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Der Israelit · 1893-02-13 · Heft 13 (13.2.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 13 (13.2.1893)
Date
1893-02-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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239 und Richter des Städtchens, welche das Kind einer armen Wittwe durch Zauberei in einen großen Wolfshund verwandelt hatte! Früh als die Wittwe vom Hause wegging, war ihr Knabe noch an der Thürschwelle ihres Häuschen gesessen und als sie heimkehrte, lag an dessen Stelle ein großer Hund. Da viele Zeugen gesehen hatten, daß sich die fremde Frau mit dem Kinde beschäftigt hatte, war alle Welt in dem Städtchen überzeugt, daß der Hund ursprünglich das unglückliche Kind gewesen .... wo wäre sonst das Kind hin und der Hund hergekommen?!" „Ich hätte dasselbe geglaubt", gestand der Markgraf aufrichtig. „Da hätten Sie eben etwas höchst Unrichtiges geglaubt, Durchlaucht, denn plötzlich kam der Hund, dem jeder als vermeintlich verwunschenes Kind mit dem höchsten Respekte und der größten Furcht Matz machte, über den Marktplatz gerannt und sprang voll Freude an unfern Tambour-Major empor, der ihn sofort als setn-m Mustapha erkannte, der ihm seit einigen Tagen abhanden gekommen und jetzt ganz glücklich war seinen Herren wieder gefunden zu haben; — das angeblich verwandelte Kind kam aber des andern Morgens zurück. Der Großvater desselben, der vorbeifuhr, hatte dasselbe mit sich nach Hause, einem zwei Stunden weit entfernten Dorfe genommen und am andern Morgen mit seinem Knechte zurückgeschickr. Sie sehen es, Durchlaucht, das arme Weib war so wenig eine Hexe als Sie und ich Zauberer sind." „Es wäre schlimm, wenn alle Menschen Zauberer wären", meinte der Markgraf, „aber daß es viele solche gibt, das wird wohl kein gläubiger Christ bezweifeln und ich hielt den braven Rabbiner Hirsch Fränkl für einen Zauberer und ließ ihn in den Mauerthurm setzen. Eines Tages gaben der Kerkermeister und seine Gehilfen unter Eid an: sie hätten in der letzten Nacht in der Zelle des Rabbi furchtbar rumoren hören und bevor sie noch in diese eilen konnten, um zu sehen, was sich dort zutrage, hätten sie gesehen, wie der Gefangene durch das Dach, das er mit dem Kopfe durchstoßen, in die Luft gefahren, sich auf die Eisfläche des Stromes niedergelassen und plötzlich spurlos verschwunden sei. — Eine aus geistlichen und weltlichen Richtern zusammengesetzte Commission, welche den Lokalbesund ausnahm und die Angelegenheit untersuchte, gab ihre Meinung dahin ab: die Gefangenwärter und die Wache könnten für die Flucht des Verbrechers nicht verantwortlich gemacht werden, da diese nur durch übernatürliche Mittel, durch Zauberei zu bewerkstelligen war. Die geistlichen Mitglieder der Commission erklärten auch, daß der Eingekerkerte so lange er einen eisernen Ring um den Leib geschmiedet trug, nicht die Macht über die Geister hätte erlangen können, wenn nicht seine Angehörigen, die sich, wie sich dies aus nachträglichen Recherchen ergab, zur Zeit der Flucht in der Nähe befunden hätten, durch Zauberkunst und Beschwörung, den Ring um seinen Körper gesprengt hätten. Ich mußte daher die ganze Familie für eine Bande Zauberer und Hexenmeister, die meiner Macht spotteten und mich verlachten, halten und wollte sie um jeden Preis vernichten!" „Durchlaucht, Sie nennen den Oberrabbiner Fränkl, den Sie jahrelang an die Kerkerwand angeschmiedet hielten, einen braven Mann? Da scheinen sich doch Ihre Ansichten über ihn gründlich geändert zu haben!" „Wie sollten sich meine Ansichten nicht ändern, wenn ich plötzlich erfuhr, daß ich von einem Heere nichtswürdiger Hallunken umgeben war, welche mir die niederträchtigsten Verleumdungen, die abscheulichsten, infamsten Lügen über die Fränkl zuirugen und sie als meine erbittertesten Feinde schilderten, während sie — die Verleumder selbst. — im Dunkeln gegen mich wühlten und später offen gegen mich auftraten. Der Kammerjunker von Wackerbart, dem ich unbedingtes Vertrauen geschenkt hatte und welcher zuerst gegen Elkan Fränkl auftrat, ist jetzt ein Stimmführer der ständischen Opposition, hat die Klageschrift an den Kaiser verfaßt und sie als Chef der Deputation demselben überreicht. Den Generalsuperintendenten Haendl und den Licentiaten Meelführer, habe ich in den Kerker werfen lassen." „Was haben denn die beiden Männer begangen , daß sie plötzlich in Ungnade bet Ihnen fielen?" „Schurken sind sie, gewissenlose Lügner! Nachdem mein Verdacht gegen jüdische Gebete rege geworden, hatte ich eine Commission eingesetzt, um die Gebetbücher der Juden auf deren Inhalt zu prüfen und hatte hiezu die bedeutendsten Gelehrten aus ganz Deutschland berufen. Um hierbei mit aller Gründlichkeit vorzugehen, erbaten sie sich die Vorlage der dem Rabbiner Hirsch Fränkl confiscirten Bücher und Schriften und fanden sie unter diesen, Briefe des ele den Meelführer an Fränkl, in welchen er diesem größten Elogen macht, die größten Flatterten sagt, ihn als den größten Gelehrten, den besten Kenner der hebräischen Sprache bezeichnet und erklärt, daß er stolz darauf wäre, als Schüler zu seinen Füßen zu sitzen und ihn zu einem Engel vergleicht2) — und diesen Mann, dem er so schrieb, sollte ich einige Monate später über seinen Antrag zu xerxotum earaeram verurtheilen! Das Buch, das Haendl und Meelführer als ein lasterhaftes bezeichneten, enthält eine Sammlung von Gebeten in einer — wie die gelehrten Untersucher behaupten — aller- 2) Historisch.

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