Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1893)
- Date
- 1893-02-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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216 Des Prinzen Züge waren so ernst geworden, daß der Markgraf wohl etnsehen mußte: seine Auseinandersetzungen fänden nicht dessen Beifall und er hatte seine ganze Hoffnung auf Eugens Unterstützung gestellt, er fuhr daher rasch fort: „Außerdem werden mir von den Ständen noch andere weniger gegründete Vorwürfe gemacht." „Par exemple?“ frug der Prinz, als der Markgraf wieder stockte. „Es wird mir Despotismus, Willkür, Gesetzlosigkeit, Unbeständigkeit vorgeworfen. Die Verleumder behaupten, daß ich der wetterwendischeste Mensch auf der ganzen Welt sei und nichts in meiner Nähe auf Stabilität rechnen kann, daß ein Mensch, der heute bei mir in höchster Gunst stehe, morgen nach der Wülzburg oder dem Mauerthurm geschleppt werden könne, daß ich im Stande bin auf das Haupt eines Mannes, der kurz vorher mein Liebling war, einen Preis auszuschreiben. ..." Der Prinz, der sonst in der Regel jedermann ruhig bis zu Ende reden ließ, unterbrach den Markgrafen und sprach scharf. „Das wäre allerdings ein schwerer Vorwurf und inmitten civilisirter Staaten nicht zu dulden. Herr Markgraf, ich hatte nicht Gelegenheit Ihre Regierungsweise eingehend zu beobachten, aber das Wenige, was ich davon kennen gelernt habe, scheint diese Ansicht 'Ihrer Herren Landstände leider zu unterstützen." Der Markgraf blickte bestürzt auf. „Wie verstehen Sie das, mon prin66? worauf beziehen sich Ihre Worte?" „Ich habe Sie ein eiuzigesmal in Ihrer Residenz in Ansbach besucht, es mögen dies jetzt etwa acht Jahre sein. Sie stellten mir damals einen jungen Mann, einen Juden, Rafael Fränkel vor, er hatte Sie mit Gefahr seines Lebens aus den Umarmungen eines Bären befreit. Sie versicherten mir damals, daß Sie ihm den Dienst, den er Ihnen erwiesen, bis zu Ihrem letzten Athemzuge nicht vergessen würden. Ich habe den jungen Menschen heute hier in Wien gesehen und gesprochen und ich will auch sofort hinzufügen, derselbe hat mir einen Dienst erwiesen, wie noch nie ein Mensch! — Herr Markgraf, — ich betone dies mit dem stärksten Accente, — ich habe ihn meines Schutzes gegen jedermann ohne Ausnahme, versichert, und der Mann, den Sie, Durchlaucht, ewige Dankbarkeit zugeschworen, der Mann erzählte mir: Sie hätten auf seinen Kopf einen Preis von dreitausend Dukaten gesetzt; er und die Seinen wären vor Ihren Verfolgungen in ganz Europa nicht sicher." „Rafael Fränkl lebt, ist hier?" rief der Markgraf heftig und eine aufsteigende Blutwelle verdunkelte seine fahlen Züge, „ich muß ihn. . . ." „Durchlaucht", unterbrach ihn der Prinz, „ich habe mich, wie ich hoffe, deutlich genug ausgedrückt. Ich bin Rafael Fränkl zu dem größten Danke verpflichtet und werde jeden, der ihm ein Leides zuzufügen beabsichtigt, daran zu verhindern wissen und als meinen entschiedensten Gegner betrachten! Wenn Ihnen, Durchlaucht, eine milde Beurtheilung — allerdings nur in so weit, als sie mit meinem Gewissen und den Pflichten meines Amtes übereinsttmmt — in den zwischen Ihnen und Ihren Ständen schwebenden Competenzfragen, wünschenswerth erscheint, müssen Sie jeden Gedanken Rafael Fränkl etwas Böses zuzufügen, aufgeben." (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel f» bestehe» bei G. F. Steinacker, jleipstg, Doßplatz 18. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Si«e Rücksendung vor» an die Redactio« ein gesandten Mauuscripten findet nicht statt, «an bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Weltfriede und Judenlhum. Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Gailingen am Rhein. Mannheim. Worms. Ladenburg bei Mannheim. Aus Baden. Stuttgart. Düsseldorf. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Pest. — England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst". Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Der große Synagogenbrand in Rom. — Vermischtes. — Briefkasten. — Bei der Redaktion eingegangene Bücher und Broschüren. Inhalt der Belletr. Beilage: Des Vaters Segen. — „Dat hat de Jud'dahn." Episode aus dem Kriege von 1870/71 von S. Steinberg. — Leben und Treiben der Preßburger Jeschiba von Hermann Löwinger. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hosduchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.