auch von mir verlangt! Durchlaucht könnten Sie mir nicht eine Zusammenkunft mit ihm verschaffen?" Der Prinz wußte, daß Rafael Frankl draußen in seiner Anticamera warte, er konnte des Markgrafen Wunsch leicht erfüllen, jenen Hereinrufen lassen, aber nach kurzem Bedenken sprach er: „Es freut mich herzlich, daß Sie erkennen, an Ihren Lebensretter und an den Seinen unrecht gehandelt zu haben, daß Sie es lebhaft bedauern und es gut zu machen bestrebt sind; — allein eine Zusammenkunft mit ihm, kann weder Ihnen noch dem jungen Manne erwünscht sein. Sie haben diesem unverdient. Entsetzliches zugefügt, so Entsetzliches, daß man dies kaum vergeben, ganz gewiß aber nie vergessen kann. Je inniger und aufrichtiger Ihr Bedauern über Ihre folgenschwere Uebereilung ist, desto bedrückter müßten Sie sich in Rafael Frankls Gegenwart fühlen, je mehr Sie ihm zur Dankbarkeit verpflichtet sind, desto unangenehmer müßte es Ihnen werden, ihm gegenüber zustehen und die Peinlichkeit Ihrer Situation könnte sich noch dadurch verschärfen, daß sich Rafael Frankl in überquellender Bitterkeit zu Vorwürfen gegen Sie Hinreißen lassen könnte! . . . . Gestatten Sie mir Ihnen einen Vorschlag zu machen! Wenn Sie es wünschen, Durchlaucht, will ich es übernehmen, ihm Ihr aufrichtiges Bedauern über das Geschehene auszusprechen." „Tr&s bien, mon prince!“2) rief der Markgraf. „Ich bin Ihnen für diese gütige Vermittlung sehr dankbar!" „Aber Durchlaucht!" fuhr der Prinz fort. „Es genügt nicht, Rafael Frankl mit leeren Worten abzuspeisen, Sie müssen auch die Gnade haben durch eine Enunciation, welche allüberall publicirt werden muß, seine und der Seinigen Ehre wiederherzustellen." Der Markgraf fühlte sich glücklich, sich dem Prinzen, dessen Protection ihm in dem Momente unentbehrlich schien, gefällig erweisen zu können und er entschloß sich um so mehr zu der höchsten Satisfaktion für die Familie Hirsch Fränkl, als deren Gegner und Verleumder sich später als seine — — des Markgrafen — erbittertesten Feinde herausgestellt hatten; möglicherweise mochte auch die Erinnerung an den großen Dienst, den ihm Rafael Fränkl erwiesen, in ihm aufgetaucht sein, und er rief: „Ich will Hirsch Fränkl und den Seinen eine vollständige Ehrenrettung bereiten. Ich will die Kundmachung, mittelst welcher ein Preis auf die Köpfe der Fränkels gesetzt wurde, feierlichst wider- 2) Sehr gut, mein Prinz. rufen und soll diese Revocation von den Kanzeln aller Kirchen nicht nur meines Fürstenthums, sondern ganz Deutschlands verkündet und auch überall bekannt gegeben werden, daß Oberrabbiner Hirsch Fränkl, in Folge verleumderischer, falscher Denunciationen unschuldig verurtheilt worden und demgemäß das Urthetl null und nichtig erklärt wird und es auch Hirsch Fränkl und dessen Angehörige unbenommen bleibt in mein Fürstenthum zurückzukehren, wo sie mit allen Ehren ausgenommen und gehalten werden sollen." „Ich nehme Ihr Versprechen für meinen Schützling Rafael Fränkl und die Seinen an, Herr Markgraf", erwiederte Eugen, „vielleicht haben Sie die Gnade mir den Entwurf dieser Enunciation, welche Ihr Sekretär abfassen mag, vor der Unterfertigung zu senden. Sie beabsichtigen ja gewiß Ihren Lebensretter vollkommen zufrieden zu stellen und ich will ihm daher den Entwurf vorlegen, ob ihm nicht irgend eine Aenderung wünschenswerth erscheine." „Noch im Lause des morgigen Tages soll sich das Brouillon in Ihren Händen befinden. und ich erkläre im vorhinein alle von Ihnen, mein Prinz, geforderten Aenderuugcn zu acceptiren.Sie sehen, Herr Gcnerallissimus", fuhr der Markgraf nach einer längereu Pause verlegen fort, „daß ich mit dem größten Eifer bereit bin Ihre Wünsche zu erfüllen.Die Lateiner sagen: manus lavat manum!3) und ich hoffe, daß Sie, Herr Generallissimus, im Couferenzrathe und bei seiner Majestät dem Kaiser meine Partei ergreifen und mir die unerträgliche Beschämung, meinen Ständen zu unterliegen, ersparen werden. Wenn das, was der Kaiser in seinem ersten Zorn andeutete, zur Wahrheit würde, wenn der Kaiser mir in der That die Schmach anthäte, mich zu depossediren, zur Regierung des Landes bis zur Großjährigkeit meines Sohnes einen Agnaten zu berufen, ich könnt's nicht überleben!" Der Markgraf wandte sich ab, um die Zornesthränen, die in seine Augen traten, zu verbergen. Prinz Eugen bewies in jedem Momente seines ruhmreichen Lebens, daß er, der feinste Diplomat, der redlichste, der klügste Mann sei. Er kannte die Absicht des Kaisers eben so genau als die Stimmung im Couferenzrathe. Er wußte, daß es nicht im Plane des Kaisers lag, den Markgrafen so tief zu demüthigen als dieser befürchtete, schon aus dem Grunde, weil das auch die andern Reichsfürsten verletzen würde, und er wußte auch, daß der Conferenzrath nicht auf eine Maßregel rathen würde, welche unter Umständen dem kaiserlichen 3) Eine Hand wäscht die andere.