Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1893)
- Date
- 1893-02-09
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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229! i diese naturgetreue Zeichnung des Jeschiwalebens vielleicht interessircn und viel Neues bieten. Den damit Vertrauten und speziell bei den Tausenden ehemaligen Prcßburger Rabbinatsschülern, die in alle Richtungen der Windrose verstreut, theils als Rabbiner. Lehrer, Professoren, Doctoren und sonst als achtbare Mitglieder der jüdischen Gemeinden leben und wirken, wird unsere Schilderung angenehme Jugenderinnerungen wachrusen an die schöne Zeit des Bachurimstandes und des Jeschiwalebens in Preßburg. * * * halbjährigen Curs in der Jeschiwa durchgemacht. Ja jedes Kind des Judenviertels weiß den Inhalt dieses Wortes zu deuten und gebührend zu würdigen. Welcher Bewohner der Preßburger Judengasse weiß nicht, was Semanezen ist! Gibt ja dieses zweimal im Jahre der Judengasse ein eigen' thümliches Gepräge. Unter Semanezen versteht man nämlich in Preßburg die Berathungen und Unterredungen, welche zwischen den Bachurim Anfangs jedes Semesters, behufs Wechsel und Aufnahme der Quartiere gepflogen werden. Das Wort „Semanezen" leitet sich von „Seman", Mmm wmmmm 'Ivi l. Das Semanezen. Semanezen? fragt der geehrte Leser, was ist das Semanezen? Und diec mit Recht. Gehört ja dieses sonderbare Wortgebilde keiner unserer modernen Sprachen an; auch suchen wir es vergebens unter dem Wortschätze der Alten. Wir finden dieses eigenthümliche Wort weder in einem Wörterbuche, noch in einem Conservations-Lexikon. Es ist auch un-seres Wissens kein bekanntes Jargonwort, das sich überall bet uns Juden eingebürgert. Und doch versteht dies in Preßburg, dem Sitze der altberühmten Jeschiwa, jeder Bachur, der nur einen Zeitabschnitt oder Curs her. Das „Semanezen" beginnt im Herbste vom Tage nach Sukoth bis Rausch Chaudesch Cheschwan und im Frühling vom Tage nach Pesach bis Rausch Chaudesch Jjar. Um diese Zeit konnte man vor 25 Jahren und kann man noch heute in der Preßburger Jndengasse zahlreiche Gruppen oder „Rädlach" von 8—10 Bachurim, wie man diese in der Ghettosprache nennt, stehen sehen, von welchen sich je zwei oder drei als Zimmer- und Studiencollegen für ein halbes Jahr aneinander ketten. In diesem „Rädlach" wird verhandelt, wieviel man für ein Quartier mit Sepho-