Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1893)
- Date
- 1893-02-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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240 dings außergewöhnlichen, blumenreichen, schwer verständlichen Sprache. In dieser Gebetsammlung befindet sich auch eines, von dem Haendl und Meelführer behauptet hatten, es enthielte die größten Schmähungen gegen mich; aber auch dies war eine schändliche Verleumdung. Hirsch Fränkl flehte in diesem den rührendesten Ausdrücken zu Gott, er möge mich erleuchten, daß ich zu meiner Ehre und meiner Unterthanen Wohle mein Land regieren möge. Dieser Meelführer ist überdies auch ein elender Apostat, er wechselt seinen Glauben, wie ein Gewand nach Temperatur und Mode. Er ist, weil er hierbei seinen Vortheil zu erlangen hoffte, zum Katholicismus übergegangen und als er sich in seinen Hoffnungen getäuscht sah, wieder zum Protestantismus zurückgetreten.») . . . Auch die Befreiung Hirsch Fränkls aus seinem Gefängnisse hat sich auf natürliche Weise erklärt. Der Kerkermeister und seine Gehilfen waren von Rafael Fränkl gewonnen worden, dieser hatte seinen Vater mit Lebensgefahr aus dem Thurme entführt." „In welcher Weise wurde Ihnen nachträglich diese Aufklärung?" „Durch einen Gefangenen, welcher gleichzeitig mit Hirsch Fränkl im Mauerthurme und zwar in einer Zelle der vierten Etage gefangen saß. Er hatte schon längere Zeit ein verdächtiges Rumoren gehört und war in jener Nacht durch ein ungewöhnliches Geräusch und vielfaches Hin- und Herlaufen des Kerkermeisters und seiner Gehilfen darauf aufmerksam geworden, daß sich im Thurme etwas Außergewöhnliches zu trage. Er hatte gehofft dies unter günstigen Umständen für sich benützen zu können. Er war auf Lebenslang verurtheilt, saß schon mehrere Jahre in dieser Zelle und es war ihm nach außerordentlicher Mühe und Arbeit gelungen eine Oeffnung in die Mauer zu bohren, die er nach und nach so zu vergrößern hoffte , daß er durch dieselbe entfliehen würde können. Er hatte des Tages über die Oeffnung, um sie den Blicken der Gefängnißwärter zu verbergen, sorgfältig verstopft, aber diese Nacht hatte er sie, um beobachten zu können, offen gelassen. Er sah, daß ein Mann den Rabbi auf einer Leiter vom Thurmdache auf die Eisfläche des Stromes hinabtrug und konnte auch aus den halblauten Worten, die an sein Ohr schlugen, erkennen, daß dies im Einverständnisse mit dem Kerkermeister geschehe. So lange dieser und dessen Gehilfen noch im Mauerthurm den Dienst versahen, wagte er es nicht, das was er gesehen, zu verrathen. Aber als die drei Männer — um es nicht anffallend zu machen, — einige Zeit später und nicht gleichzeitig den Dienst verließen und der Gefangene von ihnen nichts mehr zu befürchten hatte, meldete er sich bei der Commission, welche alle Monate die Kerkerzellen des Mauerthurms inspicirte, zum Rapporte, und gab in der Hoffnung, hierdurch eine Verbesserung seiner Lage zu erlangen, an, in welcher Weise Hirsch Fränkl entfliehen konnre. Der pflichtvergessene Kerkermeister und seine Gehilfen befanden sich damals schon unbekannt wo? außer Landes, und es war mir dies recht lieb, ich hätte sie gar nicht strafen mögen, sie hatten ja nur einen Unschuldigen zur Freiheit verholfen, deren er, am allerwenigsten in so grausamer Weise, hätte beraubt werden sollen, denn damals war ich schon durch das Ueberprüfen der Hirsch Fränkischen saisirten Schriften von deren Unverfänglichkett und von seiner Unschuld überzeugt." (Fortsetzung folgt.) 3) Historisch. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Hreir der Jahrgang» für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel j* besiegen bei €. $. 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