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Der Israelit · 1893-02-09 · Heft 12 (9.2.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 12 (9.2.1893)
Date
1893-02-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXTV. Jahrgang. Beilage 12 des „Israelit". Leitender Artikel. Der große Synagogenörand in Htom. (Von unserem Correspondenten.) Rom, 2. Februar. rpip ns"wn ns rva tei. Der Telegraph wird Ihnen gewiß schon gemeldet haben von dem großen Brande, der gestern Abend, in der hiesigen großen Synagoge ausgebrochen ist und dem nicht nur dieses Gotteshaus, sondern auch noch vier angebaute Synagogen, dann eine Abtheilung der Talmud-Thoraschule und einige angrenzende Wohnhäuser ganz oder theilweise zum Opfer gefallen sind. Diese große Synagoge befand sich im ehemaligen Ghetto und bestand aus der Hauptsynagoge und den vier angebauten, der Neusynagoge, der sicilischen (x^nü\x der castilischen und der catalonischen Synagoge (beide letztere huldigten dem iisv nJö). Die Hauptsynagoge soll schon, wie die jüdische Tradition hstr geht, lange vor dem 'w n*a p-nn (der Zerstörung des zweiten Tempels) und zwar noch vor der Regierung Julius Cäsar's erbaut worden sein und wenn die jüdischen Könige und Prinzen aus dem herodianischen Hause (DHnin n'3)hieher kamen, um Kaiser Auguftus und den anderen Cäsaren und Imperatoren zu huldigen, so sollen sie in diesem Gotteshause ihre Andacht verrichtet haben. Die vier angebauten Gotteshäuser entstanden erst in den letzten fünf Jahrhunderten, besonders nach der Austreibung der Juden aus Spanien und Portugal, (tibd rm) als die von dort Verjagten hierher kamen, um sich unter dem Schutze der Päpste in Rom anzusiedeln. Die Wände der Hauptsynagoge waren noch mit den Bildnissen der heiligen Tempelgeräthe, mit dem naD (Altar), jnto (Tisch) und der mijo (Leuchter), die Titus nach der Zerstörung Jerusalems hieher gebracht und deren Bildnisse man noch heute auf dem zu Ehren dieses Kaisers hier erbauten Triumphbogen (arco di Tito)*) sehen kann, und dann mit verschiedenen hebräischen Inschriften geschmückt. Neben der Synagoge befand sich auch eine berühmte jüdische Bibliothek mit vielen seltenen hebräischen Manuscripten, und auch ein eigenes Archiv mit für die Geschichte der Juden in Rom höchst wichtigen Documenten besaß dieses Gotteshaus. Auch viele alte und kostbare anso (Thorarollen) befanden sich in derselben, die zumeist alle in silbernen und goldenen Futteralen oder Häuschen (o’ro), die mit den edelsten Steinen ge- *) Siehe Illustration in unserer heutigen belletristischen Beilage Seite 228.! schmückt waren, stacken. Von einem hohen Werthe! waren auch die alterthümlichen Lustres und Leuchter dieses Gotteshauses, dessen Fußboden eine feine Mosaikarbeit zeigte. Dieses Gotteshaus wurde erst 1868 renovirt und soll diese Arbeit damals eine halbe Million Lire gekostet haben. Selbstverständlich besaßen auch die vier angebauten Gotteshäuser mehrere kostbare Thorarollen, Vorhänge (nars), Thorazierrathen tsnp ’b?c. Gestern Abend wurde noch wie gewöhnlich in der Hauptsyuagoge und in den anstoßenden Gotteshäusern der Abendgottesdienst verrichtet und gleich nachher wurden dieselben abgesperrt und zur Bewachung derselben blieb nur der Schames (Synagogendiener), Giacobbe (apy) di Cori, zurück, der auch im Tempelhose in einer Kammer schlief. Plötzlich etwa um 53/4 Uhr Abends riefe eine Frau, die im ersten Stockwerke eines an die große Synagoge anstoßenden Gebäudes wohnte, die Fenster auf und schrie auf die Gasse hinab: Feuer! Feuer! und schon sah man die Flammen zu einem Fenster des Gotteshauses herausschlagen. Auf die Feuerrufe der Frau eilte der Polizeidiener Giuseppe Severini herbei, allarmirte Alles in den vom Feuer bedrohten Häusern und forderte deren Bewohner, die insgesammt Israeliten waren, schleunigst zur Flucht auf. Der jüdische Tischler Salomon Dario, der mit seiner Frau und seinen acht Kindern schon von den lodernden Flammen isolirt war, konnte glücklicherweise noch gerettet werden. Der genannte Polizeidiener allarmirte dann schnell auch die städtische Feuerwehr, die aber nur mit einigen Handspritzen herbeieilte. Unterdessen hatten sich Tausende von Menschen auf dem Brandplatze versammelt und es war schauerlich zu sehen, wie das Flammenmeer sich immermehr ausbreitete und immer neue Bauobjccte in den Kreis seiner Verheerungen zog. Die umherstehendcn Israeliten weinten vor Schmerz, während ihre Frauen sich die Haare ausrissen und schrien: □»am irnwjo! Abbiamo peccati! Dio punisce adesso i nostri peccati! (Wir haben gesündigt! Gott straft uns jetzt wegen unserer Sünden!) Von allen Seiten schrie man nun: Salvate dunque le thora! (Rettet doch die Thora!) und gleich darauf brach das Mitglied des Cultusvorstandes Leone Pavoncello die Thüre zur Synagoge ein, stürzte, während ein Flammenmeer ihn umgab, zur Bundeslade hin, riß den Vorhang weg und ergriff eine Sefer Thora und trug sie im Triumphe ins Freie hinaus. Ihm waren unser greiser Oberrabbiner Rabbi Moses Levy Ehrenreich, dann die Rabbiner Zewi, Ascarelli k. und auch einige Vorstandsmil-

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