Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 13 (13.2.1893)
- Date
- 1893-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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die größte, und zwar eine beinahe gleich große Fruchtbarkeit, nämlich die Katholiken 541 und die Israeliten 557 Kinder in hundert Ehen, während im Kreise hundert evangelischer Familien nur 479 Kinder zur Welt kommen. Die These von der übergroßen Fruchtbarkeit des jüdischen Stammes findet solcherart in den statistischen Angaben keine Bekräftigung. Wohl aber beweisen die Juden eine höhere Kraft der Kinder-Erhaltung, indem hier bei Ehen von mehr als dreißigjähriger Dauer noch Procent der Kinder am Leben sind, während bei den Evangelischen blos 573/4 Prozent, ja bei den Katholiken nur 523/4 Prozent- Infolge dieser Umstände stellen sich die Verhältnisse solchermaßen, daß unter je hundert mehr als dreißigjährigen Ehen sich bei den Katholiken noch 278 Kinder am Leben befinden, bei den Evangelischen 252, hingegen bei den Juden 349! Bei Aufarbeitung der ungarischen Volkszählung wurden die auf die gesummte Bevölkerung bezughabenden Durchschnittswerthe der Mortalitäts-Beobachtung in confefsionelle Gruppen aufgetheilt, und ergab sich hiebei der interessante Moment, daß es speciell die katholische Bevölkerung sei, wo junge Mütter häufiger schwachen Kindern das Leben geben, während die evangelische und noch mehr die jüdische Bevölkerung in dieser Beziehung viel günstiger gestellt sind. Wie aber auch hier die Zahl der sterbenden Kinder mit jeder Altersstufe unter zwanzig Jahren zunimmt, wolle man aus der nachfolgenden sehr instructiven Zusammenstellung ersehen. Anzahl der verstorbenen Kinder bei Müttern, die geheirathet hatten im Alter von 16 Jahren bei Katholiken 43 Prozent, bei Israeliten 33 Procent; im Alter von 17 Jahren bei Katholiken 44 Prozent, bei Israeliten 33 Prozent; im Alter von 18 Jahren bei Katholiken 42 Prozent, bei Israeliten 32 Prozent; im Alter von 19 Jahren bei Katholiken 41 Prozent, bei Israeliten 29 Prozent; im Alter von 20 Jahren bei Katholiken 40 Prozent, bei Israeliten 26 Procent. Wien. Unter den vom Verordnungsblatt für das k. k. Heer veröffentlichten Ernennungen von Reserve-Officieren für das k. u. k. Heer befindet sich eine große Zahl jüdischer Einjährig-Freiwilliger. Dies darf freilich nicht befremden, denn die Juden widmen sich mit Vorliebe dem Einjährig- Freiwilligendienste und wo sie die Qualification hiezu nicht schon durch ein Abiturienten-Examen besitzen, erweben sich dieselben die erforderlichen Kenntnisse durch Vorstudien. Die Juden bestehen aber auch die derzeit sehr strengen Officiersprüfungen nahezu ausnahmlos. Während der Durchschnitt der befriedigend erfolgreichen Examina im Allgemeinen circa 80 Procent beträgt, so ergibt sich bei jüdischen Freiwilligen bei Procentsatz von circa 97, was aus deren Intelligenz, Fleiß, Ausdauer und zufriedenstellendes Verhalten ein schönes Licht wirft. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohtt, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (51. Fortsetzung.) „Durchlaucht, auf mein Fürstenwort, es liegt mir nichts ferner als ihm etwas Uebles zuzufügen, im Gegentheil, ich will ihn herzlichst für das ihm und den Seinen zugefügte Nebel um Entschuldigung bitten. Seines Vaters, des Oberrabbiners Hirsch Fränkls, Feinde hatten diesen in niederträchtigster Weise bei mir verleumdet, hatten ihn angeklagt, lasterhafte Bücher über Zauberei zu besitzen, ich ließ dieselben von zwei Männern, welche mein unbeschränktes Vertrauen und den Ruf großer Gelehrsamkeit besaßen, dem Superintendenten Christian Haendl und dem Licentiaten Meelführer prüfen. Die Beiden wollten in den confiscirten Büchern die scheußlichsten Dinge und in dem edlen, ehrwürdigen Rabbi Hirsch Fränkl einen Zauberer der bösesten Sorte gefunden haben, dessen höllische Macht nur dadurch gebrochen und unschädlich gemacht werden könnte, daß man ihm einen drei Fmger breiten eisernen Ring um seinen Leib schmiede und er in einem Raume, unter welchem Wasser fließt, gefangen gehalten werde." Der Prinz zuckte ungeduldig auf. „Ich glaube nicht an Zauberer und Hexen." „Mais, altesse?!1) glauben nicht, was alle Welt, alle Richter, alle Geistlichen, alle Juristen glaubend Haben Sie denn nie selbst eine Hexe oder einen Zauberer gesehen d" „Es gibt keine Hexen und Zauberer! Alle die armen Unglücklichen, die als solche verbrannt, ertränkt, gerädert wurden, sind unschuldig für ein Verbrechen gestraft worden, das zu begehen nicht in ihrer Macht lag. Ich selbst habe einmal eine vermeintliche Hexe vor dem unverdienten Feuertode gerettet und die Richter mußten selbst einsehen, mit welchem furchtbaren Verbrechen sie durch ihren Unverstand ihre Seele belastet hätten, wenn ich nicht ihre Absicht durchkreuzt hätte." „Wann war das? Wo war das?" frug der leichtbewegliche, neugierige Markgraf. „Es war einmal in meinen jüngern Jahren, als ich mit meinen Truppen nach einem siegreichen Treffen, das ich wieder die Türken geliefert, durch ein ungarisches Städtchen zog. Ich hatte die Umgebung von einem furchtbaren Feinde gesäubert und das Volk jauchzte mir als seinem Retter entgegen. Auf dem Ringplatze fand ich eine große Volksmenge, welche um einen Holzstoß und eine an Händen und Füßen gefesselte Frau von etwa vierzig Jahren stand. Um Gottes Barmherzigkeit retten Sie mich! schrie die Frau, als sie mich erblickte, man will mich lebendig verbrennen und ich habe in meinem Leben keinem Menschen etwas zu Leide gethan! Die Frau erregte mein inniges Mitleid; ich hatte sie früher nie gesehen, aber ich wußte, daß sie das Verbrechen, dessen sie Dummheit oder Bosheit beschuldigte, nicht begangen haben konnte. Ich befahl sie sofort loszubinden und srug, wer die Frau sei und weßhalb man sie verbrennen wolle. Eine unbekannte Durchreisende, erwiederte der Bürgermeister 1) Aber Hoheit (Durchlaucht.)