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Der Israelit · 1893-02-16 · Heft 14 (16.2.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 14 (16.2.1893)
Date
1893-02-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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253 ,u l,.1 '.i■ UOIJJIMsjp. suchungsausschuß habe nur gesagt, es dürfte die Zeit eintreten, wo eine Beschränkung der Einwanderung erforderlich sein könne; er bestreite, daß die Einwanderung viele englische Arbeiter der Armenpflege zutreibe. Was die jüdischen Einwanderer betreffe, so sollte man der israelitischen Nation die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß es im Allgemeinen notorische Thatsache sei, daß der Gesundheitszustand der israelitischen Raffe im Großen und Ganzen ein sehr guter sei. (Beifall.) In diesem Punkte und vielleicht in einigen anderen dürfte für die Juden ein Vergleich mit den Christen sehr günstig ansfallen. Was übrigens die Gesundheitsfrage betreffe, so habe der Präsident der Lokalverwaltung, Fowler, bereits prompt alle für den Fall des Auftretens einer Epidemie nöthigen Maßregeln getroffen. In Bezug auf die Anklage, daß jüdische Einwanderer in großem Maßstabe ein gewisses Schneidergewerbe kreirt haben, welches ohne ihre Einwanderung nicht erstanden wäre, könne man nicht sagen, daß der Mann mittellos ist, der durch Lohnarbeit sich ernährt und mit seinem Lohn zufrieden ist. Wenn Lowther als mittellose Person den bezeichnet, der ohne einen Arbeitskontrakt oder ohne Kapital in England lande, so würde solche Doctrin eine Masse von Arbeitern treffen, die England jährlich nach anderen Ländern exportire. (Beifall.) Er sei gesonnen, im Geiste der bestehenden, internationalen Abmachungen eine gleiche Behandlung allen Einwanderern angedeihen zu lassen. (Beifall.) Das neue Arbeitsdepartement sei mit der Untersuchung der Einwanderungsfrage betraut und werde auch eine Commission nach Amerika zur Untersuchung des dortigen Systems entsenden, um zu sehen, in wie weit es für ein Land unklug sei, den Import eines Artikels zu beschränken, den es selbst exportire; ^denn ein solches Vorgehen würde dem Auslande die Berechtigung zu einer ähnlichen Beschränkung gewähren. Die Verträge Großbritanniens mit dem Auslande bezögen sich nicht nur aus Maaren, sondern seien auch aus die Einwanderung wirklich Mittelloser nach England anwendbar. Bevor die Regierung Gesetze Vorschlägen könne, müsse sie die Thatsachen genau kennen. Das Amendement Lowther wurde hierauf mit 234 gegen 119 Stimmen abgelehnt und die Adresse sodann angenommen. Spanien. Ueber die jüdische Bevölkerung in Spanien berichtet Dr. M. Kayserling in d. A. Z. d. I. Die Zahl der Juden, welche gegenwärtig in Spanien wohnen, wird meistens falsch angegeben; in dem jüngst erschienenen „Antisemiten-Spiegel" (Danzig 1892) figurirt Seite 11 Spanien gar mit 4300 Juden! In ganz Spanien wohnen nur sehrwenige Juden. In Madrid befinden sich kaum mehr als ein Dutzend jüdische Familien, welche jeder religiösen Vereinigung entbehren. Der Jom Kippur ist der einzige Tag im ganzen Jahre, an dem sich die meisten von ihnen als Juden bekennen und sich bei einem Geldwechsler aus Bayonne, Namens Salzedo, auf einige Stunden versammeln, um Gottesdienst abzuhalten; wie mir Herr Simon Mayer, ein seit dreißig Jahren in Madrid wohnender Glaubensgenosse aus Toulouse, mittheilte, haben sie den ganzen Tag ihre Geschäfte geschlossen. In Genua sagte man mir, daß in Madrid ein jüdischer Schächter, Namens Vidal, wohne; es wohnt dort kein Schochet und hat seit vierhundert Jahren auch keiner gewohnt. Außer in Madrid finden sich noch einige Juden in Barcelona, in Cadix und in St. Sebastian. In Sevilla, Cordova, Burgos, in Toledo, Zaragoza, Gerone und in allen übrigen Städten Spaniens, in welchen große jüdische Gemeinden bestanden, hat sich seit der Vertreibung nie ein Jude niedergelassen. Der Spanier kennt die Juden nicht mehr. Zwei Glaubensgenossen aus Konstantinopel, welche neben der großen Exposition Historica-Europea in Madrid in ihrem Bazar türkische Maaren, Waffen, Stickereien rc. feil haben, versicherten mich, daß, wenn man erführe, daß sie Juden seien, keine Spanierin den Bazar betreten würde. Und doch würde man, wie ich von maßgebenden Periönlichkeiten in Madrid hörte, reiche, oder wenigstens wohlhabende gebildete Juden recht gern aufnehmen. Die übertriebene Anzahl der jüdischen Bevölkerung in Spanien in dem oben erwähnten „Antisemiten-Spiegel" beruht übrigens auf einer — Verschiebung der Zahlen: Die 4300, welche für Spanien angegeben sind, gehören für Portugal, das einige Zeilen früher angeführt ist mit der Bemerkung: „einige Hundert" (?). In Portugal wohnen wieder Juden seit nahezu hundert Jahren. Lissabon hat eine große jüdische Gemeinde mit mehreren Synagogen und Wohlthätigkeits-Veretnen; außerdem befinden sich Juden in Porto, Coimbre, Evora u. a. O. Rußland. Nach einer Meldung des Bureau^Reuter hat der Minister des Innern allen Gouverneuren der Provinzen Rußlands einen Erlaß zugesandt, in welchem die Gouverneure angewiesen werden, sofort alle Juden auszuweisen, welche noch nicht den für den Aufenthalt der Juden in den inneren Gouvernements maßgebenden Bestimmungen nachgekommen sind. Allen den hierdurch betroffenen Personen^soll ein Zeitraum von 4 Monaten zur Vorbereitung ihrer Abreise gewährt werden, und in einzelnen

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