Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1893)
- Date
- 1893-02-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448330--35770-2483770- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
254 Fällen dürfen die Gouverneure diesen Zeitraum verlängern, jedoch unter keinen Umständen über den 1. November dieses Jahres hinaus. -£• Vermischtes. Dem Oberlehrer der israelitischen Realschule (Philanthropin) Herrn I. Blum in Frankfurt a. M wurde gelegentlich seiner Versetzung in den Ruhestand der Kronenorden 4. Klasse verliehen, welcher ihm durch eine Deputation des Schulrathes überreicht wurde. Berlin, 4. December. Der verstorbene Rentier Wilhelm Lewin hat dem Magistrat von Berlin sein bedeutendes Vermögen von 750,000 Mark für Zwecke der Wohlthätigkeit vermacht. Vorweg geht allerdings eine Reihe von Legaten mit ca. 118,000 Mark an Verwandte rc ab. Trotzdem kann mit dem Zinsenertrage der verbleibenden 632,000 Mark manche Thräne getrocknet werden. Der Verstorbene hat keine große Stiftung mit prunkendem Kuratorium errichtet, sondern das Geld dem Magistrat mit der einfachen Bestimmung zur Verfügung gestellt, daß die Revenüen in Raten von 50 Mark an Bedürftige ohne Unterschied der Konfession ausgezahlt werden sollen. Der ohne Verschulden unglücklichsten Klasse von bedürftigen, der außerehelich geborenen Kinder, hat er besonderes gedacht. Ein Drittel der Zinsen soll vorzugsweise für diese Personen Verwendung finden. Die vom Frankfurter Verein für Rekonvaleszenten-Anstalten in Falkenstei« begründete Volksheilstätte für Lungenkranke hat sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens bereits in zahlreichen Fallen vorzüglich bewährt, erwies sich jedoch, mit 26 Betten belegt, räumlich als völlig unzulänglich. Durch den Beistand der Freifrau Wilhelm v. Rothschild ist jetzt die Möglichkeit zur Neugründung einer wesentlich erweiterten Anstalt gegeben; Freifrau v. Rothschild hat sich erboten, die dem Verein an der seitherigen Anstalt zustehenden Rechte gegen Zahlung von Mark 200,000 zu übernehmen, unter unentgeldlicher Ueberlassung des Besitzes bis zur Eröffnung der neuen erweiterten Volks-Heilstätte. Dem Vereine erwachsen aber trotz dieser großmüthigen Zuwendung neue und schwere Verpflichtungen; er ist daher mehr als je auf die thatkräftigste Unterstützung angewiesen- Obergloga«, 5. Febr. Hier starb der langjährige erste Gemeindevorsteher Moses Broschwitz im Alter von 80 Jahren. Der Verstorbene gehörte auch seit 40 Jahren dem Stadtverordnetenkollegium an. Mit ihm ging ein strengfrommer Jehudi und ein Ehrenmann dahin. Am Mittwoch fand unter großer Theilnahme die Beerdigung statt. Die Trauerrede des Herrn Rabbiner Dr- Blumenthal aus Ratibor knüpfte an das Wort an: „Und die Hände des Moses waren treu bis die Sonne unterging." Ratibor, 6. Febr. Der Vorstand und das Repräsentantenkollegium der jüd. Gemeinde beschlossen auf Antrag des Rabbinats, ein neues komfortables rituelles Tauchbad zu errichten. Der Bau hat unter Leitung des Baumeisters Lüthge bereits begonnen. Am 28. Januar starb der älteste Mann Fünfkircheus, Salomon Sachs im 104. Lebensjahre. Der Verblichene gehörte früher zu den wohlhabensten und wohlthätigsten Bürgern dieser Stadt. Vom 1. Januar 1893 ab erschien in Paris unter der Leitung des bekannten Publizisten Singer ein gegen Drumont gerichtetes Blatt „La vraie Parole“ zweimal wöchentlich. Die Ncwyorker Staatszeitung vom 28. December schreibt: Im statistischen Bureau des Gesundheitsamtes traf gestern Nachmittag ein Todtenschein ein, auf welchem das Alter der in demselben verzeichneten Todten auf 124 Jahre und 6 Monate angegeben war. Die Verstobene war, wie der Berichterstatter d. Bl. ermittelte, eine russische Israelitin Namens Lirl Leszynski. Sie starb, umgeben von ihrer 73 Jahre alten Tochter, 4 Enkelkindern und 7 Urenkeln, Montag Morgen um 6 Uhr, nachdem sie noch bis vor 5 Wochen ganz munter im Haufe und auf der Straße herumgelaufen war. Jüngst verstarb in Kaukehnelleu bei Kaukehmen der Handelsmann Schmeer Kohn in dem Alter von 110 Jahren. Seine Ehefrau, mit der er 80 Jahre zusammen gelebt hat, ist noch ziemlich rüstig. Wollstein, im Februar. Die goldene Hochzeit feierten die W. G raetz'schen Eheleute, aus welchem Anlaß dieselben ein Legat von 3000 Mark stifteten, von dem die Zinsen alljährlich unter die Armen hiesiger Stadt ohne Unterschied der Konfession vertheilt werden sollen. Von dem Kaiser erhielten die Jubilare die goldene Ehejubiläumsmedaille. Auch der Korporalionsvorstand, die Repräsentanten, Bürgermeister und Stadtverordnete sowie viele Bürger der Stadt brachten ihre Glückwünsche dar. Feuilleton. „Fiirstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. UebersetzungSrechte Vorbehalten. (52. Fortsetzung.) „Durchlaucht!" rief Eugen entrüstet, „Sie wissen es schon längere Zeit, daß Hirsch Fränkl unschuldig war, daß Sie seiner Familie, die ihn von unverdienter Qual erlöste, zu Danke verpflichtet sind?" „Allerdings, mon prince!" erwiederte der Markgraf verlegen, den Blick zu Boden senkend. „Und doch thaten Sie gar nichts, Hirsch Fränkl zu rehabilitiren? Siedachten nicht daran, daß Sie auf den Kopf Ihres Lebensretters und der Seinen einen hohen Preis ausgesetzt? .... Hätten Sie nicht Ihre Geschäfte nach Wien geführt, hätten Sie auch gar nichts gethan Ihr schweres Unrecht gut zu machen , die Verfolgung der armen Unglücklichen zu widerrufen?" „Ich bin zu entschuldigen", erwiederte der Markgraf verwirrt, „ich war immer von andern wichtigen Angelegenheiten in Anspruch genommen." „Es gab für Sie keine wichtigere! . . . ." „Ihre Vorwürfe sind gerecht, Durchlaucht", entgegnete der Markgraf, „ii kaut I'avvuer i), es war undankbar und leichtsinnig von mir — aber ich will Alles gut machen! Sie sagten, Durchlaucht, Rafael Fränkl befinde sich in Wien, ich will ihn um Verzeihung bitten und will für ihn Alles thun, 1) Man muß es gestehen.